Monat: Oktober 2012

Fotografie Tutorial: Worauf muss ich bei der Fotografie von Wald- und Wiesenpilzen achten?

Herbstzeit ist Pilzzeit, sagt man. Das ist zwar richtig, aber Pilze gibt es eigentlich das ganze Jahr über. Auch Essbare. Erst letztens habe ich gelernt, das es Pilze gibt, die ein eingebautes Frostschutzmittel besitzen und daher auch in der kalten Jahreszeit bei Frost und Schnee standhaft ihren Pilz stehen. Sie wachsen erst wieder, wenn der Schnee geschmolzen ist bzw. es wärmer geworden ist. Diese Pilze werden mit Vorliebe an den Weihnachtsfeiertagen gesammelt.  Ich schweife aber vom Thema ab. Ich persönlich kann gerade mal einen Champignon von einem Fliegenpilz und einem Pfifferling unterscheiden und ich würde meine gesammelten Pilze eher nicht essen wollen. Stattdessen sammle ich sie mit meiner Kamera, denn Pilze sind wunderschöne Motive, zumal sie nicht weglaufen. Aber im letzteren liegt auch das fotografische Problem, warum die meisten Pilzbilder misslingen.

   Fotografie-Tutorial Wie fotografiere ich Pilze im Wald richtig (3)

Worauf sollte man achten, wenn man Pilze fotografiert?

Pilze solltest du nicht von oben fotografieren. Das ist wie bei kleinen Kindern und der Portraitfotografie. Der Fotograf sollte sich auf Augenhöhe mit den Pilzen begeben, auch wenn das heißt, auf feuchten Waldböden zu liegen und vom Mücken oder Zecken geplagt zu werden.

Pilze blitzt man nicht. Sorry, aber das sieht unmöglich aus. Der Pilzhut bekommt hässliche weiße ausgerissene Flecken und im Hintergrund haben wir harte Schatten. Hier hilft nur eine höhere Iso, eine große Blende oder ein Stativ. Letzteres habe ich beim wandern nie dabei, ich gebe es zu, aber dann suche ich mir einen Ast, Stein oder nehme meinen Rucksack / Waldboden als stabile Unterlage.

Viele machen den Fehler und verwenden eine geschlossene Blende, sodass viel zu viel vom Hintergrund zu sehen ist. Eine Offenblende ist für Pilze viel schmeichelhafter, zumal du hier mit Unschärfen und Bokehs im Hintergrund spielen kannst.

Fotografie-Tutorial Wie fotografiere ich Pilze im Wald richtig (4)Rück ihm auf den Hut! Pilze solltest du so nah wie möglich fotografieren. Ich benutze am liebsten mein 50mm Objektiv oder mein 60mm Makro. Solltest du aus den verschiedensten Gründen wie Brennnesseln, unwegbares Gelände, Schlamm etc. nicht so nah ran kommen, dann hilft ein Zoom-Objektiv. Doch hier wirst du unter Umständen wieder ein Stativ benötigen, ohne verwackeln die Bilder garantiert.

Achte auf die Beleuchtung. Oftmals fotografiere ich im dunklen Rotkäppchenwald die Pilze erst gar nicht, weil es viel zu dunkel ist. Ich suche mir am liebsten die Pilze am Waldesrand oder auf offenen Gelände. Pilze wie Fliegenpilze mögen auch die Sonne, diese findest du entlang der Wanderwege. Wenn die Sonne direkt auf den Hut scheint, achte auf Schatten. Vielleicht nimmst du einen faltbaren Reflektor mit auf Wanderschaft, um diese Schatten zu vermeiden bzw. den Pilz von der anderen Seite aufzuhellen?

Konzentriere dich beim Fotografieren auf die Umgebung. Hängen vielleicht Gräser ins Bild, ist der Hut richtig zu sehen? Stören Blätter oder Äste? Ich befreie an dieser Stelle ganz vorsichtig die Pilze von den störenden Bildelementen. Aber vorsichtig, nicht das der Pilz zu Schaden kommt. Ein bisschen schummeln ist hier erlaubt, schließlich wollen wir den Pilz so richtig in Szene setzten.

Wichtig: Der Bildschnitt. Pilze niemals mittig fotografieren (ok, Ausnahmen bestätigen die Regel).

Absolutes No-Go: Pilze mit dem Fuß umkippen, Pilze mit Myzel herausreißen (wenn dann schneidet man Pilze über den Boden ab) und achtlos wegschmeißen, nicht einmal für ein Foto! Pilze sind die Polizei des Waldes und es gibt viele Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Wenn du sie fotografierst, dann lass sie stehen wo sie sind. Nutze die Gegebenheiten vor Ort und wenn es nicht klappt, dann muss du auch kein Foto machen.

Fotografie-Tutorial Wie fotografiere ich Pilze im Wald richtig (1)
Das waren meine Hinweise zur Pilzfotografie. Vielleicht gehst du in den nächsten Tagen ein wenig in den Wald und versuchst, ein paar schöne Exemplare vor die Kamera zu bekommen. Ich würde mich freuen, wenn du ein paar deiner Aufnahmen mit mir teilen würdest.

Die Frage nach dem “WARUM” der Fotografie

die Frage nach dem Sinn der Fotografie

Die Fotografie ist ein essentieller Bereich meines Lebens geworden. Das merke ich daran, das ich persönlich immer weniger fotografiere bzw. die Kamera, kurz bevor ich auf den Auslöser drücke, fallen lasse und mich frage, warum ich das fotografieren will. Dieses Warum beschäftigt mich so stark, sodass ich mich manchmal sehr eingeschränkt fühle. Trotzdem empfinde ich es als wichtig, zu reflektieren, genauer hinzuschauen und mir klar zu werden, dass ich manchmal nur fotografiere, weil mich das Motiv glücklich macht. Weil es Erinnerungen festhält und weil es für mich persönlich wichtig ist.

Ich stelle mir die Frage nach dem Sinn der Fotografie

In Gesprächen mit Kollegen erfuhr ich, dass oft Fotos gemacht werden, weil man sie ausschließlich für Fotowettbewerbe macht. Ein Foto wird ausschließlich mit dem Ziel gemacht, einen Wettbewerb zu gewinnen. Doch kann das funktionieren? Fotografieren ohne Seele, ohne Gefühl, ohne einen echten Grund? Reicht die Sammlung nach Trophäen als Grund für die Fotografie wirklich aus?

Zuletzt habe ich in einem Portfolio Fotos betrachtet, die ein junges Mädchen zeigen.
Der Fotograf beschrieb die Szenerie: Eine Gruppe junger Fotografen ist mit zwei hübschen Mädchen in den Wald gefahren. Die Mädchen wurden am Baum fotografiert, liegend auf der Erde – in diversen Konstellationen. Alle Fotos waren hübsch. Und jetzt? Warum wurden sie gemacht? Als Erinnerung für die hübschen Mädchen? Für die Fotografen, die üben wollten, im schattigen Wald zu fotografieren? Weil der Wald dadurch besser aussah? Oder die Mädchen?

Ich persönlich habe den Sinn dahinter nicht verstanden. Die Gesichter habe ich bis heute wieder vergessen, es war kein Bild dabei, welches mit emotional berührt hat. Außer vielleicht einem mütterlichen Gedanken, à la “Hoffentlich verkühlen sich die Mädchen auf dem Waldboden nicht”. Natürlich könnte man diese Fotos jetzt als “Kunst” verkaufen. In der Kunst ist alles erlaubt, doch das wäre zu einfach. Oder versuche ich vergebens, einen Sinn dahinter zu finden und es ging einzig allein um Spaß? Gehe ich zu ernsthaft mit diesem Thema um?

Warum fotografiere ich?

Auch wenn der Spaß nicht zu kurz kommen soll bzw. es auch erlaubt sein sollte, einfach mal so Fotos zu machen, finde ich es wichtig, wenn man sich ein paar Minuten Zeit nimmt und darüber reflektiert, warum man fotografiert.

Gerade in der heutigen Zeit, in der tagtäglich Milliarden Fotos ins Netz gestellt werden, es technisch kein Problem ist, 1000 Fotos in der Stunde zu machen, eine Zeit, in der das einzelne Foto an sich nicht mehr wichtig ist, kann es tröstlich sein zu wissen, dass man Fotografien erstellt hat, die Erinnerungswert haben. Die Gefühle ausdrücken, die glücklich machen. Die man ganz für sich alleine oder für die Familie gemacht hat.

Wasserbokehs & Glitzer

Fotografie Tutorial Wie entstehen Blendensterne

Wie es scheint, hat sich der Sommer nun endgültig dem Ende zugeneigt. Von Tag zu Tag geht es immer mehr auf den Herbst zu.  Auf der einen Seite bedaure ich das Ende des Sommers. Auf der anderen Seite hingegen bietet der Herbst fotografisch mehr Möglichkeiten als der Sommer. Das Licht wird weicher und das Grün des Sommers weicht dem berauschenden Farbenfeuerwerk des Herbstes. Besonders das weichere Licht lockt fotografisch: Es lässt das Wasser verführerisch glitzern. Natürlich glitzert es im Sommer auch, doch ist das Licht irgendwie greller, härter. Ich konnte nicht wiederstehen und habe versucht, das Herbstglitzern des Wassers auf meine Speicherkarte zu bannen.

Was ist das Geheimnis, glitzernde Wasserflächen fotografisch festzuhalten?
Die Schwierigkeit liegt darin,  gegen die Sonne zu fotografieren und trotzdem keine weißen, ausgebrannten Flecken auf dem Bild zu haben. Weniger eine Schwierigkeit, aber unbedingt nötig ist die Verwendung des richtigen Objektivs. Mit einem Standard 24-50mm Zoom-Objektiv habe ich Schwierigkeiten, die Bildqualität zu erreichen, die ich mir wünsche. Ich verwende daher für diese Art auf der Aufnahmen ausschließlich mein 50mm 1.4D Festbrennweite.

Mit einer kleinen Blende, in diesem Beispiel Blende 8, kann ich das Glitzern der Wasseroberfläche sehr schön einfangen. Jeder kleine Lichtbrechung auf dem Wasser wird als kleines Sternchen dargestellt.
Fotografie Tutorial Wie entstehen Blendensterne

Diese Sternchen haben sogar einen Fachbegriff: Man nennt sie Blendensterne. Sie entstehen durch eine ungleichmäßige Brechung des Lichts im Objektiv bei relativ geschlossener Blende. Die Anzahl der Strahlen hängt wiederum von der Anzahl der Lamellen in dem verwendeten Objektiv ab. Das hier verwendete 50mm Objektiv besitzt 7 Lamellen. Da das eine ungerade Zahl, werden sie doppelt dargestellt, sprich 14 Strahlen (Objektive mit einer geraden Anzahl an Lamellen z.B. 8, zeigen auch nur 8-armige Sterne) Damit die Sterne schön gleichmäßig dargestellt werden bedarf es einer punktförmigen Lichtquelle. Leider kann man nicht mit jedem Objektiv diese Art der Sterne erzielen. Die Ursache hierfür ist, dass neuere Objektive zugunsten weicherer und runderer Bokehs abgerundete Lamellen haben. Erst wenn die Lamellen spitz sind, entstehen auch schöne spitze Strahlen.  Natürlich kann man diesen Effekt auch mit Sternenfiltern erzielen, aber ich persönlich finde die überflüssig.

Kleiner Tipp: Auch wenn es lästig ist, ist es in diesem Falle nützlich, ein Stativ zu verwenden, da sich durch die kleine Blende die Belichtungszeiten verlängern und die Gefahr des Verwackelns immer größer wird.

Ich wollte mit dem Glitzerlicht ein wenig spielen und dachte, dass es sich sicherlich auch wunderbar als Bokeh eignen würde. Dafür musste ich mir einen Vordergrund suchen, den ich in den Gräsern am Ufer fand.
Um das Bild so einzufangen, wie ich es mir gewünscht habe, musste ich mich ins Gras legen und mit der Blende spielen. Ich habe dabei die Blende immer weiter geöffnet.

Mit Blende 3.5 habe ich diese Wasserbokehs erzielt:
Fotografie Tutorial Wie entstehen Blendensterne

Mit einer weiteren Öffnung der Blende verändern sich die Bokehs noch einmal. Hier Blende 2.5
Fotografie Tutorial Wie entstehen Blendensterne

Jetzt verschwimmen die Bokehs regelrecht ineinander.
Eine ganz einfach Übung zum nachmachen. Vielleicht magst du uns deine Fotos zu dem Thema schicken? Welche Erfahrungen hast du gemacht, auf welche Schwierigkeiten bist du gestoßen?