Monat: Mai 2013

Wie erstelle ich ein Foto wie aus Großmutters Zeiten?

Fotos-mit-Buettenschnitt

Im April 2013 haben wir ein  Tutorial im Commag zum Thema “Wie erstelle ich mithilfe von Lightroom und Photoshop Bilder, die aussehen wie vor 100 Jahren” veröffentlicht. Die oben gezeigten Aufnahmen, einmal in schwarz-weiß und einmal Sepia stammen aus meinem Familien-Nachlass und sind schon richtig alt. Sie wurden beide um 1932 aufgenommen. Sie zeigen meine Ahnen, die ich nie kennen gelernt habe und trotzdem ein Teil meiner Familiengeschichte sind. Leider gibt es diese Art der Fotos heute nicht mehr und ich fand es schön, diesen alten Look digital nachzuempfinden. Das nächste mal drucke ich sie mir aus und nehme eine Büttenschnittschere (die gibt es in Bastelläden zu kaufen, mit denen schneidet man eigentlich Glückwunschkarten) und schneide mir einen alten Rand.

Schau doch mal ins Commag, dort erklären wir, wie man mithilfe von Lightroom Presets einen alten Farbton auf die Bilder anwenden kann und wie man einen virtuellen Büttenschnitt erstellt. Das dort angewendete Preset im Magazin kannst du bei uns kostenlos herunterladen.

Hier eine kleine Vorschau, was dich im Commag Magazin erwartet:

Buettenschnitt-Bilder-aus-Grossmutters-zeiten

 

Wabi-Sabi – Die Schönheit der Fotografie

Im Dezember 2012 habe ich ein Experiment gewagt: Ich habe meine Familie nebst Kamera und PC geschnappt und bin mit Ihnen einige Wochen lang auf die Insel Rügen gezogen. Mit diesem winterlichen Ortswechsel habe ich mir einen lang ersehnten Traum erfüllt, nämlich einmal einen einsamen Winter am Meer zu verbringen.

Vor Ort hatte ich natürlich nicht nur viel Zeit zum fotografieren, sondern konnte auch stundenlang vor dem Kamin lesen und über neue Projekte nachdenken. Just zu diesem Zeitpunkt erschien meine Lieblingszeitschrift “Sensa”, in der ich einen interessanten Artikel zum Thema Wabi-Sabi fand.

Wabi-Sabi, was ist das?

Bis dato hatte ich von diesem Begriff noch nie etwas gehört und fast hätte ich ihn mit meiner geliebt-gefürchteten höllich-scharfen Wasabi-Meerrettich-Paste verwechselt *lach*, bei derem ersten Verzehr ich in Neuseeland vor vielen Jahren fast gestorben wäre, während der japanische Kellner sein Grinsen nicht verkneifen konnte. Heute bin ich weniger forsch, wenn ich schöne grüne Schmetterlinge auf japanischem Essen sehe.

Nach dem Artikel [der aus heutiger Sicht bis auf die Überschrift wenig mit Wabi-Sabi gemein hat] war ich sofort begeistert von dem Thema und die Idee zu einem neuen eBook war geboren. Denn ich konnte auch sofort Susan begeistern, als wir auf unserem Rügener Redaktionstreffen neue Projekte diskutierten.

Wie zu jedem neuen eBook steht am Anfang jeder Idee die Recherche zu dem Thema: Internet, Bücher und sonstige Quellen. Leider gibt es zu dem Thema Wabi-Sabi in Deutschland nicht sehr viele Quellen und wenn, dann stützen sich die meisten auf ein einziges Buch von L. Koren “Wabi-Sabi für Künstler, Architekten und Designer”.

Das Werk wäre auch fast zu unserer “Bibel” geworden, wenn ich nicht bei meiner Recherche Natsuko kennen gelernt hätte. Mein Plan war es gewesen, einen in meiner Umgebung ansässigen Japaner zu finden, der mir Wabi-Sabi aus japanischer Sicht erklärt. Ich nenne es manchmal Schicksal, wenn man zu einem Zeitpunkt einen Menschen trifft, der die Einzigartigkeit des Moments ausfüllt. Wenige Tage nach meiner Recherche fuhr ich nach Dresden, um mich mit Natsuko bei einer Tasse Tee über Wabi-Sabi zu unterhalten.
Im Nachhinein denke ich, dass ich bei dieser Aktion mehr Glück als Verstand hatte, denn man muss das so vergleichen, als wenn du im Großraum Tokio einen Deutschen ausfindig machen und besuchen würdest, der dir die Kunstgeschichte Deutschlands aus dem Mittelalter erklärt. Aber das wurde mir erst sehr viel später bewusst, wie viel Glück ich in diesem Moment hatte, wie naiv ich war und wie bizarr die Situation. Ich fuhr also nach Dresden und aus einer ursprünglich geplanten Teestunde wurde ein ganzer Teetag mit intensiven Gesprächen über Japan, Kultur und natürlich Wabi-Sabi.

Heute bin ich unglaublich glücklich, Natsuko kennen gelernt zu haben. Zum einen weil mir Natsuko als japanische Künstlerin viel zur Kultur, Ästhetik und Philosophie Japans erzählen kann und ich sie sofort als Co-Autorin für unser Buchprojekt begeistern konnte und zum anderen weil Sie mir als Mensch in den wenigen Wochen sehr ans Herz gewachsen ist. Die Gespräche mit ihr sind unglaublich wertvoll und gleichzeitig für mich und meine fotografische Entwicklung sehr inspirierend.

Ohne Sie wäre das Buch in seiner heutigen Form nicht möglich gewesen. Denn Sie wies uns auf fachliche Fehler hin, die wir aus der Literatur 1:1 übernommen hätten [Die Wikipedia-Einträge zum Thema Shintō, Zen und Wabi-Sabi sind in einigen Teilen fachlich falsch. Auch sind einige Fehler im Buch “Wabi-Sabi für Künstler, Architekten und Designer” enthalten, wobei hier nicht klar ist, ob es Übersetzungsfehler sind oder weil man versucht, mit westlicher Sicht Wabi-Sabi zu erklären.]

Es gibt so viel zu lernen, zu begreifen. Dieses Wissen bereichert unsere abendländische Kultur ungemein und wie hat Natsuko so schön gesagt: “vielleicht ermöglicht dieses Wissen eine Entwicklung einer europäischen Wabi-Sabi-Ästhetik”.

Ich musste lernen, das Wabi-Sabi für uns Europäer wirklich schwer zu verstehen ist. Das man Wabi-Sabi nicht als Monolith innerhalb einer Kultur betrachten darf. Wenn man Wabi-Sabi in seiner Ganzheit begreifen möchte, muss man sich ebenso mit Shintō, Buddhismus, Zen, Yūgen und der Religions- und Kulturgeschichte Japans beschäftigen. Dafür bräuchten wir wahrscheinlich ein ganzes Leben und es wäre vermessen zu behaupten, wir würden in unserem eBook die Welt des Wabi-Sabi in seiner Komplexität erfassen.

 

Mithilfe von Natsuko war es uns aber möglich, das Thema aus fotografischer Sicht zu beleuchten. Wabi-Sabi in der Fotografie ist ein äußerst spannendes Thema, dass dazu einlädt, europäische (erlernte) Sichtweisen zu durchbrechen und Neues zu wagen. Ein Konzept, das andere Sichtweisen zulässt und Raum bietet, sich fotografisch weiter zu entwickeln. Mich hat das Thema Wabi-Sabi in den letzten Monaten unglaublich beeinflusst. Sowohl bei der Motivauswahl als auch bei den Fotobesprechungen mit Natsuko, die die Fotografische Arbeit und die anschließende Bildauswahl maßgeblich geprägt hat.

Heute freue ich mich unglaublich darüber, dass wir das Buch in wenigen Tagen veröffentlichen können. Ein Buch, welches mir thematisch sehr am Herzen liegt und voller Stolz und ganz unbescheiden möchte ich behaupten, dass es inhaltlich eines der besten Bücher geworden ist, die wir bisher geschrieben haben (nein, nein, alle sind gut :-) ).

Wenn man bedenkt, dass ich für die Fotografien, für die Texte und vor allem für das Layout über meinen Schatten springen musste, um etwas zu machen was so gar nicht “mir” entspricht: Minimalistisch, bescheiden, wenige Farben, schlichte Motive, serifenlose Schrift.

Kurz: Wabi-Sabi.

Ich möchte euch einladen, mit uns in die japanische Welt des Wabi-Sabi einzutauchen. In wenigen Tages ist es soweit…

Domo Arigatō Susan und Natsuko

PS: Das eBook ist bilingual deutsch-englisch erschienen.