Monat: Juli 2013

Auf Herz und Nieren geprüft: Die Fujifilm X-Pro1

Ich behaupte mal ganz forsch, dass wir Frauen in Bezug auf Technik und insbesondere auf die Technik unser Kamera ganz anders ticken als unsere männlichen Kollegen. Wie sage ich immer so schön: “Dass meine Kamera technisch gut funktioniert, davon gehe ich einfach mal aus.”

In den letzten Monaten hatte ich aber immer wieder das Gefühl, dass ich mit meinem Kamerasystem, einer Nikon D700 (Vollformat), nicht mehr richtig glücklich bin. Ich hatte mir einen Boliden zugelegt, der eine Masse an Funktionen mit sich herumträgt, sowohl technisch gesehen als auch vom Gewicht her. Wenn ich die Kamera mit meinem 24-70mm Arbeitsobjektiv bestücke, wiegt das ganze System über drei Kilogramm. So sind mir schon Bilder verwackelt, weil ich einfach nach vielen Stunden Arbeit die Kamera nicht mehr halten konnte. Gleichzeitig werde ich von einer Vielzahl an Funktionen überwältigt, die ich nie und nimmer brauchen werde.

Diese Unzufriedenheit brachte mich dazu, mich auf dem Kameramarkt umzuschauen. Vielleicht gibt es ein gleichwertiges, jedoch leichteres System auf dem Markt? Und so stieß ich irgendwann auf die Marke Fujifilm. In den einschlägigen Foren wurde die Systemkamera Fuji X-Pro1 vielfach mit einer Leica M verglichen und auch durch den Preis bin ich davon ausgegangen, das die Fuji eine Profikamera ist und ich wurde sehr neugierig. Da ich aber die Kamera nicht einfach im nächsten Fotofachgeschäft testen konnte schrieb ich Fujifilm an, ob ich die Kamera aus Sicht einer Frau einmal ausprobieren könnte. Als Ergebnis meiner Bemühungen kam es dazu, das ich die Kamera und drei verschiedene Wechselobjektive (18mm, 35mm und 60mm Makro) über eine Zeitraum von 4 Wochen im März 2013 testen durfte.

Im Nachhinein hat sich der Zeitpunkt des Tests allerdings als sehr unglücklich erwiesen. Nicht nur das die Hälfte der Zeit durch eine fiese Grippe verloren ging, sondern auch das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung, da der März einfach nur grau in grau, kalt und verschneit war. Mit Frühlingsbildern kann ich somit leider nicht dienen.

Vorab muss ich sagen, das ich noch nie eine Systemkamera in den Händen hatte und diese Technik absolutes Neuland für mich ist. Optisch betrachtet ist die Kamera eine wirkliche Schönheit. Es kommt ja schließlich beim Schuhkauf nicht nur auf die Bequemlichkeit der Schuhe an sondern auch ob sie mir optisch gefallen. Bei den DSLRs wurde auf das äußere Erscheinungsbild leider nicht so viel Wert gelegt, sodass ich es erfrischend fand, eine Kamera in den Händen zu halten, die ein kleines Schmuckstück mit Retrofeeling ist. Sie ist unglaublich leicht und handlich, ganz wie die Spiegelreflexkameras, die ich von früher kenne. Vor allem ist sie aber, das war ab der ersten Minute so, leicht zu bedienen. Alle wichtigen Funktionen sind intuitiv ohne Bedienungsanleitung zu finden.

Was hatte ich mir von dem Test versprochen? Ich wollte ein, leichteres Kamerasystem für mich finden, das ich sowohl beruflich als auch privat einsetzen konnte, ohne dabei jedoch auf grundlegende technische Standards und die hohe Qualität der Bilder zu verzichten.

Auf dem ersten Blick sprachen alle technischen Beschreibungen für die Fuji X-Pro1: große Auswahl an Wechselobjektiven, 16,3MP Auflösung (die D700 hat nur 12MP), mit Objektiv nur ca. 700gr leicht, ich kann im RAW-Format fotografieren, und und und … .

Kommen wir zuerst zu den positiven Eigenschaften. Wie ich schon geschrieben habe, ist die Fuji X-Pro1 wunderbar leicht, sieht in meinen Augen sehr schön aus und ist einfach zu bedienen. Um sie gründlich zu testen, habe ich sie auf einen Fotoausflug in die Sächsische Schweiz, auf die Bastei mitgenommen, die mit blauem Himmel und Schnee lockte. Ich nahm nur die Systemkamera sowie die drei Objektive mit. Mein Rücken fand das sehr sympathisch :-) Während der Tour avancierte das 18mm Objektiv zu meinem Lieblingsobjektiv. Aufgrund des Cropfaktors ist es eher mit einem 28mm zu vergleichen, was aber meiner Begeisterung in der Landschaftsfotografie keinen Abbruch tat. Aus dem 35mm Objektiv wird dann ein 53er-Objektiv.
Normalweise fotografiere ich fast alle meine Landschaftsaufnahmen mit meinem Nikkor 50mm 1.4, weil es so knackscharf ist. Diese Schärfe, die teilweise der Porträtfotografie einen räumlichen Charakter verleiht, habe ich ein wenig bei dem 35mm Objektiv vermisst. Natürlich kann man das nicht wirklich vergleichen, da die Schärfe bei einem Vollformatsensor immer ausgeprägter ist als bei einer Cropkamera.

Da ich gerade bei den Objektiven bin, möchte ich das 60mm Makro nicht vergessen. Hier drängt sich natürlich der direkte Vergleich zu meinem 60mm Nikkor Makro auf. Doch ich kann es an dieser Stelle nicht vergleichen, das wäre wie der Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Das Fokussieren an sich ist ganz anders und für mich sehr ungewohnt. Ich musste bei diesem Objektiv verstehen lernen, dass das 60mm-Objektiv eher ein Teleobjektiv und ein Brennweitenäquivalent zu einem 90mm-Objektiv darstellt. Wenn ich mit dem 60mm fokussiere, dann ist das so, als wenn ich mit einem Teleobjektiv ein weit entferntes Motiv heranhole (A. Zambito: Fujifilm X-Pro1, Franzis Verlag, S.55).

Insgesamt war das 18mm mein Lieblingsobjektiv. Lichtstärke und Bildwinkel überzeugten mich in der Landschaftsfotografie und es ließ sich gut in Räumen mit wenig Licht einsetzten. Teilweise bin ich bis ISO 2000 gegangen und das Rauschverhalten ließ sich in Lightroom sehr gut bearbeiten.

Hin und weg war ich von den wunderschönen Bokehs, mit denen alle drei Objektive aufwarten konnten. Wie meine Leser sicherlich schon wissen, liebe ich diese kleinen Bokehs, die aus einer nüchternden Fotografie ein emotionales Erlebnis werden lassen. Zwar funktionieren die Blendensternchen mit geschlossenen Blenden nicht sehr schön, dafür sind die Bokehs in der Offenblende ein optisches Erlebnis. Hier ist ein kreatives Arbeiten jederzeit möglich.

Es ist schon fast zu traurig, doch leider bin ich nicht uneingeschränkt begeistert. Ich hätte die kleine Kamera zu gerne geliebt, doch sie hatte kleine Schwächen, die mir zusammengenommen zu viel waren. Vielleicht habe ich aber zu hohe Erwartungen in die Kamera gesetzt.

So hat mir der Fokus, das Herzstück der Fotografie, Probleme bereitet. Als ich die Kamera bekam, schrieb mir ein Fotofreund, dass die “alte Lady” gute Fotos macht, wenn man viel Zeit mitbringt. Das war sehr schön umschrieben, denn die Kamera hat einen Autofokus, der für Kinderporträts, Tiere und alles was sich schnell bewegt, ungünstig ist. “Nicht so schlimm”, dachte ich, “Dann stelle ich auf den manuellen Fokus um”. Gesagt, getan und… nichts ging! Ich konnte drehen, drehen und nochmals am Objektiv drehen, es stellte sich nicht scharf. Ich fing schon an mir zu zweifeln, bis mir ein Fotofreund einen Tipp gab: Beim manuellen Fokussieren muss die AE-L/AF-L Taste gedrückt und dann am Objektiv manuell leicht nachfokussiert werden. Das Drücken und Nachfokussieren erfordert jedoch einen viel zu hohen Zeitaufwand, so das sich bewegliche Ziele zumeist schon entfernt haben bis die richtige Einstellung erfolgt ist.

Zuletzt noch ein paar kleinere Punkte, die mich unglücklich gemacht haben, auch wenn sie, verglichen mit der Funktionalität des Fokus, eher nebensächlich sind.
So ist es einfach so, das ich nicht gerne über ein Display fotografiere, sondern lieber durch den Sucher, der bei der Fuji recht klein ist. Doch störender fand ich den Umstand, dass beim Hindurchsehen durch den optischen Sucher das Objektiv zu einem Viertel zu sehen war und somit die Komposition zum Teil verdeckt wird. Ich konnte zwar auf den elektrischen Sucher umstellen, doch irgendwie hat mir das nicht gefallen. Außerdem sieht man bei dieser Kamera sowohl auf dem Display als auch durch den Sucher nur 90% des späteren Bildes. Das stört mich schon an meiner D700 und finde es schade, das bei einer neuen Systemkamera dieses Problem nicht angegangen wurde. Das Display selber ist bei Sonnenschein sehr schwierig zu verwenden. Die Aufnahmen in der Sächsischen Schweiz bei schönsten Sonnenschein und blauem Himmel sind regelrecht im Blindflug entstanden, da das Display in der Sonne nur Schwarz war.

Der Fotoausflug in die Sächsische Schweiz offenbarte noch ein weiteres Problemchen: Die Akkulaufzeit. Ich hatte diesen extra vor der Tour komplett aufgeladen und nach drei Stunden fotografieren ohne Blitz (die Kamera besitzt nämlich keinen integrierten Blitz) war Schluss. Völlig ratlos guckte ich auf das Display, welches mir sagte, das der Akku alle ist. Ich weiß nicht, ob das am Alter des Akkus in der Testkamera liegt, weil es so winterlich kalt an diesem Tag gewesen war oder ob der Akku wirklich so schwach auf der Brust ist. Ich war natürlich enttäuscht, da ich keinen Ersatzakku besitze und natürlich die Nikon nicht mitgenommen hatte.

Später, bei der Bildbearbeitung, musste ich herausfinden, dass es noch weitere Probleme gab, die aber nichts mit der Fuji selbst zu tun hatten, sondern mit meiner Haus- und Hof-Bildbearbeitungssoftware Lightroom, mit der ich alle RAWs komplett entwickle. Lightroom 4 hat die RAWs sofort erkannt, trotzdem hatte ich beim Bearbeiten das Gefühl, das Lightroom und Fuji sich nicht mögen. Es sind komische Sachen passiert: So konnte ich zum Beispiel die Anwendung von Presets nicht rückgängig machen und musste Lightroom neu starten, um das RAW wieder auf seine Ausgangsbasis zurück zu setzen. Teilweise haben die Presets auch nicht so gearbeitet, wie ich es von meinen Nikon RAW-Files kenne. Auch die Objektivkorrektur (Stand: Lightroom 4.4, 64 Bit) hat nicht richtig funktioniert, da keine Profile für die Fuji X-Pro1 und deren unterschiedlichen Objektive, sondern nur für die Fuji X-Pro100 eingestellt waren. Weil ich unbedingt wollte, dass die beiden sich mögen, habe ich mich sehr ausführlich mit dem Adobe Support unterhalten. Aber leider ohne Erfolg.

Auf der anderen Seite hat es mich positiv überrascht, dass die chromatischen Aberrationen in den meisten RAW-Files von Lightroom sehr gut erkannt und eliminiert werden. Doch insgesamt fand ich die chromatischen Aberrationen in vielen Bildern viel zu stark und dass man laut Fuji-Forum mit den Problemen leben muss, ist fotografisch gesehen, sehr unschön. Nicht alle chromatischen Aberrationen sind per Knopfdruck entfernbar und es ist sehr zeitaufwändig, sie per Hand in Photoshop wegzustempeln.

Ein letzter kleiner Punkt, den ich etwas unglücklich finde betrifft das Stativgewinde, welches viel zu nah am Akkufach platziert ist. Ich nutze das Gewinde für meinen Kameragurt und es ist äußert lästig, wenn man den Gurt abschrauben muss, um den Akku oder den Speicherchip herauszunehmen.

Fazit: Alles in allem ist mein Eindruck stark durchwachsen. Wenn ich die Vor- und Nachteile in einer Tabelle gegenüberstellen würde, dann wäre das Ergebnis folgendermaßen:

Vorteile

  • wunderschönes Design
  • viele Objektive
  • einfache, intuitive Handhabung
  •  rückenschonendes Fliegengewicht
  •  tolles Bokeh

Nachteile

  • Gewinde zu nah am Akkufach
  • Akkulaufzeit
  • Sucher (Objektiv zu sehen)
  • manueller Fokus und automatischer Fokus zu langsam
  • teilweise heftige chromatische Aberrationen
  • Lightroom RAW Probleme

Wenn ich meine Ziele vom Anfang des Berichtes wieder hervorrufe “Ich wollte ein neues, leichteres Kamerasystem für mich finden, das ich sowohl beruflich als auch privat einsetzen konnte, ohne auf die hohe Qualität der Bilder zu verzichten”, dann kann ich Folgendes im Fazit festhalten: Die Fuji X-Pro1 ist eine wunderschöne, leichte und intuitiv zu bedienende Kamera. Für den Einsatz in der Reise-, Reportagen – und Landschaftsfotografie mit dem 18mm- bzw. 35mm-Objektiv ist sie wunderbar geeignet.

Für andere Bereiche, in denen es auf einen schnellen Autofokus ankommt (Kinder-, Sport,- bzw. Hochzeitsfotografie) würde ich sie persönlich nicht einsetzen.

Ganz zum Schluss möchte ich noch einen kurzen Blick auf die Kosten werfen. Ein Fuji X-Pro 1 Body kostet ca. 1500 Euro, ein Objektiv ca. 500 Euro. Das ganze System, das mir zum Testen zur Verfügung gestellt wurde, hat einen Wert von ca. 3000 Euro und entspricht in etwa meiner aktuellen Nikon Vollformat Ausrüstung. Im Vergleich beider Systeme gebe ich aus beruflicher Sicht und den oben genannten Gründen derzeit dem Nikon System noch den Vorzug. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass die spiegellose Systemkameratechnik am Anfang ihrer Entwicklung steht und in ein paar Jahren dem jetzigen DSLR-System den Rang ablaufen wird.

Ich werde daher die Entwicklung weiter verfolgen und ich möchte mich ganz herzlich bei Fujifilm für die Bereitstellung der Kamera bedanken. Das Testing war sehr sehr interessant für mich und hat mir viel Freude bereitet.