Monat: Oktober 2013

Suchanfrage: Mit welcher Belichtungszeit kann ich Palmen im Sonnenuntergang fotografieren?

Ich dachte, ich mache eine neue Rubrik auf, indem ich auf die Fragen antworte, mit denen Leser auf meine Seite kommen, aber sicherlich keine Antwort gefunden haben.

sonnenblumen-im-sonnenuntergang-2

Sonnenblumen im Sonnenuntergang 100er Makro f36 1/60s Iso 200 – belichtet auf die Blüte

In dieser Woche wurde gefragt, mit welcher Belichtungszeit Palmen im Sonnenuntergang fotografiert werden können. Die Frage ich nicht so einfach zu beantworten, da ich nicht weiß, welches Endergebnis derjenige sehen möchte. Möchte er schwarze Palmen wie eine Art Scherenschnitt vor orange-roten Himmel fotografieren oder soll das Bild so aussehen, das die Palmen bzw. der Vordergrund belichtet sind?  Von entscheidender Bedeutung ist, worauf fokussiert und gleichzeitig die Belichtungszeit ermittelt  und welche Blende genommen wird.

sonnenblumen-im-sonnenuntergang

Sonnenblumen im Sonnenuntergang 100er Makro f3.5 1/8000s Iso 200

Soll das Bild mit einer kleineren Blende und Tiefenschärfe aufgenommen werden, ist ein Stativ nötig, denn die Belichtungszeit wird sich so verlängern, dass es Freihand sicherlich verwackelt. Dieses Sonnenuntergangsbild mit Palmen wurde mit einer Blende 8 und 1/25 sek belichtet, während dieses Silhouettenfoto “Strand mit Palmen” mit einer 11er Blende und 1/200sek. belichtet wurde. Die gleiche Belichtungszeit aber eine größere Blende von 5 (ISO 200) belichtet dafür das Bild in allen Details. Hat man dagegen kein Stativ zur Hand und muss Freihand belichten, dann kann es helfen, die Iso von 200 auf 800 oder höher zu stellen. Die Belichtungszeit verringert sich dadurch deutlich, aber Achtung, je nach Kameratyp und Rauschverhalten kann man sich das Bild mit höheren Iso-Werten mit einem unschönen Rauschen versauen. Da hilft u.U. auch kein Bildbearbeitungsprogramm mehr, um das Rauschen so zu entfernen, sodass das Bild nicht zermatscht. Ebenso ist es wichtig zu beachten, welches Objektiv du benutzt. Die Lichtempfindlichkeit spielt dabei ein wichtige Rolle.

Mein Fazit: Eine Belichtungszeit auf die Komastelle genau anzugeben, ist schier unmöglich. Aber man kann in den Fotocommunitys sich die Exifdateien anschauen und  die Werte aufschreiben. Vor Ort kann man dann experimentieren und die Werte den jeweiligen Lichtverhältnissen anpassen. Und wer sich unsicher ist, sollte sich den internen Belichtungsmesser in der Kamera anschauen. Je nach Geschmack, kann man sich daran orientieren und ggf. die Werte nach oben oder nach unten anpassen.

An dieser Stelle keine Palmen im Sonnenuntergang sondern Sonnenblumen. Aber das Prinzip bleibt das gleiche :-)

sonnenblumen-im-sonnenuntergang-1

Sonnenblumen mit Blendensternchen  100er Makro f36 1/100s Iso 200 

Du siehst an meinem Sonnenblumenbeispiel, wie ein und die selbe Blüte vom selben Standpunkt aus mit unterschiedlichem Fokus, Belichtungszeit und Blende ganz unterschiedlich aussehen. So macht doch das experimentieren Spaß und ich finde, es gibt kein richtig oder falsch, alle Fotos sind auf ihre Art gelungen bzw. welches dir besser gefällt ist Geschmackssache.

 

 

Da stehe ich auf dem Acker bei Minus 3 Grad und will Bulb machen…

und nichts geht !

Seit längerem beschäftige ich mich mit Langzeitbelichtungen. Und heute sollte es etwas besonderes werden: Star Trails. Doch daraus ist nichts geworden. Dabei waren die Bedingungen mehr als perfekt: das Kind in der Fremdübernachtung, eine wundervolle, sternenklare Neumondnacht und viel Zeit. Und da stehe ich auf dem Acker, dick eingemummelt wie im tiefsten Winter (ok, -3° C sind für mich tiefster Winter, auch wenn wir erst Anfang Oktober haben, doch letztes Jahr um diese Zeit gab es auch schon den ersten Schnee), baue in stockdunkler Nacht Stativ und Kamera auf, stelle “Bulb” ein. Aber nichts geht. Er macht kein Bulb sondern nur “Blub”, sprich er belichtet nicht länger sondern schließt gleich wieder die Pforten, sodass das Ergebnis auch nur nach Spinat aussieht.

Da ich mitten auf dem nächtlichen Acker auch keine Bedienungsanleitung dabei habe, probiere ich mit nicht fühlbaren Fingern an der Kamera herum. Doch es funktioniert weiter nicht. Das einzige was geht, ist die manuelle Belichtung von maximal 30 Sekunden, doch dann ist Schluss. Aber Frau weiß sich zu behelfen und surft nächtlich auf dem Acker mit ihrem Smartphone durch die Foren (endlich hat das Ding mal eine nützliche Funktion, denn wir beide stehen auf Kriegsfuß miteinander und mögen uns nur, wenn der Routenplaner ausnahmsweise mal die richtige Adresse anzeigt, aber das ist ein anderes Kapitel) und stelle fest, das sowohl in den deutschen als auch in den englischen Foren ein ähnliches Problem diskutiert wird: Der Bulb geht nicht, will nicht, kann nicht und hat andere Macken. Aber keine Lösung, stattdessen nur sinnlos Antworten (ich finde, den Antwortschreibern sollte die Lizenz zum sinnlos antworten entzogen werden).

Ich suche also weiter und finde irgendwann ein Video zum Thema Bulb-Modus und dort wird endlich die Lösung meines Problems erklärt. Doch statt glücklich darüber zu sein, schimpfe ich wütend vor mich hin. Wie kann eine 2.700 Eur teure Kamera so eine dämliche Lösung anbieten? Ich wollte es nicht glauben, doch der Blick ins Handbuch bestätigte die Unglaublichkeit. Auch jetzt noch, indem ich darüber schreibe, werde ich darüber nicht fertig: Da muss Fotografin oder Fotograf den Auslöseknopf gedrückt halten. Natürlich verwackelt man dabei und nicht nur das, die eine Hand friert  ab und die andere Hand bekommt vom Stoppuhrhalten einen Krampf. Aus gefühlten zwei Minuten Belichtungszeit werden so zwei Jahre.

Dabei war ich  letztens schon so aufgebracht über den Kamera Hersteller Nikon, nachdem ich feststellen musste, das mein geliebter Funkauslöser, der an der D90 tadelos funktionierte, an der D700 nicht mehr zu gebrauchen ist. Aber keine Sorge, natürlich weiß Nikon, wie man den klugen Fotografen dazu bringt, sich doch noch Geld aus der Tasche ziehen zu lassen, indem man sich für den Funkauslöser einen zusätzlichen Empfänger für ein paar Hunderter zulegen kann.

Und nun heute die nächste Frechheit: Natürlich kann ich das minutenlange Verwackeln vermeiden, indem ich mir einen ca. 150 Eur teuren Fernauslöser (MC-36) zulege. Und natürlich geht ein preiswerter nicht, weil ich dann nicht die Belichtungszeit einstellen kann. Aber auch der MC-36 ist nicht perfekt, denn das Kabel ist mit 85cm zu kurz und sollte eigentlich nicht Fernauslöser sondern Kurzauslöser heißen.

Was tun nun? Auf Bulb und wunderschöne Star Trails verzichten (teilweise muss man hier bis 20 Minuten und länger belichten – da würde mir an der jetzigen Lösung wahrscheinlich die Hand abfaulen) oder in den sauren Apfel beißen? Ich bin hin und her gerissen und stinksauer auf meinen sonst so geliebten Kamerahersteller.

Oder doch das nächste Mal 20-50 Aufnahmen a 30 Sek. mit der D700 integrierten Timerfunktion machen und dann die Bilder in Photoshop zusammenfügen? Hmm, das scheint die einzige Alternative zu sein. Ich werde berichten. Bis dahin hoffe ich, das es in diesem Herbst ein bisschen wärmer wird.