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Meine neue Liebe: Vintage Objektiv Trioplan100

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Wer mich kennen gelernt hat, weiß, dass ich wirklich nicht zu den Objektiv-Sammlerinnen und Objektiv-Pixelzählerinnen gehöre. Viele Jahre habe ich ausschließlich mit 50mm fotografiert und irgendwann kamen ein 20mm und ein 100mm hinzu, meistens dann wenn ich einen entsprechenden Fotoauftrag hatte und die Investition nötig war. Alle drei Objektive haben sich im Laufe der Zeit fest in mein Repertoire eingefügt und ich benutze sie jederzeit sehr gerne. Eigentlich hatte ich kein Bedürfnis nach einem weiteren Objektiv, bis ich für mein neues Fotoprojekt Anfang des Jahres auf das Vintage-Objektiv Trioplan100 von Meyer Optik Görlitz stieß. Vor ein paar Jahren wurde es mithilfe einer Crowdfunding neu aufgelegt. Ich hatte viele Fragen zu dem Objektiv, denn ganz besonders habe ich mich für die Bokehs interessiert. Ich bin ja ein Fan von besonders schönen und ausgefallenen Bokehs und kann mich dafür sehr begeistern. Von Seifenblasenbokehs hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört und war vom ersten Moment an angetan. Gleichzeitig hatte ich auch ein wenig Angst vor dem Objektiv: Kein Autofokus. Ich hatte ja schon in einem früheren Artikel über das Problem von Unschärfen geschrieben und nun sollte ich als Brillenträgerin ganz ohne Autofokus arbeiten?

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Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen. Kurz vor meiner Rügenreise hielt ich es zum ersten Mal in den Händen und ich beschloss, eine Woche lang auf meinem Workshop kein anderes Objektiv zu verwenden. Ich wollte mich der Aufgabe stellen, ganz analog wie früher zu fotografieren. Denn an der Kamera kann ich nur die Belichtungszeit einstellen, während Blende und Entfernung (Fokus) am Objektiv manuell eingestellt werden müssen. Das Objektiv kam mit einem Nikon-Anschluß, sodass ich an meiner Nikon D750 keinen Adapter brauche.

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Und da ich unbedingt Seifenblasenbokehs erzeugen wollte, fotografierte ich überwiegend mit einer geöffneten Blende von f2.8. Das Objektiv ist bei dieser Blendeneinstellung so lichtstark, dass meine minimalste Verschlußzeit von 1/4000s oft kaum ausreichte und ich mir wünschte, eine Kamera mit einer kürzeren Verschlußzeit zu haben (mit ein, zwei Augen schaue ich schon seit einigen Monaten auf die Nikon D850 mit 1/8000s und 153 Meßfeldern). Dank RAW und Lightroom konnte ich aber die Überbelichtung händeln, wobei es an einigen Stellen im Foto von mir auch gewünscht war. Überbelichtung heißt ja nicht, dass ein Foto kaputt oder nicht richtig ist. Über- als auch Unterbelichtung sind für mich Stilmittel um mich auszudrücken, die Welt so zu zeigen, wie ich sie gesehen habe.

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Was für mich anfänglich schwierig/anders war, war der Mindestabstand zum Motiv von über einem Meter. Normalerweise bin ich 30cm gewöhnt und nun mussten es mehr als ein Meter sein, um überhaupt scharf stellen zu können. Da die Kamera auch unter der Mindestentfernung auslöst, war es für mich nicht so einfach, ob die Schärfe wirklich an den Stellen saß, wo ich sie hin haben wollte. Hier musste ich komplett umdenken und anders agieren. Doch am Ende hat es meinen Blick verändert. Ich bin heute dem Objektiv dankbar, dass ich persönlich aus meiner festgefahrenen Blickrichtung herausgezwungen wurde.

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Zehn Jahre 50mm haben mich doch sehr geprägt und der innere Widerstand aus meiner Komfortzone herauszukommen war groß. Der Autofokus saß die letzten Jahre perfekt, ich wusste den Sucher/das Display zu beurteilen und alles war mir in Fleisch und Blut übergegangen.

An meinem ersten Workshoptag auf Rügen war alles anders. In der ersten Stunde fühlte ich mich in meine Anfängerjahre zurückversetzt, mit dem Unterschied, dass ich heute weiß, was ich einstellen muss. Aber das Gefühl mit dem Objektiv zu arbeiten, ist völlig anders. Die Bedienung, die Beurteilung der Schärfe im Sucher und anschließender Begutachtung im Display haben das Arbeiten völlig verändert.Ich wusste vom Hersteller, dass das Objektiv – und es heißt nicht umsonst Vintagelense – zu „spontaner Unschärfe“ neigt – im Laufe der Woche wurde dies zu unserem geflügelten Workshopslogan.

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Die Fotografien sind nicht perfekt scharf, aber sie haben etwas Besonderes. Etwas was man nicht in Photoshop simulieren kann. Und das macht das Arbeiten so intensiv, so spannend. Man weiß nicht, was wirklich dabei herauskommt. Man sieht ein Motiv, beurteilt das Licht und dann entstehen Fotos, die man vorher komplett anders eingeschätzt hat. Das macht das Objektiv so liebenswert, so andersartig. Am Ende waren die Seifenblasenbokehs zweitrangig. Es war für mich nicht mehr wichtig, ob ich sie einfangen kann oder nicht.

Hast Du Fragen zum Objektiv oder hast Du Lust zusammen bei mir einen Naturfotografie-Workshop zum Trioplan100 zu besuchen, dann schreib mir oder ruf mich an.

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Erinnerungen: Ein Sommertag am Meer

Middelhagen, Mönchgut, Ostsee, Rügen

Sommerferien 2017 ade. Wie unglücklich waren wir am letzten Wochenende, als wir von Rügen durch einen kilometerlangen Stau nach Hause fuhren und wussten, dass die Sommerferien schon wieder vorbei sind und mein Sommertag am Meer nur noch Erinnerungen auf Papier sind.

Ich möchte dir gerne von Rügen erzählen. Anfangs hatte ich ein wenig Bedenken, mitten in der Hochsaison auf die Insel zu fahren. Zuletzt war ich in den 1990er Jahren im Sommer auf Rügen gewesen und die letzten Jahre kannte ich die Insel nur im Winter. Nun, was das Verkehrschaos im Sommer auf der Insel betrifft, hat es meine Vorstellungen noch übertroffen. Es ist unglaublich, welche Staus sich bilden. Wer noch nie auf Rügen war: Es gibt verkehrstechnisch so gut wie keine Ausweichmöglichkeiten, sodass sich alles auf wenigen Strassen bewegt.

An unserem Anreisetag war ich schon nachmittags auf der Insel und ich wurde mit einer grandiosen malerischen Gewitterlandschaft begrüßt. Die ersten Bilder sind entstanden und wie schrieb ich bei Instagram „Caspar David Friedrich hätte es nicht schöner malen können“. Die Farben haben mich einfach überwältigt. Ich fühlte mich sofort heimisch.

Wettertechnisch ging es die eine Woche durcheinander zu. Von reinstem Badewetter bis hin zum kalten Regentag war alles dabei.

Instagram
So war ich zufrieden, als am Tag meiner Ausstellungseröffnung es nicht besonders schön war und viele Besucher im Naturerbezentrum waren. Auch diesen Ort kenne ich nur im Winter und ich war geflasht, was dort im Sommer los ist. Nach vielen Stunden hingen meine Bilder und ich habe mich sehr über meine Besucher gefreut und das wir so tolle Gespräche vor Ort hatten.

Ostsee, Rügen, Sommer, Strand

In den Tagen zwischen Ausstellungseröffnung und Workshoptag verbrachten wir unsere Zeit am Strand, auf Wanderungen im Mönchgut und ich besuchte im Nationalpark Jasmund Sabine und Thomas, die im September die Sommerakademie ausrichten. Es war toll die beiden persönlich zu treffen und zu schauen, wie es vor Ort aussieht.

Die beiden wohnen direkt in der Nachbarschaft zum Nationalpark und haben einen ganz zauberhaften Ort mitten in der Natur geschaffen. Jetzt freue ich mich umso mehr, dass ich im September die Fotografiegruppe anleiten darf, schon alleine bei den beiden im Garten gibt es Millionen Fotomotive. Es gibt noch einen freien Platz in einer wunderbaren künstlerischen Gemeinschaft.

Wenn du dir spontan Urlaub nehmen kannst, dann komm mit. Informationen zum Rahmenprogramm findest du unter www.sommerakademie-ruegen.de

Leider ging die Woche schneller vorbei als ich schauen konnte und schon war der Workshoptag am Freitag angebrochen. Wir haben uns vormittags am ältesten Gasthofs Rügen getroffen und von dort ging zu Fuß in das Naturschutzgebiet Mönchgut. Das liegt ganz im Südosten Rügens, etwas abseits des Touristenstroms und einzigartig in seiner Flora und Fauna.

Als wir das Naturschutzgebiet betraten, stoppte ich die Gruppe und sagte „Ab hier beginnt das Paradies“. Tage zuvor hatte ich es schon bewandert und wusste, was uns erwartete: Alice im Wunderland hätte es nicht schön gedeihen lassen. Meterhoch wächst die wilde Möhre und bildet einen mystischen Miniwald. Über all blüht es: Blumenwiesen in allen Farben. Und alleine der Ausblick auf die wunderbare Ostsee, wenn sie in ihren blauen, grünen und türkisen Farben leuchtet.

Aufgrund des starken Windes konnten wir keine Seeadler beobachten. Ebenso waren die vielen Blumen und Blüten aufgrund des Windes schwierig zu fotografieren, sodass aus der Not eine Tugend gemacht wurde und verwischte Blumenwiesen aufgenommen wurden.

* Super Gadget Tipp für grelles Licht *
Dank Mirko, der als echter Insulaner meinen Workshop begleitete, hatten wir bei dem grellen Licht einen Viewfinder dabei. Ich kannte bisher dieses wirklich sinnvolle Gadget nicht. Wie oft habe ich meine Kamera unter meine Jacke gehalten, um bei grellem Licht etwas auf dem Display sehen zu können. Mit der Sucherlupe ist das nun Geschichte :-)

Die vielen Wassersportler auf dem Bodden waren begeistert. Es war eine Freude den Kitesurfern bei ihren meterhohen Sprüngen zuzuschauen und zum ersten Mal in meinem Leben dachte ich, dass ich das auch unbedingt mal machen möchte, so hoch über den Meer zu fliegen.
Nach der Wanderung im Mönchgut gab es die Gelegenheit für ein frisch gefangenes Fischbrötchen und einem richtig guten Kaffee und selbstgemachten Kuchen.

Middelhagen, Mönchgut, Ostsee, Rügen, Workshop

In der zweiten Hälfte des Workshops fuhren wir eine kurze Strecke nach „Klein Zicker“, das am südöstlichsten Ende Rügens liegt. Während der Vormittag sonnig und windig war (inkl. Sonnenbrand), zogen am späten Nachmittag Regenwolken auf, die sich mit Sonne und Wolken minütlich abwechselten. Eine grandiose Ostseekulisse erwartete uns bei diesen Lichtverhältnissen, sodass die Landschaftsfotografie nun richtig zum Einsatz kam. Wellengang, Gischt, Gegenlicht, dunkle Wolken – die Ostsee machte uns fotografisch glücklich.

Rot

Ich habe mich seit langem mal wieder glücklich und entspannt gefühlt, weil nicht nur das Wetter und die Landschaft meine Vorstellungen für den Workshoptag übertroffen waren, sondern auch weil ich so nette Workshopteilnehmer dabei hatte und wir viel Spaß zusammen hatten. Leider ging der Tag viel zu schnell vorbei und seitdem hat mich auch der Alltag wieder.

Geblieben sind viele, viele Fotos, die ich sichten und aussortieren muss. Um sehr mehr freue ich mich auf die Sommerakademie im September. Mein Programm für die 10 Tage steht und ich habe neue Fotoorte mit aufgenommen. Auch ich stelle immer wieder fest, dass ich nicht alles auf Rügen kenne und das immer wieder eine Überraschung auf mich wartet.