Wie sieht Erfolg aus?

Über die Leichtigkeit in der Fotografie

Wenn man selbstständig ist, dann weiß man, dass es Zeiten gibt, die schlecht laufen und andere, die gut sind. Wie lange welche Phase dauert ist genauso wenig vorherbestimmbar wie sie beeinflussbar ist. So habe ich in guten Zeiten immer Angst, dass sie vorbei sein könnte, ohne genug Geld beiseite gelegt zu haben, das man die finanzielle Eiszeit im Warmen gut übersteht. Im Moment befinden wir uns wieder in einer Eiszeit. Dass ich da nicht alleine drin feststecke, haben mir Gespräche mit Kollegen gezeigt. In Zeiten der Not hilft es zu wissen, dass es anderen nicht besser geht. Dann versucht man wenigstens nicht ständig sich dafür die Schuld zu geben, nicht genügend dafür getan zu haben, das es anders aussieht. Dabei sieht nach Außen hin alles ganz toll aus. Immer wieder bekomme ich gesagt, dass meine Homepage aussieht, als wenn ich ganz viel Erfolg hätte.

Woran macht man das fest, was ist überhaupt Erfolg? Wie misst man es, an schönen Bildern und Texten? Wenn man nach der Definition Erfolg sucht, erfährt man folgendes:

„Erfolg ist das Erreichen von Zielen, die man vorher definiert hat oder welche allgemein erstrebenswert sind.“

Mein Ziel meiner Selbstständigkeit war und ist, meiner Familie und mir ein würdevolles Leben zu schaffen. Meinem Kind eine gute Schulausbildung, Hobby etc. zu ermöglichen. Das ich von meiner Arbeit leben, meine Kosten decken und mir ab zu eine Kleinigkeit leisten kann. Meine Wünsche sind diesbezüglich nicht allzu groß, bin ich doch schon als Kind bescheiden aufgewachsen. Denn mir ist bewusst, das Erfolg nicht bedeutet, automatisch glücklich zu sein. Doch zum Thema Glück sollte ich mal einen eigenen Artikel schreiben…

Wenn ich mir meine Ziele anschaue, weiß ich, dass ich sie bisher nicht erreicht habe. Im Gegenteil, ich war schon des Öfteren kurz davor alles aufzugeben, weil es finanziell nicht reicht. Absicherung für die Altersvorsorge, Pflegeversicherung? Mal eben eine neue Kamera für meine Selbstständigkeit oder einen Zahnersatz finanzieren? Alles ist nicht möglich, es reicht für die laufenden Kosten wie KSK, Miete, Versicherungen, Steuerberater und Finanzamt. Ist das aber Erfolg?

Wenn ich mit Menschen rede, die eine Festanstellung haben, haben sie so meisten gar keine Vorstellung davon, welche Kosten ich jeden Monat als Selbstständige habe, und die ich in meinen Kursgebühren/Preisen abdecken muss und die abzüglich der Mehrwertsteuer abgeführt werden müssen.

Letztens hatte ich diesbezüglich eine spannende Diskussion im Freundeskreis. Ich schenkte einer Freundin eine Fotomappe (ähnlich wie im Kindergarten) ihres Kindes. Sie wollte mir die Materialkosten der Mappe bezahlen und ich sagte, sie soll sie stecken lassen, die Kosten der Mappe liegen bei rund 2 Eur.

Kaum sagte ich das, fing sie an zu schimpfen, warum denn der Kindergartenfotograf 25 Eur für eine Mappe nimmt. Ich sagte „Stopp“,  denn so darf man nicht rechnen. 25 Eur abzüglich 19% Mwst, abzüglich 2 Eur Materialkosten, abzüglich Zeit und Fahrtkosten (Zeit vor Ort die Bilder zu machen, Bilder bearbeiten, entwickeln lassen, Rechnung schreiben, Buchhaltung), abzüglich Abnutzung und Kauf von Fotoausrüstung, Versicherung, KK, RV etc.

Was bleibt bei 25 Eur übrig? Keine 3 Eur. Den Stundenlohn habe ich wohlweislich nicht ausgerechnet, der liegt weit untern einem Euro. Kaum schlüsselte ich es auf, guckte sie mich an und sagte: „Jana, das musst du unbedingt auf deiner Webseite veröffentlichen. Das war mir nicht bewusst!“

Dabei weiß ich, dass 25 Eur für eine Familie mit mehreren Kindern und Jobs mit Mindestlohn teuer ist. Würde diese Familie normal verdienen, hätte ich auch kein Problem die Mappe zu verkaufen.

Ich verstehe ebenfalls, dass es nicht mehr viele Menschen in unserem Land gibt, die sich Weiterbildungen leisten können. Auch ich würde gerne einen Kurs für mich besuchen. Alle reden von Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung – doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Diskussion um die Essener Tafel hat das Dilemma endlich in die Öffentlichkeit getragen.

„Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind.“

Mir ist bewusst, dass ich mit meiner Dienstleistung am Ende der Schlange stehe und ein „Nice -“ statt „Must to have“ Angebot habe. Wie oft habe ich in den letzten Jahren ganze Nächte wach gelegen und überlegt, was ich anders machen kann.

Das die vielen gutgemeinten E-Mails aufhören, die meistens damit anfangen „Jana, du machst so tolle Fotos und ich würde so gerne einen Kurs bei dir besuchen aber du bist ja soooo weit weg.“

Dass das „soweitweg“ nur eine Floskel ist, merke ich daran, dass auch Kurse in der Nähe dieser Menschen nicht angenommen werden. Denn wenn man etwas wirklich will, dann würde man hinfahren oder man würde ehrlich schreiben, dass man sich die Kursgebühr nicht leisten kann oder will.

Doch ich mag diese E-Mails nicht mehr lesen, denn sie bezahlen meine Rechnungen nicht. Und ich frage mich, warum mir diese E-Mails überhaupt geschickt werden. Welche Gründe es dafür gibt. Ich würde bei anderen nie auf die Idee kommen, mich diesbezüglich so zu äußern, dass der andere sich ärgern muss.

„Im Leben geht es immer darum zu wachsen und sich zu verändern.“

In den letzten Tagen habe ich viele persönliche Gespräche geführt. Ich war traurig, dass ich meinen Kurs in Husum mangels Teilnehmer absagen musste. Ich hätte mich sehr gefreut. Aber ich habe heute auch versprochen, dass ich nicht aufgeben werde. Das ich diese Zeit überbrücken und für mein neues Fotoprojekt, welches im Herbst starten soll, nutze. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine Neue.

Und ich hoffe, dass – solltest Du auch selbstständig sein und diesen Bericht lesen und es dir ähnlich gehen – du merkst, dass du nicht alleine bist, das wir alle ähnliche Sorgen, Nöte und Wünsche haben.

Das hinter einer professionellen guten Webseite nicht automatisch Erfolg steht, auch wenn ich es mir so sehr wünsche. Doch es ist mir wichtig, nach Außen mithilfe meiner Webseite zu zeigen wer ich bin und wie ich anderen mit meinen Kenntnissen helfen kann.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir wieder mehr zusammen arbeiten und uns gegenseitig unterstützen.

Kategorie Allgemein, Über mich

„Fotografie aus Leidenschaft“, das ist das Motto der 1976 in Halberstadt geborenen künstlerischen Fotografin und Buchautorin Jana Mänz. Als Natur- und Landschaftsfotografin zeigt sie uns die Welt auf ungesehene Weise. Die Abbildung der Wirklichkeit lässt sie dabei gerne hinter sich, um mit ganz eigener Handschrift Bilder zu schaffen, die im Gedächtnis bleiben. Gerne gibt Jana Mänz ihr Wissen weiter: Sie unterrichtet Fotografie und Bildbearbeitung. Lies mehr über...

2 Kommentare

  1. Margreth

    Liebe Jana, ich bewundere dich immer wieder für deinen Mut über deine Ängste, Sorgen, Ärger und Wünsche so offen zu schreiben. Oft erkenne ich mich in deinen Aussagen wieder. Diesmal ärgere ich mich jedoch über deinen Satz: Dass das „soweitweg“ nur eine Floskel ist, merke ich daran, dass auch Kurse in der Nähe dieser Menschen nicht angenommen werden. Das ist ein Vorwurf und stimmt so nicht!
    Ich kann verstehen, dass dich diese Aussage ärgert, weil damit deine Rechnungen nicht bezahlt werden. Aber lass deine Ärger nicht an uns aus, die deine Fotos bewundern und weit weg wohnen. Liebe Grüsse Margreth

    • Liebe Margreth, ich weiß das du zu den ganz wenigen Menschen gehörst, die weite Wege auf sich nehmen und das habe ich an dir bewundert. Aber du gehörst zu den absoluten Ausnahmen, die Realität sieht leider anders aus. Und darum habe ich es so geschrieben und stehe auch dazu. Frag meinen Stephan, was ich mir alles anhören darf… VG Jana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.