Zu Besuch bei Alice im Wunderland

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Heute möchte ich dich in ein ganz besonderes Land entführen, in das Reich von Alice. Auf dem ersten Blick sieht alles aus wie immer. Die Winter-Landschaft ist noch trist und grau, im Hintergrund rauschen die Autos auf der Autobahn vorbei. Doch wenn wir genau hinschauen, entdecken wir eine kleine Tür, die ins Wunderland von Alice führt. Ganz unscheinbar und man muss ganz nah herantreten, um die Geschöpfe des Wunderlandes überhaupt sehen zu können. Nimm eine Sehhilfe mit, wie die Makrofunktion vom Smartphone oder ein richtiges Makroobjektiv. Und dann setze dich und beobachte ganz still und leise. Verhalte dich unauffällig, genieße das Sonnenlicht und tauche immer weiter in die Landschaften von Alices Wunderlandes. Siehst du sie, die kleinen Geschöpfe. Wie sie ihre Häupter im Wind wiegen?

Ursprünglich wollte ich das Video bei Instagram posten, doch ich kann mich nicht auf 15 Sekunden beschränken, sodass ich das Video hier in meinem Artikel eingebunden habe. Leider rauscht der Wind ins Mikrofon und als ich das Video drehte hatte ich noch keinen Namen für die Flechten. Das sind Rotfrüchtige Säulenflechten (Cladonia) und tatsächlich ist der rote Kopf ein Fruchtkörper.

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Wie fotografiert man diese 3-5mm großen Flechten?

Vor Ort hatte ich mein 100mm Makro 2.8 von Tokina dabei. Da die Sonne schien, hatte ich auch mit Iso 100 eine kurze Belichtungszeit, sodass ich die Flechten alle Freihand fotografieren konnte. Die Blende habe ich auf 2.8-3.2 geöffnet, sodass ich eine geringe Tiefenschärfe habe. Dabei habe ich manuell fokussiert. Normalerweise nutze ich gerne den Autofokus, doch bei diesen kleinen Pflanzen hat er Probleme richtig zu fokussieren, zudem kann ich dann nicht richtig komponieren, da ich oft außerhalb des Fokusbereiches im Sucher scharf stellen möchte.

Ein anderer Grund war die Kälte: Der Akku verliert nicht nur schnell an Energie durch das Fokussieren am Makroobjektiv, sondern auch durch die niedrigen Temperaturen. Darum habe ich ihn deaktiviert. damit die Flechten auch scharf werden, muss man bei einer DSLR und dem Makro mindestens 30cm Abstand zum Motiv gewährleisten. Geht man zu nah ran, kann es passieren, das die Kamera trotz Unschärfe auslöst.

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Nachdem die Kamera technisch eingestellt war, ging ich auf die Suche nach Details. Der Baumstamm war groß und an vielen Stellen mit den unterschiedlichsten Flechten überwuchert, sodass ich ihn mehrfach mit der Kamera umrundete. Dabei habe ich auch immer auf die Sonne geachtet, die manchmal von Wolken verdeckt wurde und das Licht sich minütlich änderte. Glücklicherweise war es in Bodennähe windstill, sodass ich hier nicht mit Verwacklungen rechnen musste.Dabei konzentriere ich mich zusätzlich bei der Bildkomposition auf den Hintergrund. Harte Horizontlinien versuche ich zu vermeiden und arbeite lieber mit weichen Verläufen. Dabei muss man oft die Kamera in der Perspektive ein wenig verändern, um ungewünschte Artefakte im Hintergrund zu vermeiden. Einmal hatte ich im Hintergrund meine Kameratasche als dunklen Fleck eingefangen, sodass ich sie erst einmal wegräumen musste.

Wenn ich fotografiere, verfliegt die Zeit wie im Flug. Vor Ort habe ich über eine Stunde fotografiert. Dabei habe ich mich immer wieder hingesetzt und den Baumstamm in all seinen Details beobachtet. Am Ende war ich vom nassen, eisigen Boden völlig durchgefroren, aber glücklich.

 

3 Kommentare

  1. so eine wunderschöne Serie, liebe Jana!! Ich mag das auch …an einem Platz zu stehen oder sitzen und ganz achtsam um sich blicken und alle Kleinigkeiten entdecken…es muss nicht immer eine Fotowanderung sein …
    lg Doris

  2. Margreth

    Im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaft. Danke fürs Mitnehmen.
    Liebe Grüsse Margreth

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