Jährlich 1.793.000 neue „Plastik“-Bücher

Gefühl und Verstand – Naturfotografie

In letzter Zeit wurde ich gefragt, warum ich so gegen Kunststoffe bin. Es wäre doch ein Stoff der aus Erdöl, einem natürlichen Rohstoff, hergestellt wird.

Eine gute Frage, früher dachte ich ähnlich. Etwas was aus unserer Erde kommt, von der Erde unter Abermillionen Jahre hergestellt wurde, kann doch nicht schlecht sein. Und das was der Mensch daraus gemacht hat, doch auch nicht: Transportfahrzeuge, Kommunikationsmittel, Haushaltswaren, Medizin. In allen Bereichen unseres Lebens spielen Kunststoffe eine wichtige Rolle und sind kaum wegzudenken, weil sie auch unser Leben erleichtern. Ohne meine Kamera, PC und Smartphone könnte ich nicht meinen Beruf ausüben und hier mit euch kommunizieren.

ABER Es ist einfach zu viel. Zuviel Plastikverbrauch, täglich, minütlich. Würden wir nur einen kleinen Teil verbrauchen, aber wir verbrauchen Millionen Tonnen jährlich. Wir konsumieren nicht nur Kunststoffe, sondern wir verbrennen sie auch. Kunststoffe sind nun auch da, wo sie nicht hingehören. Ganz viele Dinge, dazu gehören vor allem Bücher, bräuchten keine Kunststoffanteile. Es ist unnötig und widersinnig.

Noch schlimmer ist es im Lebensmittelbereich: Eine geschälte Banane in einer Kunststoffschale zu verkaufen ist nicht nur absurd, sondern auch gesundheitsschädlich. Mittlerweile nimmt jeder Mensch in der Woche ca. 5gr Mikroplastik zu sich. Das ist eine Kreditkarte – und das unbewusst über unsere Nahrung, über unser Wasser. Kunststoffe sind überall, ob bei mir zu Hause im Garten oder in der Eisschicht der Arktis/Antarktis, das über die Luftbewegungen dorthin transportiert wurde.

Nun, wir wissen das alles. Deswegen fühle ich mich ohnmächtig, weil ich bei vielen Dingen nicht auf Plastik verzichten kann. Einkaufen zum Beispiel: Es ist fast alles in Plastik verpackt. Und jetzt in Corona hat sich der Kunststoffwahnsinn noch vervielfacht, weil aus Hygienegründen noch mehr Einwegverpackungen vorgeschrieben werden.

Ich dachte immer, ich kann nichts gegen die Plastikflut machen, außer hier und da ein Produkt aus einem natürlichen Stoff wie Holz oder Baumwolle zu kaufen. Oder mein Konsum zu reduzieren.

Als ich mein neues Buch ***Gefühl und Verstand – Naturfotografie*** schrieb und daran dachte, wie meine bisherigen Bücher im Verlag veröffentlicht wurden, wollte ich es anders machen.

Am Anfang war mir das Papier und die Produktion wichtig. Erst im Laufe der Zeit kristallisierte sich das Kunststoffproblem bei Büchern heraus. Denn wie die meisten dachte ich, dass Bücher doch nur aus Papier, Pappe und eventuell einem Faden oder Kleber bestehen.

Wo ist denn Plastik in einem Buch?

Das werde ich oft gefragt, wenn ich von meinem Projekt des kunststofffreien Buches ***Gefühl und Verstand – Naturfotografie*** spreche.
Ich konnte es mir erst selber gar nicht vorstellen wie viel Kunststoffe heute in einem Buch ist: Leim, Garn, Buchbinderleinen, Lesebändchen, Folienkaschierung, Prägung bis zur Verpackung dem Einschweißen usw. Es gibt fast nichts, wo kein Plastik drin ist und es ist noch schwieriger, die einzelnen Bestandteile ohne zu bekommen.

Doch das beeindruckt im Gespräch selten. Stattdessen wird mir gesagt, dass es doch im Gegensatz zu anderen Produkten wenig Kunststoff sei und daher nicht relevant.

Nun, dann schauen wir mal auf die Zahlen der letzten Jahre: Laut UNESCO werden jährlich weltweit ca. 1.793.000 neue Bücher veröffentlicht. Das sind mehr als 4.900 Bücher pro Tag. Pro Buch eine durchschnittliche Auflage von 3.000 Stück.

Es gibt aber keine offiziellen Zahlen zur Vernichtung oder schöner gesagt: Makulierung. Doch man geht von ca. 10% aller Bücher aus, die von Buchhandlungen/Großhändler zurückgeschickt und vernichtet werden.
Das sind Bücher die oft schon nach 3 Monaten als unverkäuflich aussortiert werden. Nicht eingerechnet sind die Bücher die von Haushalten/Bibliotheken usw. weggeworfen werden.

Was am Ende davon wirklich recycelt und dem Kreislauf zurückgeführt und nicht thermisch verwertet wird, ist nicht statistisch belegbar.

ABER das wir hier nicht über 2 bis 3 Bücher sprechen, nur weil es keine offiziellen Statistiken gibt und wir damit das Thema negieren können, sollte jedem klar sein und damit auch die Menge an Kunststoffen in der Buchproduktion.

Bei meinem Buch habe ich bei 1.000 Büchern ca. 35kg Plastik eingespart. Die Berechnung kannst du auf meiner Webseite www.dasplastikfreiebuch.de nachlesen. Das klingt nicht viel. Aber wir müssen es potenzieren auf die jährlich weltweit ca. 1.793.000 neuen Bücher, die veröffentlicht werden. Viele Bücher haben davon eine Auflage von 100.000 Stück und mehr.

Nun, ich werde das Kunststofffproblem bei Büchern nicht alleine verhindern können. Aber ich kann aufklären und zeigen das es anders geht. Um so mehr Menschen ein Kunststofffreies Buch nachfragen, um so eher sind Verlage, Buchhändler, Buchdruckereien bereit, ihr Sortiment umzustellen, ihre Maschinen umzurüsten.

Denn das Problem welches sich mir auf meinem Weg gezeigt hat, ist, dass die heutigen Maschinen die in Druckereien und Buchbindereien eingesetzt werden, auf Masse, Effizienz mit Kunststoffen eingerichtet sind. Selbst wenn man wollte, kann man diese Maschinen nicht ohne weiteres ohne Kunststoffbestandteile verwenden.

Das ich mein Buch kunststofffrei produzieren kann, ist meinem Buchbindermeister geschuldet, der alte Maschinen aus dem letzten Jahrhundert verwendet und mich darin eingewiesen hat. Meine Produktion braucht Zeit, viel Handarbeit und Liebe zum Detail.

Es wird Zeit, Bücher wieder wertzuschätzen und sie weniger als ein Wegwerfartikel zu behandeln, der nach 3 Monaten nicht mehr aktuell ist. Bei den meisten Büchern ist der Inhalt auch noch nach Jahren, Jahrzehnten modern und zeitgemäß.

Filmtipp: Seaspiracy

Der Film befasst sich mit den ökologischen Auswirkungen des globalen Fischfangs und macht die industrielle Fischerei für die Zerstörung mariner Ökosysteme verantwortlich und wirft internationalen Umweltschutzorganisationen vor, dieses Problem bewusst zu ignorieren.

Veröffentlicht bei Netflix

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