Schlagwort: Bokeh

Das Spiel mit der Wassersprühflasche

Als ich im letzten Herbst mein Buch zur Naturfotografie schrieb und recherchierte, fand ich die schönen Naturbilder von Olivia. Umso mehr freute ich mich, dass Sie einen kleinen Gastbeitrag „Das Spiel mit der Wassersprühflasche“ für mein Buch schrieb.

Bisher kam ich gar nicht auf die Idee, diesen kleinen Trick in der Natur auszuprobieren. Damit kann man wunderschöne Lichtspiegelungen, Wasserreflexe und Bokehs erzeugen und als besonderen Effekt in die Bildgestaltung einbinden. Ich habe heute den Wassersprühflascheneffekt einfach mal im Garten ausprobiert. Dafür habe ich eine Fensterreinigungsflasche zweckentfremdet und Wasser eingefüllt. Ich musste eine ganze Weile sprühen, bis der Wassertropfeneffekt auf den Bildern sichtbar wurde. Aber es hat so viel Spaß gemacht und ich konnte gleich meinen Sohn gewinnen, mir zu assistieren. Fotografiert habe ich mit meinem Tokina 100mm Makroobjektiv, ein sehr schönes Objektiv für die Makrofotografie.

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Mit der Sprühflasche kann man zusätzlich auch Regen und Regentropfen erzeugen. Gegen die Sonne fotografiert ergibt das einen wunderschönen Effekt.

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Wasserbokehs & Glitzer

Fotografie Tutorial Wie entstehen Blendensterne

Wie es scheint, hat sich der Sommer nun endgültig dem Ende zugeneigt. Von Tag zu Tag geht es immer mehr auf den Herbst zu.  Auf der einen Seite bedaure ich das Ende des Sommers. Auf der anderen Seite hingegen bietet der Herbst fotografisch mehr Möglichkeiten als der Sommer. Das Licht wird weicher und das Grün des Sommers weicht dem berauschenden Farbenfeuerwerk des Herbstes. Besonders das weichere Licht lockt fotografisch: Es lässt das Wasser verführerisch glitzern. Natürlich glitzert es im Sommer auch, doch ist das Licht irgendwie greller, härter. Ich konnte nicht wiederstehen und habe versucht, das Herbstglitzern des Wassers auf meine Speicherkarte zu bannen.

Was ist das Geheimnis, glitzernde Wasserflächen fotografisch festzuhalten?
Die Schwierigkeit liegt darin,  gegen die Sonne zu fotografieren und trotzdem keine weißen, ausgebrannten Flecken auf dem Bild zu haben. Weniger eine Schwierigkeit, aber unbedingt nötig ist die Verwendung des richtigen Objektivs. Mit einem Standard 24-50mm Zoom-Objektiv habe ich Schwierigkeiten, die Bildqualität zu erreichen, die ich mir wünsche. Ich verwende daher für diese Art auf der Aufnahmen ausschließlich mein 50mm 1.4D Festbrennweite.

Mit einer kleinen Blende, in diesem Beispiel Blende 8, kann ich das Glitzern der Wasseroberfläche sehr schön einfangen. Jeder kleine Lichtbrechung auf dem Wasser wird als kleines Sternchen dargestellt.
Fotografie Tutorial Wie entstehen Blendensterne

Diese Sternchen haben sogar einen Fachbegriff: Man nennt sie Blendensterne. Sie entstehen durch eine ungleichmäßige Brechung des Lichts im Objektiv bei relativ geschlossener Blende. Die Anzahl der Strahlen hängt wiederum von der Anzahl der Lamellen in dem verwendeten Objektiv ab. Das hier verwendete 50mm Objektiv besitzt 7 Lamellen. Da das eine ungerade Zahl, werden sie doppelt dargestellt, sprich 14 Strahlen (Objektive mit einer geraden Anzahl an Lamellen z.B. 8, zeigen auch nur 8-armige Sterne) Damit die Sterne schön gleichmäßig dargestellt werden bedarf es einer punktförmigen Lichtquelle. Leider kann man nicht mit jedem Objektiv diese Art der Sterne erzielen. Die Ursache hierfür ist, dass neuere Objektive zugunsten weicherer und runderer Bokehs abgerundete Lamellen haben. Erst wenn die Lamellen spitz sind, entstehen auch schöne spitze Strahlen.  Natürlich kann man diesen Effekt auch mit Sternenfiltern erzielen, aber ich persönlich finde die überflüssig.

Kleiner Tipp: Auch wenn es lästig ist, ist es in diesem Falle nützlich, ein Stativ zu verwenden, da sich durch die kleine Blende die Belichtungszeiten verlängern und die Gefahr des Verwackelns immer größer wird.

Ich wollte mit dem Glitzerlicht ein wenig spielen und dachte, dass es sich sicherlich auch wunderbar als Bokeh eignen würde. Dafür musste ich mir einen Vordergrund suchen, den ich in den Gräsern am Ufer fand.
Um das Bild so einzufangen, wie ich es mir gewünscht habe, musste ich mich ins Gras legen und mit der Blende spielen. Ich habe dabei die Blende immer weiter geöffnet.

Mit Blende 3.5 habe ich diese Wasserbokehs erzielt:
Fotografie Tutorial Wie entstehen Blendensterne

Mit einer weiteren Öffnung der Blende verändern sich die Bokehs noch einmal. Hier Blende 2.5
Fotografie Tutorial Wie entstehen Blendensterne

Jetzt verschwimmen die Bokehs regelrecht ineinander.
Eine ganz einfach Übung zum nachmachen. Vielleicht magst du uns deine Fotos zu dem Thema schicken? Welche Erfahrungen hast du gemacht, auf welche Schwierigkeiten bist du gestoßen?

Gewusst wie: Die Magie von Bokehs – Bokehs sind kein Zufall

Die Magie der Bokehs - Fotografie Tutorial

Du liebst Bokehs? Doch hast du das Gefühl, dass die Bokehs bei dir willkürlich erscheinen und du weißt nicht, wie man sie reproduzieren kann?

Heute möchte ich mit dir Bokehs üben, sodass du sie jederzeit als Gestaltungsmittel einsetzten kannst. Ich fange ganz einfach mit einem festen Aufbau im Raum an. Weitere Übungen in der freien Natur mit natürlichen Lichtquellen folgen.

Was brauchst du dazu?

Am besten eignet sich eine große Lichterkette, wie man sie in der Weihnachtszeit benutzt. Gerne farbig oder weiß, wie Sie möchten. Das Bokeh kann man ebenfalls mit unterschiedlich großen und vielen Kerzen erzeugen. Umso mehr Lichtquellen Sie haben, um so mehr Bokehs können Sie im Hintergrund als Gestaltungsmittel nutzen.
Des Weiteren brauchst du ein Objekt, welches du fotografieren möchtest. Das kann eine Puppe, ein Spielzeug, eine Tasse oder ein anderer Gegenstand sein. Sei kreativ! Fotografierst du in einem dunklen Raum, ist eine zusätzliche Beleuchtung für das Objekt nützlich. Ob Schreibtischlampe oder professionelle Studioleuchten bis hin zur einfachen Taschenlampe, probiere es aus, welches Licht für dich am besten geeignet ist.

Die Magie der Bokehs - Fotografie Tutorial Blendenübung

Wie baut man ein Set auf, was muss beachtet werden?

Für ein Bokeh-Set musst du beachten, dass zwischen Objekt und Lichterkette ein großer Abstand besteht. Du siehst in meinem Set-Aufbau-Beispiel, dass hier fast ein Meter Abstand zwischen Motiv und Hintergrund gelassen wurde. Der Tisch ist 1,50 Meter breit, die Lichterkette hängt an der Wand, sodass auch in der Höhe und in der Breite die Lichter verteilt sind. Die Kamera selber steht ca. 50cm von unserem Objekt entfernt. Je nachdem, welches Objektiv du benutzt und wie viele Objekte du haben möchtest, musst du die Kameraentfernung variieren. Hier kann ich keine festen Vorgaben machen. Du muss es vor Ort einfach ausprobieren.

Die Blende

Neben dem Abstand spielt die Blende eine wichtige Rolle. Um so höher die Blendenzahl ist, um so weicher wird das Bokeh. Ich habe eine Reihe mit einem 50mm Objektiv für dich fotografiert.
Fangen wir mit einer kleinen Blende an: f/10
Die Magie der Bokehs - Fotografie Tutorial Blendenübung

Was siehst du? Richtig, im Hintergrund ist die Lichterkette noch als solche erkennbar, das Bokeh ist noch relativ schwach.
Öffnen wir die Blende. Ich habe die Blende zwischen 8, 5 und 3.5 eingestellt.

Je offener die Blende wird (und die Belichtungszeit verringert), um so mehr verschwimmen die Lichter. Das Bokeh ist aber noch sehr klein und zeigt sich als Heptagon (Siebeneck) mit sehr scharfen Kanten. Aber eigentlich möchten wir das Bokeh weich und rund gestalten. Um das zu erreichen, muss die Blende noch weiter vergrößert werden. Der Hintergrund wird gleichzeitig immer unschärfer und der Bereich der Schärfe sehr klein.

Blende 2.8, 2.2. und 1.6

Erst ab einer Blende von 1.6 wird aus einem Heptagon-Bokeh ein rundes Bokeh. Auch vergrößert sich dieses. Siehst du wie groß die Bokehs geworden sind und wie sie sich jetzt überlappen?
Im letzten Bild habe ich die Blende 1.4 (die größte Blende bei einem 50mm 1.4. Objektiv) eingestellt.
Die Magie der Bokehs - Fotografie Tutorial Blendenübung
Du siehst, die Bokehs werden schön rund und groß, um so mehr wir die Blende öffnen. Gleichzeitig wird der Schärfebereich immer geringer, sodass er nur einen ganz kleinen Teil des Bildes abdeckt.

Betrachten wir die Bildreihe, würde ich persönlich die Blende 1.6- 2.8 bevorzugen. Hier ist die Schärfe auf mein Objekt ausreichend und trotzdem kommt das Bokeh sehr schön zur Geltung. Bevor du jetzt aber hektisch an deinem Objektiv herumdrehst und -suchst: nicht jedes Objektiv ist gleich. Manche Objektive erlauben eine Blendenöffnung von nur 0.9. Bei meinem 50mm Objektiv lässt sich bis Blende 1.4 öffnen, was immer noch ziemlich groß ist. Der Standard bei den meisten Objektiven ist aber irgendetwas zwischen 2.8 und 5.6.

Tipp:

Übrigens besitzt jedes Objektiv ein ganz eigenes Bokeh, ja manche Objektive werden sogar daraufhin konstruiert, dass sie ein besonders schönes Bokeh machen. Das ist auch der Grund, warum in Foren über die Weichheit, Form der Bokehs und Objektive diskutiert wird. Lass dich nicht verunsichern: Schönheit liegt bekanntlich im Augen des Betrachters und die Disparität kann in all seinen Facetten als Stilmittel eingesetzt werden. Probiere es aus, werde kreativ.