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Gedanken zur neuen Nikon Z7/Z6

Die Photokina ist vorbei und die neusten Kameramodelle sind passend zum Weihnachtsgeschäft 2018 auf dem Markt. Dabei bin ich froh, wenn der ganze Photokina-Zirkus vorbei ist. Vor vielen Jahren war ich auf der Messe, habe mich dort aber als Frau nicht wirklich wohl gefühlt. Zwischen all den Männern, die mit riesigen Objektiv vorm Bauch alles knippsen –  mit Vorliebe spärliche bekleidete Damen, die sich an den Messeständen präsentieren.

Aktuelle Reportagen aus diesem Jahr haben das Bild leider nicht überschreiben können, auch wenn sich die Messe an sich sehr modern präsentiert hat. Befreundete Fotografen haben sich sehr lobend geäußert und ich bin immer sehr an Neuigkeiten interessiert.

Ab dem Frühsommer 2019 wiederholt sich der Zirkus nun jährlich und ich frage mich, was das für die Kamerahersteller bedeutet, die ja jetzt schon mehrfach im Jahr neue Modelle ankündigen. Für mich ist die Entwicklung so rasant, das ich viele Modellversionen kaum noch wahrnehme.

Dank meiner Workshops halte ich zwar immer die neusten Kameras diverser Hersteller in den Händen, aber es wird immer schwieriger für mich, sie kennen zu lernen und erklären zu können. Das Verfallsdatum einer Kamera ist im letzten Jahrzehnt immer kürzer geworden und zeigt ähnliche Parallelen zum Smartphone: Jedes Jahr ein neues Modell, das verspricht, jetzt noch bessere Fotos zu machen.

Dabei sieht die Realität so aus, dass die neusten Modelle nicht immer die technisch besseren sein müssen. Wenn ich an meine Nikon D700 und dem Nachfolger D750 denke, weiß ich heute, dass die D700 technisch die weitaus bessere Kamera war. Bis heute fühle ich mich von Nikon getäuscht. Aus diesem Grund war ich die letzten Jahre immer eher skeptisch. Ansatzweise hatte ich die letzten Monate mit der Nikon D850 geliebäugelt, doch sie konnte bei einem Test zu den manuellen Fokusmessfeldern meine Erwartungen nicht erfüllen. Der Preis-Leistungs-Vergleich ist einfach nicht stimmig, wenn ich z.B. die manuellen Fokusmessfelder nicht bis zum Rand schieben kann und nur Dreiviertel des Suchers abgedeckt wird. Bei meiner Art der Fotografie ist das eine der wichtigsten Funktionen und ich vermisse sie seit der D700.

Dabei komme ich mir im Moment wie ein Dinosaurier vor, weil ich über altertümliche DSLRs im Herbst 2018 schreibe und gleichzeitig die neuen spiegellosen Vollformatkameras Z6 und Z7 von Nikon erschienen sind. In den letzten Wochen wurde ich doch immer wieder angeschrieben, was ich von den neuen Modellen halte. Als begeisterte Nikon-Userin müsste ich eigentlich in Jubel ausbrechen und wie gwegner schreiben:

„Als erster Kamera Hersteller bisher hat Nikon es tatsächlich geschafft mein “brauch ich nicht” gegenüber spiegellosen Kameras ins Wanken zu bringen. Was sie allerdings darüber hinaus geschafft haben, ist bei mir ein ziemlich krasses “Will ich haben” Gefühl zu erzeugen!“ Quelle

Natürlich habe ich die Testberichte genau gelesen. Doch ich muss gestehen, dass sich das Gefühl „Will ich haben“ bisher nicht eingestellt hat. Im Gegenteil. Denn alleine das Gewicht und die Features sind kein wirklicher Kaufanreiz. Würde ich mir heute z.B. die Z7 zulegen wollen, müsste ich ca. 3990,- aufbringen. Doch das ist nur der Body. Ich bräuchte für 300 Eur einen Adapter, um meine Objektive weiter verwenden zu können (bzw. müsste damit leben, das einige Objektive fremder Hersteller nicht gehen) sowie neue Speicherkarten und Akkus. Von größeren Speichermedien und kostenpflichtigen Bildbearbeitungs-Updates ganz zu schweigen. Denn oft wird vergessen, dass ein Umstieg auf ein neues Kameramodell einen Rattenschwanz an weiteren Kosten nach sich zieht.

Dabei habe ich ungerne ein Modell, bei dem ich weiß, dass im nächsten Jahr ein Neues kommt und mir das Gefühl gibt, eine Kamera mit einem extremen Preisverfall zu besitzen. Ich möchte eine wertvolle und nachhaltige Fotoausrüstung. Spiegellose Kameras haben mir bisher immer das Gegenteil vermittelt.

Nikon habe ich immer geschätzt, weil man seit vielen Jahrzehnten dasselbe Bajonett verwendet hat. Nicht umsonst bin ich der Firma seit 22 Jahren treu. Ich mochte es, das die Kamera – egal ob Einsteigerkamera bis hin zum teuren Profimodell – immer den gleichen Aufbau hatte. Ich mag Beständigkeit, denn nur wenn ich die Kamera blind beherrsche, bin ich frei für die Fotografie.

Es ist mir bewusst, dass Nikon versucht, Marktanteile zurück zu erobern, die sie an Fuji, Sony, Olympus & Co als auch an die Smartphones verloren haben. Eine Entwicklung, die Marktkenner sicherlich vorhergesehen haben. Während mir persönlich nie eine Spiegellose Kamera im Nikon-Sortiment gefehlt hat, weil sie mich bei keinem Hersteller bisher überzeugen konnte. Dabei muss man sich immer wieder bewusst machen, dass es bei allen Kameraherstellern weniger um die Liebe zur Fotografie und technischen Raffinessen und vielmehr um Gewinnmaximierung geht.

Ebenso bin ich betrübt darüber, dass neben dem Massenmarkt, der auf viele Pixels, Touchdisplay, Wlan und Videos steht, die kleine Sparte der kreativen (Berufs-)fotografen vergessen wird, die den Technikwahnsinn nicht brauchen. Auch ich würde mich an einem neuen Modell erfreuen, doch einfach und abgespeckt: Ohne Video, ohne Touchdisplay, ohne akkufressenden digitalen Sucher. Leicht, robust, langlebig.

Ich gehöre doch zu den aussterbenden Fotografen-Dinosauriern, weil all das gegen die aktuelle Kameraverkaufsstrategie und dem Zeitgeist moderner Technik spricht. Gegen den Trend: immer mehr Funktionen, immer teurer, mit kurzer Verfallszeit.

Kurz zur Infos, wie die Kamera-Einführungspreise (nur Body) mit jedem neuen Vollformatmodell gestiegen sind:

2008 Nikon D700 ca. 2800,- Eur
2012 Nikon D800 ca. 2900,- Eur
2014 Nikon D810 ca. 3300,- Eur
2018 Nikon D850 ca. 4000,- Eur
… 2022 Nikon D900 ca. 5900,- Eur?

Wobei die Themen wie Umweltschutz, Klimaschutz bisher keine Erwähnung finden. Niemand spricht darüber, was stromfressende Akkus für den Klimaschutz bedeuten, niemand macht sich darüber Gedanken wie die Massen an Kameras hergestellt werden.

Für mein neues Naturfotografiebuch habe ich die Biographie von Karl Blossfeldt gelesen. Dabei hat mich eines beeindruckt, dass er 30 Jahre lang mit ein und der selben (Platten-)Kamera gearbeitet und damalige Kameratrends unbeachtet ließ.

Kannst du dir vorstellen, 30 Jahre lang mit einer Kamera zu arbeiten? Das würde heute nur sehr schwierig gehen. Nach wenigen Jahren erkennt der Computer die Kamera nicht mehr, weil die Anschlüsse veraltet sind. Zubehör kann man nach einiger Zeit nicht mehr kaufen und die digitalen Dateiformate sind veraltet und von aktueller Software höchstwahrscheinlich nicht lesbar. Der Rhythmus wo man immer mit muss – will man nicht stehen bleiben.

Die Frage ist nur, was kann man mitmachen und wo sind eigene Wege besser?

Die Woche habe ich von einem Fotodienstleister die Anfrage bekommen, ob ich schon in meinem Portfolio Videographie und Drohnenfotografie anbieten würde. Beides habe ich verneint, aber nicht weil es mich nicht interessiert, sondern weil meine Stärken woanders liegen. Wäre ich Hochzeits- oder Immobilienfotografin würde ich durchaus die Notwendigkeit sehen, das ich mich damit auseinander setze – vorausgesetzt es gibt eine hohe Nachfrage, die die Investition rechtfertigt.

Gleichzeitig spricht dagegen, dass es Kollegen gibt, die sich darauf spezialisiert haben und die man als Fotograf mit ins Team holen kann. So habe ich eine Kollegin, die sich auf Hochzeitsvideos spezialisiert hat und neben dem Filmen fit in Videoschnitt und Vertonung ist und auch die entsprechende Software mit Ausbildung besitzt. Sie macht wunderbare Videofilme, die einen ganz eigenen Charakter haben. Ich persönlich denke, dass man nicht gleichzeitig fotografieren und filmen kann, wenn man auf Qualität wert legt. Und jedes Sujet seine eigene spezielle Ausrüstung und Ausbildung braucht. Doch heute wird erwartet, dass man das alles kann. Schließlich verspricht die Kamera es ja in ihrer Werbung: Filmen und fotografieren ist ja kinderleicht, macht die Kamera von ganz alleine :-)

Und mein Fazit?

Nun, für technikverliebte Nikonjaner wird die neue spiegellose Vollformatkamera sicherlich ein Highlight des Jahres sein. Wer neu ins Vollformat einsteigen möchte und zwischen DSLR und DSLM entscheiden muss, ist das sicherlich ein guter Zeitpunkt. Im Kostenvergleich nehmen sich die Bodys der Z7 und D850 nichts, nur die neuen Objektive für die DSLM sind um ein vielfaches teurer (50mm Nikkor 1.4D ca. 180,- € versus Nikkor Z 50mm 1.8 für ca. 679,- € :: ein Vergleich zum Thema Bokeh und Blendensternchen würde mich brennend interessieren, wer mag mit mir testen?).

Für mich würde sich technisch nichts verbessern, die Fotos würden nicht großartiger oder besser verkäuflich werden. Das Glücksgefühl eine superneue Kamera zu haben, schnell verfliegen. Stattdessen würden hohe Umstiegskosten entstehen, die sich nicht beruflich amortisieren würden. Daher gehe ich wie immer rational mit dem Thema um. Bei all der Begeisterung fürs Neue warte ich ein paar weitere Jahre ab. Irgendwann wird auch für mich ein Modell kommen…

Hallo Nikon, wie wäre es mit einem umweltbewussten Kamerasystem? Nachhaltig, einfach, und clean, aber für Künstler/Berufsfotografen bezahlbar!