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Was für ein Sommer!

Italien

Ich fange manchmal gerne mit dem Wetter an, um sozusagen warm zu werden mit dem, was ich eigentlich schreiben möchte. Nun, dieses Mal ist mir nicht nur warm sondern bin regelrecht überhitzt. Ist das nicht ein Jahrhundertsommer? Ich habe überlegt, wann ich so einen Sommer das letzte Mal erlebt habe. Aber da muss ich wohl ein Reinkarnationsseminar besuchen, um herauszufinden, in welchem Jahrhundert das gewesen sein soll. Wobei die Wetterfrösche meinen, 2003 wäre es noch heißer gewesen, doch daran kann ich mich nicht erinnern. Höchstens an einer meiner Reisen nach Thailand, Marokko oder ins Death Valley, doch irgendwie hatte ich es da „anders heiß“ in Erinnerung. Dabei will ich auch gar nicht maulen, normalerweise friere ich immer und das ich zum letzten Mal vor sechs Wochen – oder ist es schon länger her? -, diesen Zustand erlebt habe, daran kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern. Nur meine Heizkostenrechnung aus dem März mit vier Wochen -10 bis -20°C erzählt mir eine andere frostige Geschichte.

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Was soll’s, im letzten Jahr haben wir uns um dieselbe Zeit über zu viel Regen beklagt und jetzt haben wir genau das Gegenteil davon. Mein Garten ist am vertrocknen, vor allem die Hortensien sind dahin geschmolzen und lassen ihre braunen Blüten fallen. Ein trauriger Anblick, wobei ich hoffe, dass sie im nächsten Jahr wieder erblühen. Den Rosen macht das Wetter eher Vergnügen, stolz schieben sie eine Blüte nach der anderen und auch mein Salbei sonnt seine samtig silbrigen Blätter und denkt sich: „das könnte jeden Sommer so sein“, während meine Tomaten auch in diesem Jahr nichts werden. Letztes Jahr sind sie weggefault, in diesem Jahr vertragen sie die Hitze nicht. Im Moment bin ich ratlos, was Tomaten eigentlich mögen, wie im letzten Jahr wollen sie mir einfach nicht antworten.

Trotzdem ist das Sommerwetter eher ein Glücksfall, hatte ich doch die Befürchtung, dass ich nach der Sonne Italiens in das trübe graue Deutschland zurückkehren müsste. So war die Rückfahrt klimatisch übergangslos vonstatten gegangen und das übliche Italienweh hat mich nicht so überrollt wie sonst. Dabei war ich zutiefst unglücklich, als wir mitten in der Nacht in Salzburg die Grenze überquerten und mich ein Déjà-vu vom November 1989 einholte. Eine stark beleuchtete Grenzanlage mitten auf der Autobahn wie zu DDR-Zeiten mit bewaffneten Kontrollen – wir mittendrin – Autos und Busse die auseinander genommen wurden und ich fragte mich, wo unser freies Europa geblieben ist. Die beklemmenden Gefühle waren dieselben wie vor knapp 30 Jahren. Dabei hatte ich gehofft, dass wir das hinter uns gelassen hätten.

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Heute beim anschauen der Bilder ist doch so heimlich die eine oder andere Italienträne geflossen, wie sehr würde ich dort gerne leben wollen. Schon alleine der wohlige Geruch nach Pinien und Jasmin. Die Fiesta und die langen Abende die deutlich meinen Biorhythmus unterstützen. Mal vom leckeren Essen, dem Cafe und Wein abgesehen.
Doch wenn das Wetter so bleibt, werde ich in meinen Garten einen Olivenbaum und eine Zypresse anpflanzen. Dann werden auch ein paar Eidechsen, Geckos und Zikaden heimisch werden und mich beglücken.

Habe ich schon von unserem Haustier in der Toscana erzählt? Mitten in der Nacht freute sich mein Partner, mir unseren Besuch vorzuführen. Im Bad hatte er einen wunderschönen Skorpion in ein Gespräch verwickelt und ihn nach oben gebeten und ihn später in den angrenzenden Olivenhain nach Hause gebracht. Ich hatte mich sehr über den Besuch gefreut, man sieht einen wildlebenden Skorpion ja nicht alle Tage. Nur habe ich vergessen, ein Erinnerungsfoto zu machen. Die darauffolgenden Nächte bin ich dann aber doch lieber mit Hausschlappen ins Bad gegangen, aber er hat sich nicht mehr blicken lassen (nicht mein Mann, sondern der Skorpion). Ich bin ja immer ganz vernarrt in die kleinen flinken Eidechsen, die sich leider so ungern porträtieren lassen. Und während ich mit weniger Geduld versucht habe, sie fotografisch einzufangen, habe ich über eine E-Mail zu meinem neuen Naturfotografiebuch nachgedacht. Vor meiner Reise hatte ich auf meinen Blog eine Umfrage erstellt und gefragt, was meine Leser gerne von mir lesen würden.

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Martin schrieb mir eine lange Nachricht, unter anderem mit der Frage zum Thema Vordergrund und Hintergrund. Er schreibt mir: „Manchmal habe ich den Eindruck, du suchst den Hintergrund / das Bokeh und “packst” das Motiv einfach so dazu“. Das hat mir viel zum Nachdenken gegeben und ich habe beim fotografieren darüber sinniert, wie ich das denn jetzt gerade mache. Das Problem ist nur, wenn man sich auf diese Fragestellung konzentriert, funktioniert der kreative, emotionale Moment nicht mehr. Der Prozess des Fotografierens ist ein anderer, technischer. Und so habe ich versucht, eine Antwort darauf zu finden, indem ich meine Bilder noch einmal genau angeschaut habe.

Aus meinen Fotoworkshops und der Besprechung am Display vor Ort weiß ich, dass ich oft den Hintergrund kritisiere und meinen Teilnehmer bitte, das Foto noch einmal anders zu machen. Meistens ist er mir zu unruhig, zu dominant. Ich kann im Hintergrund meistens keine Grenzlinien zwischen Hell und Dunkel leiden, die das Bild dann so unschön in zwei Hälften teilen, sodass ich beim fotografieren eine andere Perspektive suche. Ebenfalls reagiere ich auf optische Flecken, die vor allem dann entstehen, wenn die Blende weit geöffnet ist. Ich gebe zu, oft bin ich beim Hintergrund pingeliger als bei so manchem Motiv. Ich mag es entweder klar und schlicht oder je nach Thema auch gerne verspielt und romantisch.

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Bokehs sind ja meine große Leidenschaft und seitdem ich mit dem Trioplan 100 fotografiere, hat der Hintergrund noch einmal einen anderen Stellenwert bekommen. Denn auch in Italien habe ich das Objektiv zum überwiegenden Teil benutzt. Das hatte den Hintergrund, dass die bergige Nordtoscana mit nicht so vielen spannenden Motiven aufwarten konnte und die üblichen Bilder à la „Zypressenalleen am einsamen Haus“ in der Südtoscana nicht das war, was ich gesucht habe. Also musste ich mal wieder umdenken und die Landschaft anders sehen lernen.

Auf den ersten Blick ist sie einfach nur grün und bergig. Soviel grün, manchmal mit dunstig graublauem Himmel, dazwischen ein paar rote Bergdörfer und sonst –neben unzähligen Strommasten, Funktürmen – nichts, s0dass ich froh war, wenn an so manchen Tagen die Apuanischen Alpen sich hinter riesigen Wolkentürmen versteckten und die Auffahrt in die wolkenverhangenden Berge wild romantisch wurde. Blauer Himmel und sonniges Wetter kann man in den Höhenlagen fotografisch nie gebrauchen, langweiliger geht es nicht mehr. Zwar haben diese Bilder einen wunderbaren blauen Landschaftshimmel und würden sich für Reiseprospekte wunderbar eignen, doch das ist nicht das, wofür mein Fotografenherz schneller schlägt.

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Himmelblaue Hintergründe sind vor allem dann ausgezeichnet, wenn man ein Detail so abbilden will, das es leicht, fast transzendent wirkt. Dafür braucht es Leerräume und dann stören weiße oder graue Wolken nur. Grundsätzlich bin ich aber immer auf der Suche nach Gegen- oder Seitenlicht für den Hintergrund. Vor allem Seitenlicht hat es mir angetan, wodurch das Bild verspielt und leidenschaftlich wirkt oder mystisch, je nachdem ob das Seitenlicht von einer kräftigen Abendsonne oder von einem nebligen Morgenlicht stammt.

Ja ich denke, Martin hat nicht ganz unrecht, wenn er sagt, dass ich eher nach dem Hintergrund Ausschau halte. Oftmals ist das der Fall, vor allem wenn ich den Vordergrund bzw. die Bildaussage klar vor den Augen habe. Gerade bei Blumen oder anderen Pflanzenaufnahmen kann man so herrlich schummeln (selbstverständlich außerhalb von Naturschutzgebieten), dass ich das Motiv so lange mit mir herumtrage, bis ich den richtigen Hintergrund gefunden habe.

Daher war meine Orchideenwanderung im Naturschutzgebiet Leutratal fotografisch wenig erfolgreich, da die kleinen unscheinbaren Orchideenblüten oft im dunklen Unterholz wachsen und gerne von vielen anderen Pflanzen umgeben sind, sodass man kaum eine vernünftige Aufnahme machen kann ohne sie zu beschädigen. Hier kommen oft nur „Reportagefotos“ heraus, die zwar ganz nett sind, aber weit entfernt von dem sind, was ich mir vorstelle. Da aber Naturschutz vor Fotografenlust steht, muss man sich damit arrangieren und sich andere Motive suchen.

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Wenn du das nächste Mal fotografieren gehst, dann schaue auch auf den Hintergrund. Versuche ihn so harmonisch wie möglich zu gestalten. Und wenn du magst, dann komme mit mir im Oktober eine Woche nach Rügen oder auf ein Wochenende in die Sächsische Schweiz und gemeinsam können wir dann über Vorder- und Hintergrund fachsimpeln.

Ich freue mich auf deine Teilnahme an meiner Umfrage und wünsche dir entspannte Ferien oder ein paar hitzefreie Tage.

Reisebericht: Unterwegs in den Apuanischen Alpen

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„Wenn Sie es nicht vermeiden können, im Sommer auf dem Flughafen von Pisa zu landen, werden Sie sich Ihren Weg aus dem Terminalgebäude wahrscheinlich durch hereinströmende Horden sonnenverbrannter Tommys bahnen müssen, die sich zum Rattern der Koffer gegenseitig beharken. Sie sind zwanzig Minuten zu spät für ihren Ryanair-Billigrückflug nach Stansted. Von derlei unangefochten können Sie, sobald Sie glücklich im Freien sind, in aller Ruhe auf dem Langzeitparkplatz in Ihren Wagon steigen und die Autobahn Richtung Norden nehmen, immer den Schildern »Genova« nach. Schon nach zwanzig Minuten fahren Sie an der Ausfahrt Viareggio wieder herunter. Keine Panik: Ihr Ziel ist nicht der Strand, dessen windschiefe Sonnenschirmfelder den langweiligen Küstenstrich meilenweit wie giftgrelle Pilzkolonien überziehen. Nein. Ihr Weg führt Sie schnurstracks landeinwärts durch das Städtchen Camaiore. Abrupt steigt die Straße in die Apuanischen Alpen an: mächtige Felsen, dicht mit Kastanien bewaldete Hänge und Gipfel im Farbton verwitterten Marmor — woraus sie zum größten Teil auch bestehen. Nach mehreren scharfen Haarnadelkurven kommen Sie in des Dorf Casoli, dessen griesgrämige Ausstrahlung wahrscheinlich daher rührt, dass es alle paar Jahre erleben muss, wie seine Randlagen von winterlichen Erdrutschen ins Tal gerissen werden. Fahren Sie durch und weiter hinauf. Abermals Wald, in den Haarnadelkurven durchbrochen von spektakulären Ausblicken. Renovierte Steinhäuser mit alpenländischem Firlefanz außen dran (Fensterläden mit herzförmigen Löchern), davor BMWs mit bayerischen Kennzeichen. Fahren sie zu: die Welt hängt Ihnen noch an den Fersen, aber Sie sind im Begriff, sie abzuschütteln. Immer weiter hinauf, bis selbst die blauen Busse mit ihren kollernden Hupen kapitulieren und auf einer eigens asphaltierten Fläche wenden…“

so fängt meine Sommerlektüre 2018 in den Apuanischen Alpen an. Ich habe sie in der kleinen Bibliothek unseres Toskanischen Ferienhauses gefunden und mit viel Freude gelesen. Ein sehr skurriles Buch mit einem bösartigen Humor. Aber die Ausführungen des englischen Autors James Hamilton Paterson beschreiben die toskanische Gegend des Camaiore so treffend, das ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte. Würde ich das Buch weiter schreiben, würde ich fortführen:
„ … und das am liebsten mit quietschenden Bremsen in den frühen Morgenstunden, kurz nachdem die Sonne hinter den Apuanischen Alpen ihr erstes Morgenrot zeigt. Wenige Minuten später parken an derselben Fläche Müllautos, die versuchen, den täglichen wachsenden Müllberg zu bergen. Aber das ist, als wenn sie gegen Windmühlen kämpfen würden, denn jener wächst kontinuierlich und unaufhaltsam. Denn kaum sind die ersten Müllautos und Busse hupender Weise den Berg hinabgerollt, fahren weitere Fahrzeuge vor, um neuen Müll abzuwerfen und sich dabei lautstark mit weiteren Müllabladern auszutauschen.
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So langsam erscheint die Sonne hinter den Berggipfeln und ein heißer neuer Tag beginnt. Endlich kämpfen sich die ersten Radfahrer auf 1000 Meter Höhe und machen eine Rast an eben dieser Müllsammelstelle, weil genau gegenüber eine kühle Wasserquelle aus dem Berg entspringt. Während die ersten Katzen und Hunde den Müll nach Essbaren durchsuchen, treffen weitere Radfahrer ein. Ein lautstarkes Meeting zwischen den teuersten Rennrädern, Pulsmessern und Herzfrequenz-Apps beginnt.

Während dessen erscheint aus der Nebenstraße meine liebste Nachbarin auf ihrer Hunderunde. Da sie kein Kind von Traurigkeit ist, sucht sie sich die ersten Opfer, die sie laut lachend und palavernd beglücken kann. Wehe, wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, der entkommt ihr nicht. Spätestens jetzt wird es Zeit für mich aufzustehen, denn mit der zunehmenden Helligkeit verabschiedet sich nicht nur das 10. Mückenbataillon und begrüßt ein Heer nervender Fliegen, sondern auch die Ruhe.

Es ist mittlerweile 6:30 Uhr in der Früh und am liebsten möchte ich der Nachbarin lautstark ein freundliches „Buongiorno“ zurufen. Doch sie ist mit ihrem Opfer anderweitig beschäftigt und ich versuche schlaftrunken die Bialetti auf den Herd zu stellen. Liebevoll decke ich den Tisch auf der Terrasse, während mein Sohn zum täglichen Dorfbäcker in das tiefer gelegene Pedona laufen darf….”
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Denn hier wartet die nächste tägliche Überraschung, die James nicht besser formulieren konnte:

„Irgendetwas am toskanischen Brot ist von Grund auf verkehrt. Ehrlich gesagt, es ist eine Schande: der einzige Makel, der eine ansonsten klassische Küche verhunzt. Selbst Italiener aus anderen Landesteilen zerreißen sich darüber das Maul, zum Beispiel mit der Bemerkung, es sei das einzige Brot der Welt, das bereits altbacken aus dem Ofen kommt. Das ist nur geringfügig übertrieben. Toskanisches Brot macht nicht dick. Sobald es mehr als drei Stunden alt ist, weil die Energie, die man braucht, um sich eine Scheibe abzuschneiden. gleich dem Brennwert der Scheibe ist. Diese Eigenschaft sollte die italienische Schlankheitsindustrie viel mehr herausstellen“.

Nachdem ich dieses Brot nun mühevoll in Scheiben geschnitten habe, bin ich dabei zum ersten Mal an diesem Morgen so richtig ins schwitzen zu geraten. Habe ich schon erwähnt, dass es hier heiß ist? Während ich die erste harte Scheibe in meinen heißen, superstarken Cafe getunkt habe, beginnt ein neuer Ferientag unter der toskanischen Sonne. Während das Mittelmeer aus der Ferne nur so flimmert, weht hier oben auf „meinem“ Berg glücklicherweise ein laues Lüftchen, sodass ich an manchen Tagen die Fahrt ins Tal lieber meide.
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Schon alleine die haarnadelscharfen Kurven ins Tal, bei denen man noch von hightech-bestückten pensionierten Fahrradfahrern im hautengen Dress aber ohne Helm überholt wird, um dann an der nächsten Kurve scharf zu bremsen, weil das entgegenkommende Auto lieber meine Fahrbahn benutzen möchte, geht es weiter ins Tal, wo sich der Verkehrshorror verdreifacht. Bis man dann endlich auf der Viareggio ist und feststellt, dass man in die falsche Richtung fährt. Einfach abfahren und wenden ist nicht möglich, also muss man weiter bis zum nächsten Telepass, dort seine Maut entrichten, in 5-fachen Wendeschleifen versuchen wieder in die richtige Richtung zu kommen um dann wieder ein Ticket in der Mautstelle zu ziehen. Wenn man soweit ist, möchte man am liebsten wieder auf dem Berg zurück und den Zikaden in den Zypressen abwechselnd mit den unendlichen Hup-Variationen italienischer kleiner Autos zu lauschen.

Habe ich schon erwähnt, dass ich Italien liebe? Urlaub kann so entspannend sein. Aber wenn man es endlich geschafft hat, über die Serpentinen und der Viareggio endlich an sein Ziel zu gelangen, erwarten einem unglaubliche Landschaften und wunderbare Eindrücke.

Heute habe ich den Ort San Pellegrino besucht. Ich kenne diesen Ort schon viele Jahre, schließlich bietet unser heimischer Dorfitaliener wunderbares Prickelwasser mit dem gleichnamigen Etikett an. Dabei habe ich mir beim Genuss nie Gedanken darüber gemacht, woher dieses Wasser entspringt, das unglaubliche 8 Euro pro Liter kostet.

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Nachdem ich heute auf 1500 Metern und ebenso viele apuanische Serpentinen überlebt habe, stand ich unverhofft über den Wolken in dem Örtchen San Pellegrino. Nach dieser Fahrt war mir klar, warum das Wasser teurer als Wein ist.
Der Ort selber besteht aus einer handvoll Häusern, davon sind drei Restaurants bzw. typische italienische Tabacchi und ein Andenkenladen, indem es getrocknete Pilze für 90,- Eur das Kilo zu kaufen gab. Den Wasserpreis kann man also noch toppen.

Doch wenn man diese Touristenläden standhaft ignoriert (ok, Sohnemann hat sich eine Tüte italienische Bonbons erschmeichelt) und nebenan im Tabacchi versucht ganz freundlich und eher radebrechend auf italienisch »due panini with brosciutto und due café« zu bestellen, wird man wahrhaft freundlich bedient und bekommt das leckerste Sandwich mit dem allerbesten Espresso der Welt gezaubert. Während mein kluger und hübscher Sohn schon mal die doppelt Menge Gelatto abstaubt, weil Italiener Kinder einfach lieben, vor allem wenn sie mit Augenaufschlag »Prego« schüchtern hauchen. Was sind schon Sprachbarrieren?

So geht wieder ein Tag zu Ende und ich kann behaupten, das leckerste Panini auf über 1500 Meter gegessen, das weltweit bekannte Örtchen San Pellegrino kennengelernt und eine wunderbare Wanderung zu einem der höchst gelegenen Seen, dem Lago Santo, der Apuanischen Alpen gemacht zu haben.

Während ich das schreibe, fressen mich auf der Terrasse nicht nur die Mücken auf, sondern es umfliegen mich die Junikäfer, die wiederum, wenn sie nicht aufpassen, von den umherschwirrenden Fledermäusen geschnappt werden. Dabei blinkt fröhlich ein Glühwürmchen im angrenzenden Oleander vor sich hin, während ein blütenschwerer Sommerjasmin zu mir herüberweht.

Kann ein Tag mit einem Gläschen Fernet Branca nicht schöner enden …
Ich wünsche Dir wunderbare Ferienwochen.


PS: Gerald Sampers berühmtes Knoblauch-Fernet-Branca-Eis:
15 große Knoblauchzehen
150 g Kristallzucker
4 EL kalte Schlagsahne
150 g Fernet-Branca

Geben Sie die Knoblauchzehen und den Zucker in einen Mixer, und gießen Sie den Rest einer Flasche Fernet-Branca darüber. Vermischen Sie dies mit steifgeschlagener Sahne. Ein ansprechender heller Braunton entsteht, und die Knoblauchnote treibt Ihnen Tränen in die Augen. Hervorragend. Ach ja, und ein oben eingedrücktes Fenchelzweiglein macht sich optisch gut.

Buchtipp:

Kochen mit Fernet-Branca: Roman von James Hamilton-Paterson
Gebundene Ausgabe: 363 Seiten
Verlag: Klett-Cotta (1. Dezember 2005)
ISBN-10: 3608937609

Eines Tages wird Sampers Einsamkeit von einer neuen Nachbarin gestört. Die stattliche Marta ist in seinen Augen eine vulgäre Person aus einer dieser ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen es nur so von Gangstern wimmelt. Aber, so behauptet sie, sie ist Komponistin von Filmmusik. Gerald glaubt kein Wort. Die gespannten nachbarlichen Beziehungen, wechselweise aus Martas und Geralds Sicht kommentiert, gründen von Anfang an auf Missverständnissen, eskalieren und nehmen immer groteskere Formen an. Schwarze Helikopter in der Nacht, sentimentale Musik aus Martas obskurer Heimat, und immer Fernet-Branca. Mit entsprechenden Folgen. Geralds Versuche, seine Einsamkeit zurückzuerlangen, scheitern. Im Gegenteil. Eine Katastrophe ist unvermeidlich …
Mit diesem spritzigen Unterhaltungsroman in der Tradition der großen komischen Autoren ist Hamilton-Paterson ein Meisterstück gelungen, witzig, aber nie seicht, beißend, aber nie gemein, prallvoll mit Einfällen und mit Rezepten. Ein kulinarischer Genuss.

Auf den Spuren großer Gefühle

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Hast du einen  Lieblingsfilm, einen Film der dich zutiefst berührt? Den du dir gefühlte 1000 mal anschauen musst? Ein Film, bei dem du Rotz und Wasser heulen kannst (bzw. es auch tust). Ich kenne nicht viele dieser Filme, aber wenn ich einen nennen kann, dann ist es “Der Englische Patient”. Ich kann mich noch  an den Filmstart 1996 denken, denn er kam kurz nachdem ich auf großer Exkursion in Neuseeland war, in die deutschen Kinos.

Bis heute gehört dieser Film für mich zu den großen wirklich großen Werken, der zurecht 9 Oskars gewonnen hat. Viele Szenen des Filmes wurden in Marokko und in der Toskana gedreht. Und so habe ich mir in diesem Jahr den Traum erfüllt, zumindest einen großen Drehort des Filmes zu besuchen: das Benediktiner Kloster Sant Anna in Camprena, Val D’Orcia Toskana. Leider ist nicht möglich das Kloster von Innen zu besichtigen, wenn man es nicht als Übernachtungsort gebucht hat. Auch wenn ich darüber ein wenig enttäuscht war, hat mich die Umgebung des Klosters wieder entschädigt, zumal hier einige Teile des Filmes gedreht wurden.

Ich kann das nicht wirklich beschreiben, aber dieser Ort ist magisch. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an die Besichtigung denke. Vor dem Kloster konnten wir inmitten eines wunderschönen Olivenbaumhaines ein Picknick machen und Toskanische Sonne tanken. Während ich den Eidechsen beim Sonnenbaden zuschaute, lullte mich das laute zirpen der Zikaden ein.

Vor Ort begab ich mich auf den Spuren des Filmes. Es war traumhaft schön, durch die Straße zu fahren, die dicht mit den wunderschönen toskanischen Zypressen gesäumt ist. Und ich habe die Filmorte fotografisch wieder gefunden. Vor Ort fühlt sich das unwirklich an, daran zu denken, das dort mal eine ganze Filmcrew wochenlang gedreht hat. Das dort meine Lieblingsschauspieler Juliette Binoche und Ralph Fiennes ihre Spuren hinterlassen haben. So müssen sich wohl Gruppies fühlen :-)

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Der Besuch des Kloster war eines meiner Highlights in der Toskana und solltest du irgendwann mal in der Nähe sein, dann kann ich dir den Besuch des Klosters sehr empfehlen. Nicht nur fotografisch, sondern einfach weil du dich unter dem ursprünglichen toskanischen Flair inspirieren lassen kannst.