Monat: Februar 2018

Hinter den Kulissen – Wie Naturfotografen arbeiten

Echte Mehlbeere, Frost, Makro, Schnee, Sorbus aria, Winter, beeren, blauer Himmel, rote Beeren

Welche Vorstellung hast Du, wenn du Natur- und Landschaftsfotografien von Berufsfotografen siehst? Ich habe mir letztens Gedanken darüber gemacht, als ich in einem Tierfotografieblog die Frage las:

« Wildlife Fotos? Wo haben die schon wieder dieses Tier gefunden? Bei mir sind sie sofort weg, wenn ich mich nähere. Andere Fotografen knipsen auch nur mit der Linse. Ansitzhütten, Tiere angefüttert, Models selbst mitgebracht, Klangatrappen…. oder Glück? Oftmals stundenlanges wandern mit schwerem Equipment. Stundenlanges ausharren in einem Zelt…»

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Ich selber gehörte nicht zu den Naturfotografen, die sich ein Tarnzelt und ein Objektiv in Tarnfarbe zugelegt haben und damit tagelang in der Pampa sitzen und hoffen, dass sich irgendwann mal ein Tier blicken lässt.

Ich gehöre aber auch nicht zu den Fotografen, die sich Guides anmieten und mit denen auf geführte Fotosafaries gehen, wo die Tiere meistens angefüttert werden. Erst letztens habe ich einen Bericht über Naturfotografen an der Müritz gesehen, die einen Guide buchen, der mit ihnen auf den See und bekannte Brutplätze anfährt, um dort Fischadler & Co mit Aalen anzufüttern, sodass die Fotografen zu ihren „Schuß“ kommen. Ich war ehrlich gesagt ziemlich abgetörnt davon, schon alleine die Auslösegeräusche, die sich wie Gewehrfeuer anhörten. Gruselig. Mal davon angesehen, was man mit so vielen ähnlichen Bildern machen soll. Sie sind ja in der Menge und die auf die Art und Weise nichts Besonderes.

Ich muss aber an der Stelle auch sagen, das ich mich nicht auf Tierfotografie spezialisiert habe. Sie entstehen eher zufällig, wenn ich in der Natur unterwegs bin.

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Doch wie gehen berühmte Naturfotografen vor?

In der Netflix Serie „Bildschöne Welt“ werden bekannte National Geographic Fotografen auf ihren Fotoreisen begleitet. Das die Serie in Zusammenarbeit mit National Geographic und Canon entstanden ist, habe ich erst später erfahren. Im Nachhinein wurde mir auch bewusst, warum Canon immer so plakativ ins Bild gehalten wurde. Aber das nur am Rande, denn ohne Sponsoren würden diese Fotoreisen finanziell auch nicht machbar sein.

Das ein Naturfotograf heutzutage nicht mehr als einsamer Wolf durch die Landschaften zieht, ist mir seit Andreas Kieling und seinen Naturreportagen klar. Immer wenn er dramatisch mit hoher Stimme und aufgerissenen Augen in die Kamera die Angst vor dem Grizzly im Hintergrund schürte, hätte man schon fast im Hintergrund die Waffen von seiner Crew durchladen hören.

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Die Netflix Reportage hat mein Bild noch mal verändert. Als Richard l’Anson Schneeleoparden im Himalaya fotografieren wollte, wurde mir erstmals bewusst, was eigentlich dahinter steht. Vor Ort hatte er ein großes Team, die teilweise zu sechst mit einem Spektiv die Berge nach einem Schneeleoparden absuchten und dann dem Fotografen sagten, wohin er seine Kamera ausrichten sollte. „Leider“ war der Schneeleopard schlauer und zeigt sich nur kurz aus weiter Entfernung – so eine große Menschengruppe würde ich auch lieber meiden. Im weiteren Verlauf der Sendung ging es nach Indien zu den Tigern. Als er endlich auf die Großkatzen traf und seine Fotos machte, war ich enttäuscht. Da war fotografisch nichts Besonderes dabei, etwas was mich berührt hätte. Sicherlich ist es ein ganz tolles Erlebnis einen Tiger in der freien Natur zu sehen, welcher Naturfotograf träumt nicht davon? Doch die Fotografien die anschließend als Ergebnis gezeigt wurden, hätte man auch in einem Zoo machen können. Und ich frage mich, ob der Aufwand gerechtfertigt gewesen ist, mal davon abgesehen, dass man die Tiere in ihrem Lebensraum stört und die Flüge dorthin ebenso zur Umweltverschmutzung beitragen. Ich fühle mich gerade an diesem Beispiel zwiegespalten, wenn man als Naturfotograf und seinen Bildern etwas zum Umweltschutz tun will und gleichzeitig dazu beiträgt, dass die Natur zerstört wird.

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Island ist so ein trauriges Beispiel: Eine grandiose Landschaft die in vielen Gegenden durch den Tourismus und vor allem von Fotografen zerstört worden ist. Kerstin Langenberger (sie ist Gastautorin in meinem Buch „Naturfotografie mal ganz anders“) schreibt sehr eindrücklich über ihre Beobachtungen.

Als ich Kerstin damals anschrieb, ob sie nicht einen Gastartikel für mein Buch schreiben möchte, war ich von ihren Landschaftsfotografien aus dem hohen Norden begeistert. Tolle Fotos, die damals kaum einer kannte. Das fand ich immer sehr schade, sie hätten viel mehr Aufmerksamkeit erregen müssen. Die Medienpräsenz kam dann völlig überraschend, zu einem Foto das mir zeigt, wie kaputt unsere Welt ist: Ein fast verhungerter Eisbär. Al Gore wurde auf diese Bild aufmerksam und verwendete dieses Bild in einer Kampagne. Über Nacht wurde Kerstin berühmt: Aber nicht für ihre ursprünglich wahnsinnig guten Landschaftsbilder.

Um auf Netflix und die Fotografen-Serie zurück zu kommen: Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Wenn ich sehe, mit welchem Manpower und Aufwand die Kollegen arbeiten, das hätte ich nicht erwartet. Aus der Modeindustrie weiß ich seit längerem, dass am Set Belichter, Stylisten, Assistenten, Praktikanten etc rumspringen und dem berühmten Fotografen nur noch die voreingestellte Kamera im perfekt eingestellten Licht in die Hand gedrückt wird. Darüber mache ich mich schon des längerem lustig, weil hier das Ureigenste des Fotografen aus der Hand genommen wird. Das würde ich für mich niemals wollen, ich möchte das schon selber alles einstellen und würde mich ungerne auf andere verlassen wollen.

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Aber das mittlerweile auch Naturfotografen mit einer großen Mannschaft durch die Gegend reisen, war mir nicht bewusst. Während ich maximal mit meinem Partner fotografieren gehe, wobei er mich vor Ort meistens alleine lässt, damit ich in Ruhe arbeiten kann und er mich nur begleitet, wenn ich seine Hilfe brauche. So kann ich mich viel besser fokussieren, alles andere würde mich nur ablenken.

Die Netflix-Serie hat einen schalen Beigeschmack bei mir hinterlassen. Einerseits war ich von den Bildern begeistert, andererseits haben mich Aufwand und teilweise die Einstellung der Fotografen zwiegespalten zurückgelassen. Ich hätte mir auch mehr Transparenz zur Partnerschaft mit Canon gewünscht. Im Vorspann hätte diese erwähnt werden müssen. Denn teilweise wurden die Kameras über Gebühr gelobt, was ich als unangenehm empfand.

Kommen wir auf die Anfangsfrage zurück

Ja, die Tierfotos die wir sehen, werden mit einem immensen Aufwand produziert. Ob angefüttert, mit großer Manpower, mit einer aufwändigen Ausrüstung bis hin das die Insekten mit Kältespray angesprüht werden – hier wird alles gemacht, um an die Fotos zu kommen.

Wenn Du dich das nächste Mal fragst, wie andere es machen, dann schau mal in einige Internetseiten von den Naturfotografen die im Verband deutscher Tierfotografen sind oder schau dir gleich die Netflix-Serie an. Und dann musst Du dich entscheiden, wie weit Du gehen möchtest….