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Kaufentscheidung: Spiegelreflex- oder Spiegellose Systemkamera?

Bildbesprechung vom Profi: So fotografierst du besser

Oft werde ich gefragt, welche Kamera man sich anschaffen könnte. Das ist keine leicht zu beantwortende Frage, denn es liegt an vielen Faktoren. Es gibt viele Pro und Kontras für beide Systeme, sodass es keine eindeutige Empfehlung geben kann. In meinen Kursen habe ich in den letzten Jahren viele unterschiedliche Modelle kennen gelernt und ich musste mich technisch mit Ihnen beschäftigen. Ich konnte einen Trend in meinen Kursen feststellen: Nur noch ganz wenige Kursteilnehmer kommen mit einer DSLR. Bei vielen neuen (Spiegellosen-) Modellen habe ich innerlich geflucht, wobei ich immer im Hinterkopf haben musste, dass ich gerade eine Hobbykamera erklären muss und sie nicht mit einer Profi-Vollformatkamera vergleichbar sein kann.

Wofür brauchst du die Kamera?

Das ist im ersten Schritt auch wichtigste Frage: Wofür brauchst du die Kamera. Hast du Ambitionen, beruflich damit zu arbeiten, dann sollte es eine Kamera im Semi- bis Professionellen Bereich sein. Dann ist auch die Frage beantwortet: Vollformat oder nicht. Denn Vollformat ist beruflich eine Grundvoraussetzung, vor allem wenn man für Agenturen arbeiten möchte. Vollformat gibt es für beide Systeme (auch wenn die Auswahl hier nicht so groß ist), sodass hier ein weiteres Kriterium ins Spiel kommt: Die Auswahl der Objektive.

Für welches Modell gibt es vollformattaugliche Objektive? Nicht alle Hersteller haben ein ausreichend gutes Angebot, denn für jede fotografische Spezialisierung braucht man sein Objektiv. Des Weiteren muss man beachten, kann man eventuell vorhandene Objektive mitnehmen? Bei einem Umstieg von einer älteren DSLR auf eine neue Spiegellose ist das mitnehmen der Objektive meistens nicht möglich. Hat man aber tolle ältere Objektive, die es in der Qualität heute nicht mehr gibt, dann würde ich persönlich weiterhin bei einer Spiegelreflexkamera bleiben.

Was spricht für eine Spiegellose Systemkamera?

Ich muss gestehen, optisch sind die neusten Modelle wirklich eine Augenweide. Ich mag das Retrofeeling. Wenn ich meine Schüler befragte, warum sie umgestiegen sind, war überwiegend das leichte Gewicht ein Kriterium. Da muss ich gestehen, dass ich mir auch wünschen würde, dass meine Nikon nur 300gr wiegt, denn auf die Dauer ist das Gewicht vor allem auf Wanderungen und Reisen ein wichtiges Argument.

Die nicht vorhandenen Auslösegeräusche durch das Klappen des Spiegels wurden als weiteren Grund genannt. Wer gerne in Kirchen fotografiert, weiß, wie laut DSLRs beim Auslösen sind. Wenn man beruflich Hochzeiten fotografiert, kann das schon mal den Ärger des Pfarrers auf sich ziehen. Hinzu kommen Funktionen, die nach wie vor bei den Spiegelreflexkameras nicht vorhanden sind. Ich vermisse bis heute eine interne GPS-Funktion als Landschaftsfotografin. Mein altes GPS konnte ich beim Umstieg von der NikonD700 auf D750 aufgrund anderer Anschlüsse mal wieder nicht mitnehmen, sodass ich mich heute damit behelfe, ein Smartphonefoto zu machen, um die Koordinaten zu haben. Ein neues GPS wollte ich aus Umwelt- und Kostengründen nicht kaufen. Meine Kiste mit Zubehör ist bei jedem Umstieg auf ein neues Modell gewachsen und ich bin unglücklich über den Elektroschrott, der eigentlich noch funktioniert.

Spiegellose haben den Vorteil, dass sie in der Kamera viele Funktionen anbieten: GPS, integrierte ND Filter, Hyperfokaldistanz, Fokuspeaking, Sicht bei Nacht, Schärfentiefe sichtbar, 100 % Anzeige etc. Die Fuji-Kameras sind für ihre wunderbaren Profile (in Lightroom würde man sie Presets nennen) bekannt. Zudem haben die Spiegellosen oft ein aufklappbares Touchdisplay, worüber man navigieren kann. Ich weiß, das viele meiner Schüler diese Funktion lieben, ich persönlich bin absolut kein Fan von Touchdisplays, vor allem wenn ich in einem Workshop Kompositionen/Linienführung besprechen will und dafür Ausversehen das Display mit dem Finger berühre und dabei die Kamera so verstelle, dass man hinterher nicht weiß, was sich verändert hat bzw. es nicht wiederfindet. Das ist mir alles passiert, sodass ich persönlich auf diese Funktion gerne verzichte.

Was auf der einen Seite ein Segen ist, kann gleichzeitig ein Fluch sein: Zu viele Funktionen und unüberschaubare Menüs können einen zur Weißglut bringen. Vor allem wenn man sie nicht wiederfindet, weil sie sich aus einer Kombination von Einstellrad und gedrückten Button besteht und man sie nicht im Menü findet. Aber das kann einem auch an einer Spiegelreflexkamera passieren. Wobei meine Erfahrung ist, dass die Menüs der DSLRs nicht so überfrachtet sind, wie bei den Spiegellosen, eben weil sie nicht so viele Funktionen anbieten.

Warum ich nicht auf eine Spiegellose Systemkamera umsteige

Vielleicht gehöre ich zu den ewig gestrigen, aber ich persönlich würde nicht von meiner DSLR auf eine Spiegellose umsteigen wollen. Vor genau 5 Jahren hatte ich die Fuji ausführlich getestet und ich hatte gehofft, dass die Kameras im Laufe der Jahre besser werden. Das sind sie auch, aber immer noch nicht so, dass ich sie beruflich verwenden wollte. Nach wie vor warte ich ab, wie sich der Markt entwickelt. Ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass Nikon von seinem arroganten Image herunter kommt, auf Nutzer hört und DSLRs baut, die zukunftsweisend sind. Denn ich halte an den DSLRs nach wie vor fest, weil die Objektive und die Abbildungsleistung unschlagbar gut sind. Und ich liebe den großen Sucher, der für mich noch größer sein dürfte. Ich bin absolut kein Fan von den stromfressenden elektronischen Suchern. Übrigens ein Kontra für die Spiegellosen Systemkameras: Der sagenhafte Stromverbrauch. Während mein Akku bei normaler Leistung ohne Blitz über eine Woche hält, sind die Akkus oft schon nach wenigen Stunden aufgebraucht. Wenn ich in der Natur unterwegs bin, ein absolutes KO-Kriterium, zumal ich nicht 3-4 Ersatzakkus kaufen und zusätzlich eine Powerbank mit mir herumtragen möchte.

Eine solide einfache Kamera, ohne viel Schnickschnack, ohne Videofunktion mit guten Linsen ist mein Wunsch. Kameras die bezahlbar sind und gleichzeitig ihren Wert nicht nach kürzester Zeit verlieren. Das ist nämlich eines der größten Kontras der Spiegellosen Kameras: In immer kürzeren Abständen kommen neue Modelle auf den Markt, die nach einem Jahr nichts mehr wert sind. Die Objektive sind oft aus preiswertem Plastik und fühlen sich für mich persönlich nicht hochwertig an. Gleichzeitig kosten sie das mehrfache eines DSLRs Objektiv. Viele Modelle sind einfach nur Modeerscheinungen, deren Preis-Leistungsverhältnis nicht stimmt.

Kameras und Umweltschutz?

Wenn man die ganze Industrie (dazu gehören für mich auch die Smartphone, Tablets etc) betrachtet – auch im Zusammenhang mit Fastfashion, Fastfood – ist sie eine einzige Umweltkatastrophe. (Lesetipp: Die grüne Lüge: Weltrettung als profitables Geschäftsmodell) Doch wohin mit den alten Modellen, die oft noch gehen? Die meisten landen auf dem Müll oder in irgendwelchen Kellern.

Ähnlich wie bei den Smartphones wird einem suggeriert, jedes Jahr eine neue Systemkamera zu brauchen. Und ich kenne viele, die diese Trends mitmachen, die auch zwischen den Systemen wechseln und sich ständig neue Modelle kaufen, während die Qualität der Fotos nicht besser wird. Da hat man bei der einen Kamera noch nicht alle Funktionen kennen gelernt, da hat man schon das neuste Modell. So kommt man nie auf das nächste Level, nämlich die Kamera blind zu bedienen und sich kreativ der Bildgestaltung zu widmen.

Wenn du mich fragst, ich würde auch bei einem Neukauf oder einem Anfänger nach wie vor eine „altmodische“ DSLR empfehlen. Sie sind langlebig und trotzen den Modeerscheinungen. Noch langlebiger sind die guten Objektive auch wenn sie schwerer als die Plastikmodelle der Spiegellosen sind.

Kommen wir ein bisschen zurück zu den Wurzeln der Fotografie. Vereinfachen wir lieber. Und versuchen unsere Fotoausrüstung so lange zu nutzen wie möglich und nicht jedem Trend hinterherzujagen – vor allem der Umwelt zuliebe.

Entscheide nicht nur danach, wie viel eine Kamera kann, sondern wie gut sie es kann. Oft werden Spiegellose damit beworben, dass sie einen digitalen Verschluss bis 1/32.000 Sekunde anbieten (DSLRs mit dem physikalischen Verschluss bieten meist nur 1/4000 Sek/1/8000 Sek). Doch wusstest du, dass dir der elektronische Verschluss gar nicht viel bringt, weil durch den zeilenweisen Bildaufbau Verzerrungen bei bewegten Objekten auftreten können? Das ist ähnlich wie die ISO-Marketinglüge, denn wir wissen, dass bei fast allen Modellen mit Iso 4000 Schluss ist, weil das Bildrauschen eher Augenkrebs verursacht, als dass es ein gutes Foto ergibt.

Nun liegt es an dir, die Pro und Kontras durch den Kopf gehen zu lassen. Benutze deinen Verstand und überlege, was brauchst du wirklich. Ist es nur eine Modeerscheinung? Brauchst du eine bestimmte Marken-Kamera, um dich einer Gruppe dazugehörig zu fühlen?

Versuche dich für ein Modell zu entscheiden, dass du viele Jahre haben wirst und dass du gut bedienen kannst. Schaue nicht nur auf den Kamerabody selber, sondern auch wie langlebig das Zubehör vor allem die Objektive sind. Ein Objektiv kann dich ein Leben lang begleiten. Denke ebenso an die Bildbearbeitung, ob du nicht ein Update brauchst, um die neusten RAW-Formate einzulesen und hier weitere Folgekosten auf dich warten. Ein neues Kamerasystem verursacht oft höhere Nebenkosten, als man vorher kalkuliert hat.

Du siehst, eine Entscheidung ist nicht einfach. Aber vll. konnte ich dich zum Nachdenken anregen und das du nicht auf das nächste Marketingversprechen der Kameraherstellers reinfällst. Denn nach wie vor ist der Mensch hinter der Kamera entscheidend.

Auf Herz und Nieren geprüft: Die Fujifilm X-Pro1

Bildbesprechung vom Profi: So fotografierst du besser

Ich behaupte mal ganz forsch, dass wir Frauen in Bezug auf Technik und insbesondere auf die Technik unser Kamera ganz anders ticken als unsere männlichen Kollegen. Wie sage ich immer so schön: “Dass meine Kamera technisch gut funktioniert, davon gehe ich einfach mal aus.”

In den letzten Monaten hatte ich aber immer wieder das Gefühl, dass ich mit meinem Kamerasystem, einer Nikon D700 (Vollformat), nicht mehr richtig glücklich bin. Ich hatte mir einen Boliden zugelegt, der eine Masse an Funktionen mit sich herumträgt, sowohl technisch gesehen als auch vom Gewicht her. Wenn ich die Kamera mit meinem 24-70mm Arbeitsobjektiv bestücke, wiegt das ganze System über drei Kilogramm. So sind mir schon Bilder verwackelt, weil ich einfach nach vielen Stunden Arbeit die Kamera nicht mehr halten konnte. Gleichzeitig werde ich von einer Vielzahl an Funktionen überwältigt, die ich nie und nimmer brauchen werde.

Diese Unzufriedenheit brachte mich dazu, mich auf dem Kameramarkt umzuschauen. Vielleicht gibt es ein gleichwertiges, jedoch leichteres System auf dem Markt? Und so stieß ich irgendwann auf die Marke Fujifilm. In den einschlägigen Foren wurde die Systemkamera Fuji X-Pro1 vielfach mit einer Leica M verglichen und auch durch den Preis bin ich davon ausgegangen, das die Fuji eine Profikamera ist und ich wurde sehr neugierig. Da ich aber die Kamera nicht einfach im nächsten Fotofachgeschäft testen konnte schrieb ich Fujifilm an, ob ich die Kamera aus Sicht einer Frau einmal ausprobieren könnte. Als Ergebnis meiner Bemühungen kam es dazu, das ich die Kamera und drei verschiedene Wechselobjektive (18mm, 35mm und 60mm Makro) über eine Zeitraum von 4 Wochen im März 2013 testen durfte.

Im Nachhinein hat sich der Zeitpunkt des Tests allerdings als sehr unglücklich erwiesen. Nicht nur das die Hälfte der Zeit durch eine fiese Grippe verloren ging, sondern auch das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung, da der März einfach nur grau in grau, kalt und verschneit war. Mit Frühlingsbildern kann ich somit leider nicht dienen.

Vorab muss ich sagen, das ich noch nie eine Systemkamera in den Händen hatte und diese Technik absolutes Neuland für mich ist. Optisch betrachtet ist die Kamera eine wirkliche Schönheit. Es kommt ja schließlich beim Schuhkauf nicht nur auf die Bequemlichkeit der Schuhe an sondern auch ob sie mir optisch gefallen. Bei den DSLRs wurde auf das äußere Erscheinungsbild leider nicht so viel Wert gelegt, sodass ich es erfrischend fand, eine Kamera in den Händen zu halten, die ein kleines Schmuckstück mit Retrofeeling ist. Sie ist unglaublich leicht und handlich, ganz wie die Spiegelreflexkameras, die ich von früher kenne. Vor allem ist sie aber, das war ab der ersten Minute so, leicht zu bedienen. Alle wichtigen Funktionen sind intuitiv ohne Bedienungsanleitung zu finden.

Was hatte ich mir von dem Test versprochen? Ich wollte ein, leichteres Kamerasystem für mich finden, das ich sowohl beruflich als auch privat einsetzen konnte, ohne dabei jedoch auf grundlegende technische Standards und die hohe Qualität der Bilder zu verzichten.

Auf dem ersten Blick sprachen alle technischen Beschreibungen für die Fuji X-Pro1: große Auswahl an Wechselobjektiven, 16,3MP Auflösung (die D700 hat nur 12MP), mit Objektiv nur ca. 700gr leicht, ich kann im RAW-Format fotografieren, und und und … .

Kommen wir zuerst zu den positiven Eigenschaften. Wie ich schon geschrieben habe, ist die Fuji X-Pro1 wunderbar leicht, sieht in meinen Augen sehr schön aus und ist einfach zu bedienen. Um sie gründlich zu testen, habe ich sie auf einen Fotoausflug in die Sächsische Schweiz, auf die Bastei mitgenommen, die mit blauem Himmel und Schnee lockte. Ich nahm nur die Systemkamera sowie die drei Objektive mit. Mein Rücken fand das sehr sympathisch :-) Während der Tour avancierte das 18mm Objektiv zu meinem Lieblingsobjektiv. Aufgrund des Cropfaktors ist es eher mit einem 28mm zu vergleichen, was aber meiner Begeisterung in der Landschaftsfotografie keinen Abbruch tat. Aus dem 35mm Objektiv wird dann ein 53er-Objektiv.
Normalweise fotografiere ich fast alle meine Landschaftsaufnahmen mit meinem Nikkor 50mm 1.4, weil es so knackscharf ist. Diese Schärfe, die teilweise der Porträtfotografie einen räumlichen Charakter verleiht, habe ich ein wenig bei dem 35mm Objektiv vermisst. Natürlich kann man das nicht wirklich vergleichen, da die Schärfe bei einem Vollformatsensor immer ausgeprägter ist als bei einer Cropkamera.

Da ich gerade bei den Objektiven bin, möchte ich das 60mm Makro nicht vergessen. Hier drängt sich natürlich der direkte Vergleich zu meinem 60mm Nikkor Makro auf. Doch ich kann es an dieser Stelle nicht vergleichen, das wäre wie der Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Das Fokussieren an sich ist ganz anders und für mich sehr ungewohnt. Ich musste bei diesem Objektiv verstehen lernen, dass das 60mm-Objektiv eher ein Teleobjektiv und ein Brennweitenäquivalent zu einem 90mm-Objektiv darstellt. Wenn ich mit dem 60mm fokussiere, dann ist das so, als wenn ich mit einem Teleobjektiv ein weit entferntes Motiv heranhole (A. Zambito: Fujifilm X-Pro1, Franzis Verlag, S.55).

Insgesamt war das 18mm mein Lieblingsobjektiv. Lichtstärke und Bildwinkel überzeugten mich in der Landschaftsfotografie und es ließ sich gut in Räumen mit wenig Licht einsetzten. Teilweise bin ich bis ISO 2000 gegangen und das Rauschverhalten ließ sich in Lightroom sehr gut bearbeiten.

Hin und weg war ich von den wunderschönen Bokehs, mit denen alle drei Objektive aufwarten konnten. Wie meine Leser sicherlich schon wissen, liebe ich diese kleinen Bokehs, die aus einer nüchternden Fotografie ein emotionales Erlebnis werden lassen. Zwar funktionieren die Blendensternchen mit geschlossenen Blenden nicht sehr schön, dafür sind die Bokehs in der Offenblende ein optisches Erlebnis. Hier ist ein kreatives Arbeiten jederzeit möglich.

Es ist schon fast zu traurig, doch leider bin ich nicht uneingeschränkt begeistert. Ich hätte die kleine Kamera zu gerne geliebt, doch sie hatte kleine Schwächen, die mir zusammengenommen zu viel waren. Vielleicht habe ich aber zu hohe Erwartungen in die Kamera gesetzt.

So hat mir der Fokus, das Herzstück der Fotografie, Probleme bereitet. Als ich die Kamera bekam, schrieb mir ein Fotofreund, dass die “alte Lady” gute Fotos macht, wenn man viel Zeit mitbringt. Das war sehr schön umschrieben, denn die Kamera hat einen Autofokus, der für Kinderporträts, Tiere und alles was sich schnell bewegt, ungünstig ist. “Nicht so schlimm”, dachte ich, “Dann stelle ich auf den manuellen Fokus um”. Gesagt, getan und… nichts ging! Ich konnte drehen, drehen und nochmals am Objektiv drehen, es stellte sich nicht scharf. Ich fing schon an mir zu zweifeln, bis mir ein Fotofreund einen Tipp gab: Beim manuellen Fokussieren muss die AE-L/AF-L Taste gedrückt und dann am Objektiv manuell leicht nachfokussiert werden. Das Drücken und Nachfokussieren erfordert jedoch einen viel zu hohen Zeitaufwand, so das sich bewegliche Ziele zumeist schon entfernt haben bis die richtige Einstellung erfolgt ist.

Zuletzt noch ein paar kleinere Punkte, die mich unglücklich gemacht haben, auch wenn sie, verglichen mit der Funktionalität des Fokus, eher nebensächlich sind.
So ist es einfach so, das ich nicht gerne über ein Display fotografiere, sondern lieber durch den Sucher, der bei der Fuji recht klein ist. Doch störender fand ich den Umstand, dass beim Hindurchsehen durch den optischen Sucher das Objektiv zu einem Viertel zu sehen war und somit die Komposition zum Teil verdeckt wird. Ich konnte zwar auf den elektrischen Sucher umstellen, doch irgendwie hat mir das nicht gefallen. Außerdem sieht man bei dieser Kamera sowohl auf dem Display als auch durch den Sucher nur 90% des späteren Bildes. Das stört mich schon an meiner D700 und finde es schade, das bei einer neuen Systemkamera dieses Problem nicht angegangen wurde. Das Display selber ist bei Sonnenschein sehr schwierig zu verwenden. Die Aufnahmen in der Sächsischen Schweiz bei schönsten Sonnenschein und blauem Himmel sind regelrecht im Blindflug entstanden, da das Display in der Sonne nur Schwarz war.

Der Fotoausflug in die Sächsische Schweiz offenbarte noch ein weiteres Problemchen: Die Akkulaufzeit. Ich hatte diesen extra vor der Tour komplett aufgeladen und nach drei Stunden fotografieren ohne Blitz (die Kamera besitzt nämlich keinen integrierten Blitz) war Schluss. Völlig ratlos guckte ich auf das Display, welches mir sagte, das der Akku alle ist. Ich weiß nicht, ob das am Alter des Akkus in der Testkamera liegt, weil es so winterlich kalt an diesem Tag gewesen war oder ob der Akku wirklich so schwach auf der Brust ist. Ich war natürlich enttäuscht, da ich keinen Ersatzakku besitze und natürlich die Nikon nicht mitgenommen hatte.

Später, bei der Bildbearbeitung, musste ich herausfinden, dass es noch weitere Probleme gab, die aber nichts mit der Fuji selbst zu tun hatten, sondern mit meiner Haus- und Hof-Bildbearbeitungssoftware Lightroom, mit der ich alle RAWs komplett entwickle. Lightroom 4 hat die RAWs sofort erkannt, trotzdem hatte ich beim Bearbeiten das Gefühl, das Lightroom und Fuji sich nicht mögen. Es sind komische Sachen passiert: So konnte ich zum Beispiel die Anwendung von Presets nicht rückgängig machen und musste Lightroom neu starten, um das RAW wieder auf seine Ausgangsbasis zurück zu setzen. Teilweise haben die Presets auch nicht so gearbeitet, wie ich es von meinen Nikon RAW-Files kenne. Auch die Objektivkorrektur (Stand: Lightroom 4.4, 64 Bit) hat nicht richtig funktioniert, da keine Profile für die Fuji X-Pro1 und deren unterschiedlichen Objektive, sondern nur für die Fuji X-Pro100 eingestellt waren. Weil ich unbedingt wollte, dass die beiden sich mögen, habe ich mich sehr ausführlich mit dem Adobe Support unterhalten. Aber leider ohne Erfolg.

Auf der anderen Seite hat es mich positiv überrascht, dass die chromatischen Aberrationen in den meisten RAW-Files von Lightroom sehr gut erkannt und eliminiert werden. Doch insgesamt fand ich die chromatischen Aberrationen in vielen Bildern viel zu stark und dass man laut Fuji-Forum mit den Problemen leben muss, ist fotografisch gesehen, sehr unschön. Nicht alle chromatischen Aberrationen sind per Knopfdruck entfernbar und es ist sehr zeitaufwändig, sie per Hand in Photoshop wegzustempeln.

Ein letzter kleiner Punkt, den ich etwas unglücklich finde betrifft das Stativgewinde, welches viel zu nah am Akkufach platziert ist. Ich nutze das Gewinde für meinen Kameragurt und es ist äußert lästig, wenn man den Gurt abschrauben muss, um den Akku oder den Speicherchip herauszunehmen.

Fazit: Alles in allem ist mein Eindruck stark durchwachsen. Wenn ich die Vor- und Nachteile in einer Tabelle gegenüberstellen würde, dann wäre das Ergebnis folgendermaßen:

Vorteile

  • wunderschönes Design
  • viele Objektive
  • einfache, intuitive Handhabung
  •  rückenschonendes Fliegengewicht
  •  tolles Bokeh

Nachteile

  • Gewinde zu nah am Akkufach
  • Akkulaufzeit
  • Sucher (Objektiv zu sehen)
  • manueller Fokus und automatischer Fokus zu langsam
  • teilweise heftige chromatische Aberrationen
  • Lightroom RAW Probleme

Wenn ich meine Ziele vom Anfang des Berichtes wieder hervorrufe “Ich wollte ein neues, leichteres Kamerasystem für mich finden, das ich sowohl beruflich als auch privat einsetzen konnte, ohne auf die hohe Qualität der Bilder zu verzichten”, dann kann ich Folgendes im Fazit festhalten: Die Fuji X-Pro1 ist eine wunderschöne, leichte und intuitiv zu bedienende Kamera. Für den Einsatz in der Reise-, Reportagen – und Landschaftsfotografie mit dem 18mm- bzw. 35mm-Objektiv ist sie wunderbar geeignet.

Für andere Bereiche, in denen es auf einen schnellen Autofokus ankommt (Kinder-, Sport,- bzw. Hochzeitsfotografie) würde ich sie persönlich nicht einsetzen.

Ganz zum Schluss möchte ich noch einen kurzen Blick auf die Kosten werfen. Ein Fuji X-Pro 1 Body kostet ca. 1500 Euro, ein Objektiv ca. 500 Euro. Das ganze System, das mir zum Testen zur Verfügung gestellt wurde, hat einen Wert von ca. 3000 Euro und entspricht in etwa meiner aktuellen Nikon Vollformat Ausrüstung. Im Vergleich beider Systeme gebe ich aus beruflicher Sicht und den oben genannten Gründen derzeit dem Nikon System noch den Vorzug. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass die spiegellose Systemkameratechnik am Anfang ihrer Entwicklung steht und in ein paar Jahren dem jetzigen DSLR-System den Rang ablaufen wird.

Ich werde daher die Entwicklung weiter verfolgen und ich möchte mich ganz herzlich bei Fujifilm für die Bereitstellung der Kamera bedanken. Das Testing war sehr sehr interessant für mich und hat mir viel Freude bereitet.