Juchu, Geiz ist Geil! Fotos waren noch so billig zu haben!

Was ist dir ein Foto wert? Was bist du bereit für ein Foto zu bezahlen? Was möchtest du gerne pro Foto verdienen? Und was bist du bereit für eine Kamera + Zubehör zu bezahlen?

Letztens schrieb ich über die Kamerapreise, die von Jahr zu Jahr gestiegen sind und das man sich als Künstler und Berufsfotograf die Kameras kaum noch leisten kann, weil sie sich nicht amortisieren.
Ich stelle mir gerade vor, ich wäre eine Fotografin, die ausschließlich für Bildagenturen arbeiten würde. Eine Vorstellung, die dir auch gefallen würde? Den ganzen Tag nur Bilder zu machen und davon leben zu können? Nun die Realität sieht leider anders aus.

Zu einem kleinen Prozentsatz arbeite ich für Bildagenturen. In meinem Bildagentur-Portfolio stehen seit 2013 rund 2.345 Bilder zum Verkauf. Zum einen Teil habe ich die Bilder exklusiv für die Agentur entwickelt, zum anderen Teil sind die Fotos neben meiner anderen Arbeit entstanden.

Dabei hatte ich mich am Anfang meiner Arbeit extra für eine Makrostockagentur und gegen eine Mikrostockagentur entschieden, weil ich wusste, dass ich keine Fotografin für die Masse bin. Im Schnitt biete ich der Agentur keine tausend Bilder im Jahr an. Davon geht ungefähr die Hälfte in den Verkauf. Auch wenn die hohe Ablehnungs-Quote im ersten Moment weh tut, umso mehr wirkt sie sich positiv auf die Qualität des Gesamtportfolios aus. Seit 2013 bin ich nun dabei und die letzten Jahre stiegen die Umsätze.

Doch die positiven Trends meiner Anfangsjahre sind seit 2017 für mich nicht mehr wahrnehmbar. Bis vor einigen Tagen dachte ich noch, dass ich in diesem Jahr viel weniger Bilder als die letzten Jahre verkauft hätte. Statistisch gesehen ist dem nicht so, im Gegenteil. Die verkauften Einzellizenzen nähern sich schon dem Vorjahr bzw. liegen über den Vorjahren.

Doch eines hat sich signifikant verändert zu den letzten Jahren: Der Verkaufspreis eines Bildes. Mittlerweile erhalte ich immer öfter einen Erlös von nur 0,04 Euro pro verkaufter Lizenz! 2014 lag der niedrigste Umsatz bei 12,- Cent pro Bild.

Bilder wurden noch nie für so niedrige Preise verkauft wie heute. Doch was bedeutet das für die Künstler?

Wie soll man als Berufsfotograf davon leben? Wie soll man davon eine neue Kameraausrüstung finanzieren?
Die Tage wird in den Medien vielfach über die Erhöhung des Mindestlohnes auf 12,- Euro diskutiert. Ich finde das bei den steigenden Lebenshaltungskosten gerechtfertigt. Leider kann ich diesen als Freiberuflerin nicht einfordern.

Mindestlohn für Fotos!

Aber ich kann einen Mindestanteil pro verkauftem Bild fordern, der mir als Fotograf/in ausgezahlt wird. Der sollte mindestens bei einem Euro pro Bild liegen – egal in welchem Land der Fotograf lebt und arbeitet. Oder anders gesagt, statt nur 20-40% sollte der Künstler mindestens 70% aus den Einnahmen erhalten. Vielfach wird nicht bedacht, dass der Bildverkauf nicht direkt zwischen Kunde, Agentur und Fotograf verläuft, sondern das sich in der Kette zwei oder mehrere Agenturen befinden, die alle ihren Anteil von 80-60% einbehalten, sodass am Ende eben nur noch 4 Cent für den Künstler übrig bleiben.

Der wiederum nicht nur die Kosten der Freiberuflichkeit wie Miete, Krankenversicherung, Steuerberater usw. zu tragen hat, sondern auch Arbeitszeit und Investitionskosten des Fotoshootings einberechnen muss. Vom künstlerischen einmaligen Prozess ganz abgesehen, der eh unbezahlbar ist :-)

Gerade bei Fotos, bei denen ich vorweg viel Geld investiert habe und sich dieses dann nur für vier Cent verkauft (ohne das ich Einfluss darauf habe), weiß ich, dass sich der Einsatz auch in 10 Jahren nicht rechnen wird.

Kosten für Naturfotos
Auch die Erstellung von Naturfotos kostet Geld!
Fahrtkosten, Übernachtungskosten, Eintrittsgelder oder Tourismusabgabe, Verpflegung, Abnutzung Fotoausrüstung. Hier kommen schnell mehrere hundert Euro zusammen.

Denn es kommt die Verfallszeit eines Fotos hinzu. Nach ungefähr drei Jahren sind Fotos veraltet und verkaufen sich nur noch marginal. Egal wie gut das Foto ist. Das ist insbesondere bei Landschaftsaufnahmen und Naturfotos ärgerlich, da sie nicht an Aktualität verloren haben. Doch das spielt keine Rolle. Eines meiner Landschaftsbilder, das in den ersten Jahren zu meinen Bestsellern gehörte, ist seit dem letzten Jahr kaum noch in den Verkaufsstatistiken zu finden. Ein Bild, das ich heute nicht besser machen würde.

Wie wird sich der Markt weiter entwickeln?

Das Problem ist, dass ich als deutsche Fotografin mit hohen Lebenshaltungskosten mit Fotografen auf der ganzen Welt konkurriere. Wir alle produzieren für globale Agenturen wie iStock/getty images, bei denen es egal ist, woher die Bilder kommen und wie sie produziert werden. Ich kann weder in Masse produzieren noch so preiswert wie Kollegen in anderen Ländern dieser Welt.

Mein Credo “Klasse statt Masse” funktioniert so nicht mehr für mich. Zumal ich bei Kollegen erleben musste, wie Bildideen geklaut und in Masse billig im Ausland kopiert wurden. Wenn ich die Verkaufsstatistiken der letzten 5 Jahre auswerte, sehe ich, dass die Bildpreise immer mehr fallen und gleichzeitig die Beteilung der Künstler an den Umsätzen reduziert werden.

Gibt es eine Möglichkeit, diesen Preisverfall zu stoppen? Wie können wir Fotografen gemeinsam dagegen wirken? Nicht nur Berufsfotografen, sondern auch die vielen Hobbyfotografen, die sich mit Stockfotografie ein Taschengeld verdienen, um sich neue Technik kaufen zu können.

Eine neue Fotoausrüstung, die von den Agenturen technisch vorausgesetzt wird, kostet ca. 4.000 – 6.000,– Euro. Wie viele Bilder muss man verkaufen, um sich diese leisten zu können? Und wie viele Bilder muss man verkaufen, um als Stockfotograf von seiner Arbeit leben zu können?

Ich weiß im Moment keinen Rat. Keine Bilder mehr in Agenturen zu verkaufen, kann keine Lösung sein. Aber noch preiswerter kann man nicht produzieren.

Am Ende komme ich doch wieder auf das Thema Werte und Nachhaltigkeit zurück. Das die Arbeit als Fotograf und die Fotografien Wert haben. Das Fotos im Sinne der Nachhaltigkeit keinem generellem Verfallsdatum unterliegen dürfen. Und das wir die Arbeit jedes einzelnen Menschen gleichermaßen wert schätzen – egal ob Agenturinhaber, Arzt, Anwalt, Landwirt, Pfleger, Verkäufer oder Fotograf – und gleichwertig honorieren.

Gedanken zur neuen Nikon Z7/Z6

Die Photokina ist vorbei und die neusten Kameramodelle sind passend zum Weihnachtsgeschäft 2018 auf dem Markt. Dabei bin ich froh, wenn der ganze Photokina-Zirkus vorbei ist. Vor vielen Jahren war ich auf der Messe, habe mich dort aber als Frau nicht wirklich wohl gefühlt. Zwischen all den Männern, die mit riesigen Objektiv vorm Bauch alles knippsen –  mit Vorliebe spärliche bekleidete Damen, die sich an den Messeständen präsentieren.

Aktuelle Reportagen aus diesem Jahr haben das Bild leider nicht überschreiben können, auch wenn sich die Messe an sich sehr modern präsentiert hat. Befreundete Fotografen haben sich sehr lobend geäußert und ich bin immer sehr an Neuigkeiten interessiert.

Ab dem Frühsommer 2019 wiederholt sich der Zirkus nun jährlich und ich frage mich, was das für die Kamerahersteller bedeutet, die ja jetzt schon mehrfach im Jahr neue Modelle ankündigen. Für mich ist die Entwicklung so rasant, das ich viele Modellversionen kaum noch wahrnehme.

Dank meiner Workshops halte ich zwar immer die neusten Kameras diverser Hersteller in den Händen, aber es wird immer schwieriger für mich, sie kennen zu lernen und erklären zu können. Das Verfallsdatum einer Kamera ist im letzten Jahrzehnt immer kürzer geworden und zeigt ähnliche Parallelen zum Smartphone: Jedes Jahr ein neues Modell, das verspricht, jetzt noch bessere Fotos zu machen.

Dabei sieht die Realität so aus, dass die neusten Modelle nicht immer die technisch besseren sein müssen. Wenn ich an meine Nikon D700 und dem Nachfolger D750 denke, weiß ich heute, dass die D700 technisch die weitaus bessere Kamera war. Bis heute fühle ich mich von Nikon getäuscht. Aus diesem Grund war ich die letzten Jahre immer eher skeptisch. Ansatzweise hatte ich die letzten Monate mit der Nikon D850 geliebäugelt, doch sie konnte bei einem Test zu den manuellen Fokusmessfeldern meine Erwartungen nicht erfüllen. Der Preis-Leistungs-Vergleich ist einfach nicht stimmig, wenn ich z.B. die manuellen Fokusmessfelder nicht bis zum Rand schieben kann und nur Dreiviertel des Suchers abgedeckt wird. Bei meiner Art der Fotografie ist das eine der wichtigsten Funktionen und ich vermisse sie seit der D700.

Dabei komme ich mir im Moment wie ein Dinosaurier vor, weil ich über altertümliche DSLRs im Herbst 2018 schreibe und gleichzeitig die neuen spiegellosen Vollformatkameras Z6 und Z7 von Nikon erschienen sind. In den letzten Wochen wurde ich doch immer wieder angeschrieben, was ich von den neuen Modellen halte. Als begeisterte Nikon-Userin müsste ich eigentlich in Jubel ausbrechen und wie gwegner schreiben:

„Als erster Kamera Hersteller bisher hat Nikon es tatsächlich geschafft mein “brauch ich nicht” gegenüber spiegellosen Kameras ins Wanken zu bringen. Was sie allerdings darüber hinaus geschafft haben, ist bei mir ein ziemlich krasses “Will ich haben” Gefühl zu erzeugen!“ Quelle

Natürlich habe ich die Testberichte genau gelesen. Doch ich muss gestehen, dass sich das Gefühl „Will ich haben“ bisher nicht eingestellt hat. Im Gegenteil. Denn alleine das Gewicht und die Features sind kein wirklicher Kaufanreiz. Würde ich mir heute z.B. die Z7 zulegen wollen, müsste ich ca. 3990,- aufbringen. Doch das ist nur der Body. Ich bräuchte für 300 Eur einen Adapter, um meine Objektive weiter verwenden zu können (bzw. müsste damit leben, das einige Objektive fremder Hersteller nicht gehen) sowie neue Speicherkarten und Akkus. Von größeren Speichermedien und kostenpflichtigen Bildbearbeitungs-Updates ganz zu schweigen. Denn oft wird vergessen, dass ein Umstieg auf ein neues Kameramodell einen Rattenschwanz an weiteren Kosten nach sich zieht.

Dabei habe ich ungerne ein Modell, bei dem ich weiß, dass im nächsten Jahr ein Neues kommt und mir das Gefühl gibt, eine Kamera mit einem extremen Preisverfall zu besitzen. Ich möchte eine wertvolle und nachhaltige Fotoausrüstung. Spiegellose Kameras haben mir bisher immer das Gegenteil vermittelt.

Nikon habe ich immer geschätzt, weil man seit vielen Jahrzehnten dasselbe Bajonett verwendet hat. Nicht umsonst bin ich der Firma seit 22 Jahren treu. Ich mochte es, das die Kamera – egal ob Einsteigerkamera bis hin zum teuren Profimodell – immer den gleichen Aufbau hatte. Ich mag Beständigkeit, denn nur wenn ich die Kamera blind beherrsche, bin ich frei für die Fotografie.

Es ist mir bewusst, dass Nikon versucht, Marktanteile zurück zu erobern, die sie an Fuji, Sony, Olympus & Co als auch an die Smartphones verloren haben. Eine Entwicklung, die Marktkenner sicherlich vorhergesehen haben. Während mir persönlich nie eine Spiegellose Kamera im Nikon-Sortiment gefehlt hat, weil sie mich bei keinem Hersteller bisher überzeugen konnte. Dabei muss man sich immer wieder bewusst machen, dass es bei allen Kameraherstellern weniger um die Liebe zur Fotografie und technischen Raffinessen und vielmehr um Gewinnmaximierung geht.

Ebenso bin ich betrübt darüber, dass neben dem Massenmarkt, der auf viele Pixels, Touchdisplay, Wlan und Videos steht, die kleine Sparte der kreativen (Berufs-)fotografen vergessen wird, die den Technikwahnsinn nicht brauchen. Auch ich würde mich an einem neuen Modell erfreuen, doch einfach und abgespeckt: Ohne Video, ohne Touchdisplay, ohne akkufressenden digitalen Sucher. Leicht, robust, langlebig.

Ich gehöre doch zu den aussterbenden Fotografen-Dinosauriern, weil all das gegen die aktuelle Kameraverkaufsstrategie und dem Zeitgeist moderner Technik spricht. Gegen den Trend: immer mehr Funktionen, immer teurer, mit kurzer Verfallszeit.

Kurz zur Infos, wie die Kamera-Einführungspreise (nur Body) mit jedem neuen Vollformatmodell gestiegen sind:

2008 Nikon D700 ca. 2800,- Eur
2012 Nikon D800 ca. 2900,- Eur
2014 Nikon D810 ca. 3300,- Eur
2018 Nikon D850 ca. 4000,- Eur
… 2022 Nikon D900 ca. 5900,- Eur?

Wobei die Themen wie Umweltschutz, Klimaschutz bisher keine Erwähnung finden. Niemand spricht darüber, was stromfressende Akkus für den Klimaschutz bedeuten, niemand macht sich darüber Gedanken wie die Massen an Kameras hergestellt werden.

Für mein neues Naturfotografiebuch habe ich die Biographie von Karl Blossfeldt gelesen. Dabei hat mich eines beeindruckt, dass er 30 Jahre lang mit ein und der selben (Platten-)Kamera gearbeitet und damalige Kameratrends unbeachtet ließ.

Kannst du dir vorstellen, 30 Jahre lang mit einer Kamera zu arbeiten? Das würde heute nur sehr schwierig gehen. Nach wenigen Jahren erkennt der Computer die Kamera nicht mehr, weil die Anschlüsse veraltet sind. Zubehör kann man nach einiger Zeit nicht mehr kaufen und die digitalen Dateiformate sind veraltet und von aktueller Software höchstwahrscheinlich nicht lesbar. Der Rhythmus wo man immer mit muss – will man nicht stehen bleiben.

Die Frage ist nur, was kann man mitmachen und wo sind eigene Wege besser?

Die Woche habe ich von einem Fotodienstleister die Anfrage bekommen, ob ich schon in meinem Portfolio Videographie und Drohnenfotografie anbieten würde. Beides habe ich verneint, aber nicht weil es mich nicht interessiert, sondern weil meine Stärken woanders liegen. Wäre ich Hochzeits- oder Immobilienfotografin würde ich durchaus die Notwendigkeit sehen, das ich mich damit auseinander setze – vorausgesetzt es gibt eine hohe Nachfrage, die die Investition rechtfertigt.

Gleichzeitig spricht dagegen, dass es Kollegen gibt, die sich darauf spezialisiert haben und die man als Fotograf mit ins Team holen kann. So habe ich eine Kollegin, die sich auf Hochzeitsvideos spezialisiert hat und neben dem Filmen fit in Videoschnitt und Vertonung ist und auch die entsprechende Software mit Ausbildung besitzt. Sie macht wunderbare Videofilme, die einen ganz eigenen Charakter haben. Ich persönlich denke, dass man nicht gleichzeitig fotografieren und filmen kann, wenn man auf Qualität wert legt. Und jedes Sujet seine eigene spezielle Ausrüstung und Ausbildung braucht. Doch heute wird erwartet, dass man das alles kann. Schließlich verspricht die Kamera es ja in ihrer Werbung: Filmen und fotografieren ist ja kinderleicht, macht die Kamera von ganz alleine :-)

Und mein Fazit?

Nun, für technikverliebte Nikonjaner wird die neue spiegellose Vollformatkamera sicherlich ein Highlight des Jahres sein. Wer neu ins Vollformat einsteigen möchte und zwischen DSLR und DSLM entscheiden muss, ist das sicherlich ein guter Zeitpunkt. Im Kostenvergleich nehmen sich die Bodys der Z7 und D850 nichts, nur die neuen Objektive für die DSLM sind um ein vielfaches teurer (50mm Nikkor 1.4D ca. 180,- € versus Nikkor Z 50mm 1.8 für ca. 679,- € :: ein Vergleich zum Thema Bokeh und Blendensternchen würde mich brennend interessieren, wer mag mit mir testen?).

Für mich würde sich technisch nichts verbessern, die Fotos würden nicht großartiger oder besser verkäuflich werden. Das Glücksgefühl eine superneue Kamera zu haben, schnell verfliegen. Stattdessen würden hohe Umstiegskosten entstehen, die sich nicht beruflich amortisieren würden. Daher gehe ich wie immer rational mit dem Thema um. Bei all der Begeisterung fürs Neue warte ich ein paar weitere Jahre ab. Irgendwann wird auch für mich ein Modell kommen…

Hallo Nikon, wie wäre es mit einem umweltbewussten Kamerasystem? Nachhaltig, einfach, und clean, aber für Künstler/Berufsfotografen bezahlbar!

 

Neu: “Wasser” – Holunderelfe 08/2018

Holunderelfe, Zeitschrift, magazin

Ich freue mich, dass die neue Ausgabe der Holunderelfe erschienen ist. In der aktuellen Ausgabe dreht sich alles um das Thema Wasser. Auf Seite 6 findest du meinen Artikel zum Thema “Wald und Flur – Fotografieren mit allen Sinnen”. 

Aber was hat der Wald mit dem Thema Wasser zu tun? Und was verbindet  “Shinrin Yoku” mit Naturfotografie?

Holunderelfe, Zeitschrift, magazin

Wie immer kannst du das Heft online hier kaufen bzw. du findest das Magazin in allen Bahnhofsbuchhandlungen.

Frisch erschienen! Monatskalender 2019: Naturfotografie mit dem Smartphone

Es ist endlich wieder soweit! Ab sofort kannst du meinen Monatskalender 2019 vorbestellen. Ab Anfang/Mitte Oktober wird er dann lieferbar sein.

2019 dreht es sich inhaltlich um das Thema Naturfotografie mit dem Smartphone. Oft werde ich gefragt: “Wie kannst du mit deinem Smartphone diese Bilder machen? Das geht doch gar nicht!”

Natürlich hat ein Smartphone fototechnisch so seine Macken und Fehler und trotz massiver Werbung diverser Smartphonehersteller, ist noch lange nicht technisch auf dem Stand einer DSLR/Spiegellosen-Kamera. Schone alleine das fehlende “hochwertige” Objektiv und das man die Blende dementsprechend auch nicht wirklich einstellen kann, lässt das Smartphone zu einer “Schönwetterkamera” mutieren. Das heißt aber nicht, das man mit dem Smartphone keine interessanten Naturfotos machen kann. In diesem Kalender verrate ich dir meine Tipps & Tricks wie du die offensichtlichen Schwächen des Smartphones für dich verwenden kannst. Wie kannst du längere Belichtungszeiten kreativ einsetzen, die normalerweise nur “unscharfe” Fotos produzieren? Kann man Bokehs mit einem Smartphone zaubern? Und wie gehe ich mit Gegenlicht um? Wie fange ich sinnvoll Seitenlicht ein und was macht der magische Fokus? Wie können Texturen einen eigenen Look geben?  Wie kann ich Belichtungsprobleme umschiffen? Wie fotografiere ich am besten Nebel mit dem Smartphone?

Bist du neugierig geworden? Ich freue mich auf deine Bestellung!

Kalender 2019 Jana Mänz Thema: Naturfotografie mit dem Smartphone Das Smartphone als Kamera ist immer wieder umstritten. Ich nöchte dir anhand vieler Beispiele zeigen, wie du mit Schwächen der Smartphonekamera umgehen kannst und gefühlvolle Fotos entstehen können. © Jana Mänz

Der A5 Fotografie-Monatsplaner ist Kalender, Planer und Notizbuch in einem. Er ist ideal für unterwegs, er passt in jede Handtasche oder Fototasche. Er enthält praktische Monatsübersichten, 12 Monate, 56 Seiten und ausgewählte Zitate.
Das Papier besteht zu 100% Recyclingpapier. Er ist auf einem ungestrichenen Papier gedruckt, sodass der Kalender gut beschreibbar ist.

Format: Hochformat A5 (148×210 mm), 56 Seiten
Bindungsart: Klammerheftung
Material: Papier, 100 g/qm Recycling Offset weiß
Umschlag: 250 g/qm Recycling Offset weiß
Erhältlich: Herbst 2018

Gutscheinaktion bis zum 3. Oktober 2018:  Du kannst zwei Kalender für 24,80 statt 29,80 Eur bestellen. Trage den Gutscheincode im Warenkorb ein. 

Versandkostenfrei innerhalb Deutschland. Ins europäische Ausland Versand 3,50 Eur

Gutscheincode:  Kalender2019

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Auf den Spuren der Genius Loci

Workshop Naturfotografie Sächsische Schweiz 2018

Die letzten Tage habe ich damit verbracht, für die c’t digitale Fotografie einen neuen Artikel zum Thema Naturfotografie im Herbst zu schreiben (erscheint Ende Oktober 2018). In den Texten habe ich versucht, viele Facetten der Naturfotografie aufzugreifen. Ich mag die romantische Naturfotografie aber ich hinterfrage auch kritische Themen zum Umwelt- und Naturschutz. Wir übersehen oft, dass immer der Mensch und nicht die Technik im Vordergrund steht. Sie ist nur das Handwerkszeug, die Fotografie entsteht vor allem durch Wahrnehmung und Sehen. Auch dürfen wir in unserem Perfektionismus nicht vergessen, dass wir Menschen keine Maschinen sind. Wir werden durch Emotionen, Gedanken, Erlebnisse aber auch durch unsere Gesundheit geleitet, sodass die Ergebnisse der Fotografie, die Aufnahmen an keinem Tag gleich sind. Inspiration kommt nicht von alleine, Kreativität kann man nicht erzwingen und Motivation nicht durch eine neue Fototechnik erkaufen (zumindest nicht langfristig).
So geht es in einem Kapitel um das Thema Vorbilder in der Landschaftsfotografie. Es gibt viele Fotografen/innen, die ich sehr bewundere: Die isländisch/kanadische Fotografin Eydís S. Luna Einarsdóttir, der deutsche Landschaftsfotograf Bernd Ritschel oder dem brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado.

Doch wenn es um Vorbilder geht, komme ich nicht umhin, in die Malerei zu schauen. Es ist kein Geheimnis, dass ich die Gemälde von Caspar D. Friedrich liebe. Zumal er im Osten, in der Sächsischen Schweiz und auf Rügen, seine Spuren hinterlassen hat. In seinen Werken spricht mich immer wieder seine Melancholie und Romantik an, sodass ich versuche, diese auch in meinen Bildern darzustellen. Es geht mir aber nicht in erste Linie darum, ein Natur- und Landschaftsbild in seinem Duktus zu machen, sondern die geistige Atmosphäre eines Ortes, den Genios loci, zu erfühlen und in die Fotografie einzubinden. Die Liebe zur Heimat ist in seinen Werken bis heute spürbar und für mich fotografisch eine große Inspirationsquelle. Umso schöner ist es, sich auf seine Spuren auf Rügen oder in der Sächsischen Schweiz zu begeben und die Welt mit seinen Augen zu sehen. Auch wenn viele seiner Landschaftswerke aus zusammengesetzten als auch erfundenen Orten bestehen, so ist heute noch möglich, einzelne Plätze aufzusuchen.

Vielleicht möchtest du mit mir im goldenen Oktober auf eine einwöchige Fotoreise nach Rügen oder auf ein Wochenende in die Sächsische Schweiz mitkommen? Ruf mich doch einfach zu einem Kennenlernen-Gespräch an. Für beide Kurse gibt es jeweils noch zwei freie Plätze.

Landschaftsfotografie, Naturfotografie im Elbsandsteingebirge, Nationalpark Sächsische Schweiz

Was unterscheidet meine Workshops von anderen
und warum könnten genau die zu Dir passen?
Mein Geheimnis?

Ich schenke Dir und der Fotografie ganz viel Zeit und Aufmerksamkeit. Meine Art der Workshops und Fotospaziergänge bestehen NICHT darin, von Hotspot zu Hotspot zu hetzen, dir die Kamera einzustellen, dann Schuss und weiter zu stürmen. Ich möchte dir fotografieren vermitteln. Ich möchte, dass Du Fotografie erlebst, verstehst und woraus das „Gute Bild“ hervorgeht. Es geht nicht darum, als Erster im Ziel zu sein sondern glücklich ins Ziel zu kommen. Mit viel Muße und unter Wahrnehmung der Schönheit der Natur führe ich dich an wunderbare Orte in der Natur. Ich zeige dir, wie man genau hinschaut und die wunderbarsten Motive sehen lernt.

„Nichts Süßeres gibt es, als der Sonne Licht zu schauen“

Friedrich Schiller

Ich möchte mit Dir im Gespräch Motive mental erarbeiten. Dazu gehört es, auch mal eine Weile an einem Ort zu bleiben, ihn zu beobachten und zu genießen, die Sonne im Gesicht zu spüren, den Alltag hinter sich zu lassen und zu entschleunigen. Je nach Standort und Motiv werden in das Gespräch auch technische Tipps und Tricks fließen – je nach deinem Vorwissen –, doch sie werden nicht nach Stundenplan abgehandelt. Es gibt keine Aufgaben und keine theoretischen Abhandlungen, keine PowerPoint-Folien.

Workshop Fotokurs Naturfotografie Landschaftsfotografie Sächsische Schweiz 2018

Fragen wie „Und was machen wir jetzt, was ist der Plan…“ solltest Du dir und anderen nicht stellen, denn es gibt an jedem Ort eine Fülle an Motiven und Möglichkeiten. Du musst dich nur darauf einlassen können.

Mir ist es wichtig, dass wir eine entspannte Zeit miteinander verbringen. Das wir uns gemeinsam dem schönsten Hobby der Welt widmen, darüber Gespräche führen und uns kennen lernen. Erst dann wirst Du verstehen, warum ich wie fotografiere und wie ich meine Motive sehe. Stelle viele Fragen und hinterfrage deine Gewohnheiten. Versuche dich darauf einzulassen, neues auszuprobieren, zu spielen, kreativ zu werden. Warum fotografieren alle mit einer Sonnenblende? Muss das Motiv scharf sein? Sind Abbildungsfehler erlaubt?

Blicke aus neuer Perspektive auf Alltägliches. Lass dich vom Licht und Motiv inspirieren und probiere neue Techniken mit deiner Kamera aus. Ich bin dabei immer für dich da. Keine Frage ist zu dumm, um sie nicht zu stellen. Diskutiere mit mir und anderen, bleibe wach und offen. Finde die Balance zwischen der persönlichen Freiheit alleine zu fotografieren und dem gemeinsamen Austausch mit der Gruppe. Beides ist wichtig, wenn Du dich weiterentwickeln möchtest. Bleibe ebenso offen für eine Bildkritik, nimm das an, was dich weiterbringt. Versuche vor dem Kurs zu ergründen, was Du lernen möchtest, warum Du denkst, dass ich die Richtige für dich bin. Was ist Deine Erwartungshaltung von dir selber und zum Workshop?

Workshop Naturfotografie Sächsische Schweiz 2018

Ich biete nicht an:
– 10 Foto-Hotspots an einem Tag
– Stress, Hektik, Zeitdruck
– Schulunterricht und Hausaufgaben

Dafür bekommst Du:
– Viel Zeit geschenkt
– Entschleunigung
– Kreativität
– Tipps & Tricks zur Fotografie
– Intensive Gespräche, Austausch

Naturfotografie Workshop: Du hast Lust, mit mir im Oktober 2018 nach Rügen zu fahren, wenn die Buchenwälder sich in allen Farben präsentieren? Oder in die mystische Sächsische und Böhmische Schweiz?

Verkaufe Fotostudiozubehör, Fotografiebücher

Ich habe in meinem Fotoatelier aufgeräumt und würde gerne ein paar gebrauchte Sachen verkaufen

  • 4 Fotobücher Paketpreis (19,- Eur)
  • Nikon D700 + Zubehör (399,- Eur)
  • 2 Tisch Fotolampen (20,- Eur)
  • Fototasche Domke inkl. Wax (79,- Eur)
  • Mobiles Teleskophintergrundsystem (ohne Papierrolle) (20,- Eur)
  • 3 Tageslicht-Fotostudiolampen inkl. Stative inkl. Leuchtmittel (25,- Eur)

 

Bitte einfach anrufen 03437-7071314 . Bis auf das Mobile Hintergrundsystem und die großen Studiolampen inkl. Stative  kann ich alles versichert verschicken (zzgl. 6,90 € Versand mit DHL)

Oktoberferienkurs für Kinder: Smartphone-Fotokurs

Smartphone Fotospaziergang mit vielen Tipps & Tricks für besser

Smartphone-Fotokurs für Kids

Unser Motto: So bunt ist der Herbst

Wann: 9.10.2018 von 10 – 16 Uhr
Wo: Botanischer Garten Großpösna
Anzahl: max. 6 Kinder
Alter: 10 – 14 Jahre
Kursgebühr: 10,- Eur inkl. Mittagessen und Getränke

Du fotografierst gerne? Ob Urlaubsbild, deine Familie und Freunde, dein Haustier, Blumen oder dich selber? Ich zeige dir, worauf du beim fotografieren achten musst. Denn es kommt nicht auf die Technik an, sondern wie du siehst. Ich möchte dir beibringen, wie du interessante Bilder komponieren kannst.

In dem Workshop dreht sich fotografisch alles um das Thema Herbst. Keine Jahreszeit ist schöner zu fotografieren. Dabei gibt es keine langweilige Theorie!

Was wir machen:
1. Deine Smartphone-Kamera: Kamera-Einstellung, Foto-Apps, Haltung, Zoomen, Scharf & Unscharf
2. Licht: Wie viel Licht? Gegenlicht, Seitenlicht, Streiflicht, Schatten
3. Sehen lernen: Wir erkunden die Umgebung – Formen, Farben, Strukturen, Perspektive
4. Bildkritik: Was gefällt mir an dem Bild, was hätte ich besser machen können? Ist klar, was ich fotografieren wollte?

Am Ende des Workshops wird dein Lieblings-Bild ausgedruckt und du darfst es mit nach Hause nehmen.

Mitzubringen: Smartphone, Übertragungskabel bzw. das Smartphone sollte Internet haben, sodass die Bilder zum drucken verschickt werden können, Ladekabel, eventuell Powerbank
(Hinweis: Smartphone sollte komplett aufgeladen sein, denn das Fotografieren verbraucht viel Energie)
Bitte vorab kontrollieren, dass genügend Speicherplatz auf dem Smartphone ist, eventuell vorab Daten löschen.

Hinweis für die Eltern: In meinen Smartphonekursen gehe ich nicht nur auf die Fotografie und Bearbeitung mit Apps sein, sondern kläre über Risiken über die Veröffentlichung von Fotos in den sozialen Netzen auf.

Anmeldung

Bitte melde dich direkt im Kuhstall e.V. in Großpösna
unter 034297-14010 oder per email: info@kuhstall-ev.de

Weitere Infos unter: www.kuhstall-grosspoesna.de

Was für ein Sommer!

Italien

Ich fange manchmal gerne mit dem Wetter an, um sozusagen warm zu werden mit dem, was ich eigentlich schreiben möchte. Nun, dieses Mal ist mir nicht nur warm sondern bin regelrecht überhitzt. Ist das nicht ein Jahrhundertsommer? Ich habe überlegt, wann ich so einen Sommer das letzte Mal erlebt habe. Aber da muss ich wohl ein Reinkarnationsseminar besuchen, um herauszufinden, in welchem Jahrhundert das gewesen sein soll. Wobei die Wetterfrösche meinen, 2003 wäre es noch heißer gewesen, doch daran kann ich mich nicht erinnern. Höchstens an einer meiner Reisen nach Thailand, Marokko oder ins Death Valley, doch irgendwie hatte ich es da „anders heiß“ in Erinnerung. Dabei will ich auch gar nicht maulen, normalerweise friere ich immer und das ich zum letzten Mal vor sechs Wochen – oder ist es schon länger her? -, diesen Zustand erlebt habe, daran kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern. Nur meine Heizkostenrechnung aus dem März mit vier Wochen -10 bis -20°C erzählt mir eine andere frostige Geschichte.

Italien

Was soll’s, im letzten Jahr haben wir uns um dieselbe Zeit über zu viel Regen beklagt und jetzt haben wir genau das Gegenteil davon. Mein Garten ist am vertrocknen, vor allem die Hortensien sind dahin geschmolzen und lassen ihre braunen Blüten fallen. Ein trauriger Anblick, wobei ich hoffe, dass sie im nächsten Jahr wieder erblühen. Den Rosen macht das Wetter eher Vergnügen, stolz schieben sie eine Blüte nach der anderen und auch mein Salbei sonnt seine samtig silbrigen Blätter und denkt sich: „das könnte jeden Sommer so sein“, während meine Tomaten auch in diesem Jahr nichts werden. Letztes Jahr sind sie weggefault, in diesem Jahr vertragen sie die Hitze nicht. Im Moment bin ich ratlos, was Tomaten eigentlich mögen, wie im letzten Jahr wollen sie mir einfach nicht antworten.

Trotzdem ist das Sommerwetter eher ein Glücksfall, hatte ich doch die Befürchtung, dass ich nach der Sonne Italiens in das trübe graue Deutschland zurückkehren müsste. So war die Rückfahrt klimatisch übergangslos vonstatten gegangen und das übliche Italienweh hat mich nicht so überrollt wie sonst. Dabei war ich zutiefst unglücklich, als wir mitten in der Nacht in Salzburg die Grenze überquerten und mich ein Déjà-vu vom November 1989 einholte. Eine stark beleuchtete Grenzanlage mitten auf der Autobahn wie zu DDR-Zeiten mit bewaffneten Kontrollen – wir mittendrin – Autos und Busse die auseinander genommen wurden und ich fragte mich, wo unser freies Europa geblieben ist. Die beklemmenden Gefühle waren dieselben wie vor knapp 30 Jahren. Dabei hatte ich gehofft, dass wir das hinter uns gelassen hätten.

Italien

Heute beim anschauen der Bilder ist doch so heimlich die eine oder andere Italienträne geflossen, wie sehr würde ich dort gerne leben wollen. Schon alleine der wohlige Geruch nach Pinien und Jasmin. Die Fiesta und die langen Abende die deutlich meinen Biorhythmus unterstützen. Mal vom leckeren Essen, dem Cafe und Wein abgesehen.
Doch wenn das Wetter so bleibt, werde ich in meinen Garten einen Olivenbaum und eine Zypresse anpflanzen. Dann werden auch ein paar Eidechsen, Geckos und Zikaden heimisch werden und mich beglücken.

Habe ich schon von unserem Haustier in der Toscana erzählt? Mitten in der Nacht freute sich mein Partner, mir unseren Besuch vorzuführen. Im Bad hatte er einen wunderschönen Skorpion in ein Gespräch verwickelt und ihn nach oben gebeten und ihn später in den angrenzenden Olivenhain nach Hause gebracht. Ich hatte mich sehr über den Besuch gefreut, man sieht einen wildlebenden Skorpion ja nicht alle Tage. Nur habe ich vergessen, ein Erinnerungsfoto zu machen. Die darauffolgenden Nächte bin ich dann aber doch lieber mit Hausschlappen ins Bad gegangen, aber er hat sich nicht mehr blicken lassen (nicht mein Mann, sondern der Skorpion). Ich bin ja immer ganz vernarrt in die kleinen flinken Eidechsen, die sich leider so ungern porträtieren lassen. Und während ich mit weniger Geduld versucht habe, sie fotografisch einzufangen, habe ich über eine E-Mail zu meinem neuen Naturfotografiebuch nachgedacht. Vor meiner Reise hatte ich auf meinen Blog eine Umfrage erstellt und gefragt, was meine Leser gerne von mir lesen würden.

Italien

Martin schrieb mir eine lange Nachricht, unter anderem mit der Frage zum Thema Vordergrund und Hintergrund. Er schreibt mir: „Manchmal habe ich den Eindruck, du suchst den Hintergrund / das Bokeh und “packst” das Motiv einfach so dazu“. Das hat mir viel zum Nachdenken gegeben und ich habe beim fotografieren darüber sinniert, wie ich das denn jetzt gerade mache. Das Problem ist nur, wenn man sich auf diese Fragestellung konzentriert, funktioniert der kreative, emotionale Moment nicht mehr. Der Prozess des Fotografierens ist ein anderer, technischer. Und so habe ich versucht, eine Antwort darauf zu finden, indem ich meine Bilder noch einmal genau angeschaut habe.

Aus meinen Fotoworkshops und der Besprechung am Display vor Ort weiß ich, dass ich oft den Hintergrund kritisiere und meinen Teilnehmer bitte, das Foto noch einmal anders zu machen. Meistens ist er mir zu unruhig, zu dominant. Ich kann im Hintergrund meistens keine Grenzlinien zwischen Hell und Dunkel leiden, die das Bild dann so unschön in zwei Hälften teilen, sodass ich beim fotografieren eine andere Perspektive suche. Ebenfalls reagiere ich auf optische Flecken, die vor allem dann entstehen, wenn die Blende weit geöffnet ist. Ich gebe zu, oft bin ich beim Hintergrund pingeliger als bei so manchem Motiv. Ich mag es entweder klar und schlicht oder je nach Thema auch gerne verspielt und romantisch.

Italien

Bokehs sind ja meine große Leidenschaft und seitdem ich mit dem Trioplan 100 fotografiere, hat der Hintergrund noch einmal einen anderen Stellenwert bekommen. Denn auch in Italien habe ich das Objektiv zum überwiegenden Teil benutzt. Das hatte den Hintergrund, dass die bergige Nordtoscana mit nicht so vielen spannenden Motiven aufwarten konnte und die üblichen Bilder à la „Zypressenalleen am einsamen Haus“ in der Südtoscana nicht das war, was ich gesucht habe. Also musste ich mal wieder umdenken und die Landschaft anders sehen lernen.

Auf den ersten Blick ist sie einfach nur grün und bergig. Soviel grün, manchmal mit dunstig graublauem Himmel, dazwischen ein paar rote Bergdörfer und sonst –neben unzähligen Strommasten, Funktürmen – nichts, s0dass ich froh war, wenn an so manchen Tagen die Apuanischen Alpen sich hinter riesigen Wolkentürmen versteckten und die Auffahrt in die wolkenverhangenden Berge wild romantisch wurde. Blauer Himmel und sonniges Wetter kann man in den Höhenlagen fotografisch nie gebrauchen, langweiliger geht es nicht mehr. Zwar haben diese Bilder einen wunderbaren blauen Landschaftshimmel und würden sich für Reiseprospekte wunderbar eignen, doch das ist nicht das, wofür mein Fotografenherz schneller schlägt.

Italien

Himmelblaue Hintergründe sind vor allem dann ausgezeichnet, wenn man ein Detail so abbilden will, das es leicht, fast transzendent wirkt. Dafür braucht es Leerräume und dann stören weiße oder graue Wolken nur. Grundsätzlich bin ich aber immer auf der Suche nach Gegen- oder Seitenlicht für den Hintergrund. Vor allem Seitenlicht hat es mir angetan, wodurch das Bild verspielt und leidenschaftlich wirkt oder mystisch, je nachdem ob das Seitenlicht von einer kräftigen Abendsonne oder von einem nebligen Morgenlicht stammt.

Ja ich denke, Martin hat nicht ganz unrecht, wenn er sagt, dass ich eher nach dem Hintergrund Ausschau halte. Oftmals ist das der Fall, vor allem wenn ich den Vordergrund bzw. die Bildaussage klar vor den Augen habe. Gerade bei Blumen oder anderen Pflanzenaufnahmen kann man so herrlich schummeln (selbstverständlich außerhalb von Naturschutzgebieten), dass ich das Motiv so lange mit mir herumtrage, bis ich den richtigen Hintergrund gefunden habe.

Daher war meine Orchideenwanderung im Naturschutzgebiet Leutratal fotografisch wenig erfolgreich, da die kleinen unscheinbaren Orchideenblüten oft im dunklen Unterholz wachsen und gerne von vielen anderen Pflanzen umgeben sind, sodass man kaum eine vernünftige Aufnahme machen kann ohne sie zu beschädigen. Hier kommen oft nur „Reportagefotos“ heraus, die zwar ganz nett sind, aber weit entfernt von dem sind, was ich mir vorstelle. Da aber Naturschutz vor Fotografenlust steht, muss man sich damit arrangieren und sich andere Motive suchen.

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Wenn du das nächste Mal fotografieren gehst, dann schaue auch auf den Hintergrund. Versuche ihn so harmonisch wie möglich zu gestalten. Und wenn du magst, dann komme mit mir im Oktober eine Woche nach Rügen oder auf ein Wochenende in die Sächsische Schweiz und gemeinsam können wir dann über Vorder- und Hintergrund fachsimpeln.

Ich freue mich auf deine Teilnahme an meiner Umfrage und wünsche dir entspannte Ferien oder ein paar hitzefreie Tage.

Reisebericht: Unterwegs in den Apuanischen Alpen

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„Wenn Sie es nicht vermeiden können, im Sommer auf dem Flughafen von Pisa zu landen, werden Sie sich Ihren Weg aus dem Terminalgebäude wahrscheinlich durch hereinströmende Horden sonnenverbrannter Tommys bahnen müssen, die sich zum Rattern der Koffer gegenseitig beharken. Sie sind zwanzig Minuten zu spät für ihren Ryanair-Billigrückflug nach Stansted. Von derlei unangefochten können Sie, sobald Sie glücklich im Freien sind, in aller Ruhe auf dem Langzeitparkplatz in Ihren Wagon steigen und die Autobahn Richtung Norden nehmen, immer den Schildern »Genova« nach. Schon nach zwanzig Minuten fahren Sie an der Ausfahrt Viareggio wieder herunter. Keine Panik: Ihr Ziel ist nicht der Strand, dessen windschiefe Sonnenschirmfelder den langweiligen Küstenstrich meilenweit wie giftgrelle Pilzkolonien überziehen. Nein. Ihr Weg führt Sie schnurstracks landeinwärts durch das Städtchen Camaiore. Abrupt steigt die Straße in die Apuanischen Alpen an: mächtige Felsen, dicht mit Kastanien bewaldete Hänge und Gipfel im Farbton verwitterten Marmor — woraus sie zum größten Teil auch bestehen. Nach mehreren scharfen Haarnadelkurven kommen Sie in des Dorf Casoli, dessen griesgrämige Ausstrahlung wahrscheinlich daher rührt, dass es alle paar Jahre erleben muss, wie seine Randlagen von winterlichen Erdrutschen ins Tal gerissen werden. Fahren Sie durch und weiter hinauf. Abermals Wald, in den Haarnadelkurven durchbrochen von spektakulären Ausblicken. Renovierte Steinhäuser mit alpenländischem Firlefanz außen dran (Fensterläden mit herzförmigen Löchern), davor BMWs mit bayerischen Kennzeichen. Fahren sie zu: die Welt hängt Ihnen noch an den Fersen, aber Sie sind im Begriff, sie abzuschütteln. Immer weiter hinauf, bis selbst die blauen Busse mit ihren kollernden Hupen kapitulieren und auf einer eigens asphaltierten Fläche wenden…“

so fängt meine Sommerlektüre 2018 in den Apuanischen Alpen an. Ich habe sie in der kleinen Bibliothek unseres Toskanischen Ferienhauses gefunden und mit viel Freude gelesen. Ein sehr skurriles Buch mit einem bösartigen Humor. Aber die Ausführungen des englischen Autors James Hamilton Paterson beschreiben die toskanische Gegend des Camaiore so treffend, das ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte. Würde ich das Buch weiter schreiben, würde ich fortführen:
„ … und das am liebsten mit quietschenden Bremsen in den frühen Morgenstunden, kurz nachdem die Sonne hinter den Apuanischen Alpen ihr erstes Morgenrot zeigt. Wenige Minuten später parken an derselben Fläche Müllautos, die versuchen, den täglichen wachsenden Müllberg zu bergen. Aber das ist, als wenn sie gegen Windmühlen kämpfen würden, denn jener wächst kontinuierlich und unaufhaltsam. Denn kaum sind die ersten Müllautos und Busse hupender Weise den Berg hinabgerollt, fahren weitere Fahrzeuge vor, um neuen Müll abzuwerfen und sich dabei lautstark mit weiteren Müllabladern auszutauschen.
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So langsam erscheint die Sonne hinter den Berggipfeln und ein heißer neuer Tag beginnt. Endlich kämpfen sich die ersten Radfahrer auf 1000 Meter Höhe und machen eine Rast an eben dieser Müllsammelstelle, weil genau gegenüber eine kühle Wasserquelle aus dem Berg entspringt. Während die ersten Katzen und Hunde den Müll nach Essbaren durchsuchen, treffen weitere Radfahrer ein. Ein lautstarkes Meeting zwischen den teuersten Rennrädern, Pulsmessern und Herzfrequenz-Apps beginnt.

Während dessen erscheint aus der Nebenstraße meine liebste Nachbarin auf ihrer Hunderunde. Da sie kein Kind von Traurigkeit ist, sucht sie sich die ersten Opfer, die sie laut lachend und palavernd beglücken kann. Wehe, wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, der entkommt ihr nicht. Spätestens jetzt wird es Zeit für mich aufzustehen, denn mit der zunehmenden Helligkeit verabschiedet sich nicht nur das 10. Mückenbataillon und begrüßt ein Heer nervender Fliegen, sondern auch die Ruhe.

Es ist mittlerweile 6:30 Uhr in der Früh und am liebsten möchte ich der Nachbarin lautstark ein freundliches „Buongiorno“ zurufen. Doch sie ist mit ihrem Opfer anderweitig beschäftigt und ich versuche schlaftrunken die Bialetti auf den Herd zu stellen. Liebevoll decke ich den Tisch auf der Terrasse, während mein Sohn zum täglichen Dorfbäcker in das tiefer gelegene Pedona laufen darf….”
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Denn hier wartet die nächste tägliche Überraschung, die James nicht besser formulieren konnte:

„Irgendetwas am toskanischen Brot ist von Grund auf verkehrt. Ehrlich gesagt, es ist eine Schande: der einzige Makel, der eine ansonsten klassische Küche verhunzt. Selbst Italiener aus anderen Landesteilen zerreißen sich darüber das Maul, zum Beispiel mit der Bemerkung, es sei das einzige Brot der Welt, das bereits altbacken aus dem Ofen kommt. Das ist nur geringfügig übertrieben. Toskanisches Brot macht nicht dick. Sobald es mehr als drei Stunden alt ist, weil die Energie, die man braucht, um sich eine Scheibe abzuschneiden. gleich dem Brennwert der Scheibe ist. Diese Eigenschaft sollte die italienische Schlankheitsindustrie viel mehr herausstellen“.

Nachdem ich dieses Brot nun mühevoll in Scheiben geschnitten habe, bin ich dabei zum ersten Mal an diesem Morgen so richtig ins schwitzen zu geraten. Habe ich schon erwähnt, dass es hier heiß ist? Während ich die erste harte Scheibe in meinen heißen, superstarken Cafe getunkt habe, beginnt ein neuer Ferientag unter der toskanischen Sonne. Während das Mittelmeer aus der Ferne nur so flimmert, weht hier oben auf „meinem“ Berg glücklicherweise ein laues Lüftchen, sodass ich an manchen Tagen die Fahrt ins Tal lieber meide.
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Schon alleine die haarnadelscharfen Kurven ins Tal, bei denen man noch von hightech-bestückten pensionierten Fahrradfahrern im hautengen Dress aber ohne Helm überholt wird, um dann an der nächsten Kurve scharf zu bremsen, weil das entgegenkommende Auto lieber meine Fahrbahn benutzen möchte, geht es weiter ins Tal, wo sich der Verkehrshorror verdreifacht. Bis man dann endlich auf der Viareggio ist und feststellt, dass man in die falsche Richtung fährt. Einfach abfahren und wenden ist nicht möglich, also muss man weiter bis zum nächsten Telepass, dort seine Maut entrichten, in 5-fachen Wendeschleifen versuchen wieder in die richtige Richtung zu kommen um dann wieder ein Ticket in der Mautstelle zu ziehen. Wenn man soweit ist, möchte man am liebsten wieder auf dem Berg zurück und den Zikaden in den Zypressen abwechselnd mit den unendlichen Hup-Variationen italienischer kleiner Autos zu lauschen.

Habe ich schon erwähnt, dass ich Italien liebe? Urlaub kann so entspannend sein. Aber wenn man es endlich geschafft hat, über die Serpentinen und der Viareggio endlich an sein Ziel zu gelangen, erwarten einem unglaubliche Landschaften und wunderbare Eindrücke.

Heute habe ich den Ort San Pellegrino besucht. Ich kenne diesen Ort schon viele Jahre, schließlich bietet unser heimischer Dorfitaliener wunderbares Prickelwasser mit dem gleichnamigen Etikett an. Dabei habe ich mir beim Genuss nie Gedanken darüber gemacht, woher dieses Wasser entspringt, das unglaubliche 8 Euro pro Liter kostet.

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Nachdem ich heute auf 1500 Metern und ebenso viele apuanische Serpentinen überlebt habe, stand ich unverhofft über den Wolken in dem Örtchen San Pellegrino. Nach dieser Fahrt war mir klar, warum das Wasser teurer als Wein ist.
Der Ort selber besteht aus einer handvoll Häusern, davon sind drei Restaurants bzw. typische italienische Tabacchi und ein Andenkenladen, indem es getrocknete Pilze für 90,- Eur das Kilo zu kaufen gab. Den Wasserpreis kann man also noch toppen.

Doch wenn man diese Touristenläden standhaft ignoriert (ok, Sohnemann hat sich eine Tüte italienische Bonbons erschmeichelt) und nebenan im Tabacchi versucht ganz freundlich und eher radebrechend auf italienisch »due panini with brosciutto und due café« zu bestellen, wird man wahrhaft freundlich bedient und bekommt das leckerste Sandwich mit dem allerbesten Espresso der Welt gezaubert. Während mein kluger und hübscher Sohn schon mal die doppelt Menge Gelatto abstaubt, weil Italiener Kinder einfach lieben, vor allem wenn sie mit Augenaufschlag »Prego« schüchtern hauchen. Was sind schon Sprachbarrieren?

So geht wieder ein Tag zu Ende und ich kann behaupten, das leckerste Panini auf über 1500 Meter gegessen, das weltweit bekannte Örtchen San Pellegrino kennengelernt und eine wunderbare Wanderung zu einem der höchst gelegenen Seen, dem Lago Santo, der Apuanischen Alpen gemacht zu haben.

Während ich das schreibe, fressen mich auf der Terrasse nicht nur die Mücken auf, sondern es umfliegen mich die Junikäfer, die wiederum, wenn sie nicht aufpassen, von den umherschwirrenden Fledermäusen geschnappt werden. Dabei blinkt fröhlich ein Glühwürmchen im angrenzenden Oleander vor sich hin, während ein blütenschwerer Sommerjasmin zu mir herüberweht.

Kann ein Tag mit einem Gläschen Fernet Branca nicht schöner enden …
Ich wünsche Dir wunderbare Ferienwochen.


PS: Gerald Sampers berühmtes Knoblauch-Fernet-Branca-Eis:
15 große Knoblauchzehen
150 g Kristallzucker
4 EL kalte Schlagsahne
150 g Fernet-Branca

Geben Sie die Knoblauchzehen und den Zucker in einen Mixer, und gießen Sie den Rest einer Flasche Fernet-Branca darüber. Vermischen Sie dies mit steifgeschlagener Sahne. Ein ansprechender heller Braunton entsteht, und die Knoblauchnote treibt Ihnen Tränen in die Augen. Hervorragend. Ach ja, und ein oben eingedrücktes Fenchelzweiglein macht sich optisch gut.

Buchtipp:

Kochen mit Fernet-Branca: Roman von James Hamilton-Paterson
Gebundene Ausgabe: 363 Seiten
Verlag: Klett-Cotta (1. Dezember 2005)
ISBN-10: 3608937609

Eines Tages wird Sampers Einsamkeit von einer neuen Nachbarin gestört. Die stattliche Marta ist in seinen Augen eine vulgäre Person aus einer dieser ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen es nur so von Gangstern wimmelt. Aber, so behauptet sie, sie ist Komponistin von Filmmusik. Gerald glaubt kein Wort. Die gespannten nachbarlichen Beziehungen, wechselweise aus Martas und Geralds Sicht kommentiert, gründen von Anfang an auf Missverständnissen, eskalieren und nehmen immer groteskere Formen an. Schwarze Helikopter in der Nacht, sentimentale Musik aus Martas obskurer Heimat, und immer Fernet-Branca. Mit entsprechenden Folgen. Geralds Versuche, seine Einsamkeit zurückzuerlangen, scheitern. Im Gegenteil. Eine Katastrophe ist unvermeidlich …
Mit diesem spritzigen Unterhaltungsroman in der Tradition der großen komischen Autoren ist Hamilton-Paterson ein Meisterstück gelungen, witzig, aber nie seicht, beißend, aber nie gemein, prallvoll mit Einfällen und mit Rezepten. Ein kulinarischer Genuss.